Ebay Meldung

Bei Ebay für das eigene Angebot zu bieten, ist verboten. Wer den Preis für die eigene Ware hoch­treibt, begeht auch kein Kavaliers­delikt: So etwas ist strafbar. Und: Wer erwischt wird, muss Schaden­ersatz zahlen. Die Experten von Finanztest erklären die Rechts­lage anhand eines konkreten Falles – und haben bei Ebay nachgefragt, wie das Unternehmen mit vorgetäuschten Geboten umgeht. Update: In dem geschilderten Fall hat die Staats­anwalt­schaft mitt­lerweile Ermitt­lungen aufgenommen.*

Den eigenen Wagen ersteigert

Bert B.** ärgert sich. Kaum einer auf der Internetplatt­form Ebay interes­siert sich für seinen gut erhaltenen Mercedes. Wert des Wagens laut Schwacke-Liste: 10 000 Euro. Einen Tag vor Ende der Auktion liegt der Preis nach zwei Geboten bei nur 2 580 Euro. Bert B. zieht die Notbremse. Ob er selbst über ein zweites Ebay-Konto mitbietet oder er einen Freund anstiftet, ist unklar. Bei Auktions­ende liegt der Preis jedenfalls bei 8 058 Euro. Bert B. behält den Wagen und bietet ihn später erneut an.

Enttäuschter Bieter klagt – und gewinnt

Kalle K.** ist stinksauer. Er hatte früh geboten. Von Rechts wegen hätte er den Wagen für 2 580 Euro bekommen müssen, findet er und zieht vor Gericht. Kalle K. hat Recht, urteilt das Ober­landes­gericht Frank­furt am Main. Bert B. muss 7 420 Euro Schaden­ersatz an Kalle K. zahlen. Für das Gericht stand fest: B. hatte entweder selbst oder über einen Freund unwirk­same Schein­gebote abge­geben, um den Preis in die Höhe zu treiben oder den Verkauf zu einem aus seiner Sicht unzu­reichenden Preis zu verhindern.

Jetzt droht das Straf­verfahren

Möglicher­weise muss B. nun auch noch vor ein Strafge­richt. Die Staats­anwalt­schaft Darm­stadt ermittelt. Wenn die Straf­verfolger den Fall so sehen wie die Zivil­richter am Ober­landes­gericht, werden sie Anklage wegen Betrugs erheben und Bert B. muss auf der Ankla­gebank Platz nehmen. Ihm droht dann mindestens eine empfindliche Geld­strafe – oder sogar eine Frei­heits­strafe. Die Höchst­strafe für Betrug: fünf Jahre Gefäng­nis.

Ober­landes­gericht Frank­furt am Main, Urteil vom 27.06.2014
Aktenzeichen: 12 U 51/13

So geht Ebay mit vorgetäuschten Geboten um

test.de hat bei Ebay nachgefragt, wie das Unternehmen mit vorgetäuschten Geboten umgeht.

test.de: Schreitet Ebay ein, wenn in vergleich­baren Fällen der Verdacht naheliegt, dass ein Verkäufer mit Schein­geboten den Preis in die Höhe treibt oder einen Verkauf unter einem bestimmten Preis verhindern will?

ebay: Gemäß unserer Allgemeinen Geschäfts­bedingungen ist es Verkäufern untersagt, eigene Auktionen durch Abgabe von Geboten unter Verwendung eines weiteren Nutzer­kontos oder durch die gezielte Einschaltung eines Dritten zu manipulieren. Erhalten wir von Dritten, beispiels­weise von anderen eBay-Nutzern, diesbezüglich Hinweise, so wird der Sach­verhalt vom eBay-Sicher­heits­team unver­züglich untersucht. Darüber hinaus über­prüft unser Sicher­heits­team den Online-Markt­platz auch in Eigen­initiative stich­proben­artig auf unzu­lässige Verhaltens­weisen wie die Abgabe von Geboten auf eigene Auktionen oder die gezielte Einschaltung eines Dritten zur Manipulation einer Auktion. Jeder, der den Verdacht hat, dass ein Verkäufer seine Auktionen in unzu­lässiger Weise manipuliert, kann dies dem eBay-Sicher­heits­team melden. Lässt sich die Abgabe solcher unzu­lässiger Gebote nach­weisen, werden die Mitglieds­konten der unbe­rechtigt Bietenden vom Handel bei eBay ausgeschlossen. Außerdem wird der Verkäufer verwarnt und im Wieder­holungs­fall dauer­haft von der Nutzung des eBay-Markt­platzes ausgeschlossen.

test.de: Stellen Sie in solchen Fällen auch Straf­anzeigen wegen Betrugs?

ebay: Der Nach­weis eines strafrecht­lich relevanten Verhaltens ist an höhere Anforderungen geknüpft als der Nach­weis einer unwirk­samen Willens­erklärung. Betroffenen Verkäufer haben natürlich die Möglich­keit, Straf­anzeige zu stellen.

test.de: Kennen Sie Fälle, in denen Schein­gebote zu einem Straf­verfahren wegen Betrugs geführt haben?

ebay: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns aus Gründen der Betrug­sprävention hierzu nicht äußern können.

* Diese Meldung erschien erst­mals am 3. Oktober 2014. Wir haben sie am 24. April 2015 aktualisiert.

** Namen von der Redak­tion geändert

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