Ebay-Auktionen Meldung

Ebay-Verkäufer sind von Anfang an in der Pflicht. Wer ein Angebot vorzeitig abbricht, muss die Ware für den bei Abbruch gebotenen Betrag liefern oder Schaden­ersatz zahlen. Nur mit gutem Grund darf ein Verkäufer seine Auktion stoppen. test.de schildert zwei aktuelle Urteile, gibt Tipps und sagt, was Bietern zusteht und aus welchen Gründen Verkäufer eine Auktion abbrechen dürfen.

Verurtei­lungen zu Schaden­ersatz

Das Vorurteil hält sich hartnä­ckig: Bis zwölf Stunden vor Ende einer Ebay-Auktion kann der Verkäufer sie ohne weiteres beenden. Das ist Unsinn, erfahren manche Ebay-Verkäufer erst vor Gericht.

Fall 1: Ein Mann aus Hamm in West­falen bot per Ebay-Auktion einen kompletten Motor samt Getriebe- und Anbau­teilen für einen Golf V GTI an. Später über­legte er es sich dann doch wieder anders und brach die Auktion ab. Da lag das Höchst­gebot bei 201 Euro. Der Bieter verlangte Lieferung. Als der Verkäufer sich weigerte, zog er vor Gericht und forderte Schaden­ersatz wegen Nicht­erfüllung: 3 000 Euro für Wert des Motors abzüglich 201 Euro Höchst­gebot bei Auktions­ende. Das Amts­gericht Hamm entschied: Dem Kläger steht Schaden­ersatz zu. Der Verkäufer durfte sein Angebot nicht einfach wieder zurück­ziehen.

Fall 2: Seinen alten Wagen wollte ein Mann aus dem Sauer­land loswerden. Er bot den Wagen bei mobile.de und bei Ebay gleich­zeitig an. Als sich über das Spezialportal für Gebraucht­wagen für 750 Euro einen Käufer fand, brach er die der Ebay-Auktion zehn Minuten vor Ende bei einem Stand von 605,99 Euro ab. Wiederum verlangte der Höchst­bietende Lieferung und verurteilte das Gericht den Ebay-Anbieter schließ­lich zu Schaden­ersatz.

Abbruch nur bei wichtigem Grund

Ebay-Angebote sind von Beginn einer Auktion an verbindlich, erklärten die Richter den beiden Ebay-Verkäufern. Nur aus folgenden Gründen dürfen sie einmal einge­stellte Angebote wieder stoppen:

  • Irrtum über für das Angebot wesentliche Dinge (Beispiel: Das Ölgemälde entpuppt sich als echter Rembrandt, der vermeintlich echte Schmuck als billiger Tand oder der voll funk­tions­fähige Fernseher als unbrauch­barer Elektro-Schrott, ferner: Tipp­fehler beim Fest­legen des Mindest­preises.)
  • Bei nach­träglicher Entdeckung von erheblich Mängeln.
  • Verlust oder Zerstörung der angebotenen Ware

Stets gilt: Ebay-Verkäufer müssen ihr Angebot sofort stoppen, wenn Sie einen Irrtum bemerken oder vom Verlust erfahren. Sie müssen den Höchst-Bieter und, wenn dieser klagt, das Gericht davon über­zeugen, dass sie berechtigt waren, das Angebot zu stoppen und dafür im Zweifel auch Beweise liefern.

Tipps

  • Wichtigster Ratschlag für Ebay-Verkäufer: Legen Sie zumindest bei Angeboten hoch­wertiger Ware unbe­dingt einen angemessenen Mindest­preis fest. Wenn Sie darauf verzichten, müssen sie zum Höchst­gebot bei Auktions­ende liefern, auch wenn es weit hinter dem Wert ihres Angebot zurück­bleibt. Einzige Ausnahme: Sie sind ausnahms­weise berechtigt, ihr Angebot zu stoppen.
  • Ratschlag für Ebay-Käufer, die sich um ein Schnäpp­chen betrogen fühlen: Wenn Sie bei Auktions­abbruch Höchst­bieter waren, lohnt sich oft, vom Verkäufer Lieferung zu fordern. Der Verkäufer muss nach­weisen, dass er berechtigt war, sein Angebot zu stoppen.

Amts­gericht Hamm, Urteil vom 14.09.2011
Aktenzeichen: 17 C 157/11
Amts­gericht Menden, Urteil vom 24.08.2011
Aktenzeichen: 4 C 390/10

Grund­legend zum Vertrags­schluss bei Ebay-Auktionen:
Bundes­gerichts­hof, Urteil vom 08.06.2011
Aktenzeichen: VIII ZR 305/10

[Update 23.01.2012] Inzwischen wurde ein weiteres Urteil bekannt: Ein Mann hatte einen Satz Auto­reifen im Wert von 579 Euro bei Ebay angeboten. Als er einen anderen Käufer fand, brach der die Auktion ab. Der zu diesem Zeit­punkt mit einem Gebot von 1 Euro Höchst­bietende forderte zunächst Lieferung und dann Schaden­ersatz. Das Amts­gericht Nürtingen sprach ihm 578 Euro zu.

Amts­gericht Nürtingen, Urteil vom 16.01.2012
Aktenzeichen: 11 C 1881/11

[Update 30.03.2012] Noch ein neues Urteil: Eine Frau aus Detmold muss ihren Wohn­wagen im Wert von rund 2 000 Euro für 56 Euro an einen Ebay-Bieter liefern. Sie hatte ihn bei Ebay angeboten und die Auktion schon kurz nach dem Start abge­brochen, als ihr Lebens­gefährte jenseits vom Online-Auktions­haus einen Käufer gefunden hatte.

Land­gericht Detmold, Urteil vom 22.02.2012
Aktenzeichen: 10 S 163/11

[Update 29.06.2012] Ebay-Verkäufer dürfen ihr Angebot auch stoppen, wenn sie nach­träglich erhebliche Mängel entdecken und sie daran kein Verschulden trifft. Das hat das Land­gericht Bonn entschieden. Ein Mann hatte seinen alten Wagen bei Ebay angeboten. Als er ihn nach Start der Auktion erst­mals von Hand wusch, entdeckte er Fehler im Lack. Es stellte sich heraus: Das Auto hatte einen Unfall­schaden.

Land­gericht Bonn, Urteil vom 05.06.2012
Aktenzeichen: 18 O 314/11

[Update 02.05.2013] Wer nach Start der Auktion bemerkt, dass er keinen Mindest­preis angegeben hat und die Ware daher mit einem Start­preis von 1 Euro bei ebay erscheint, ist nicht zur Anfechtung berechtigt und darf die Auktion nicht abbrechen. Das hat das Amts­gericht Bremen entschieden. Ein zur Anfechtung berechtigender Irrtum liegt nur vor, wenn der Anbieter beim Einstellen der Ware falsche Vorstel­lungen über den Start­preis hat. Der Verkäufer eine Iphone 3GS muss jetzt Schaden­ersatz wegen Nicht­erfüllung zahlen.

Amts­gericht Bremen, Urteil vom 05.12.2012
Aktenzeichen: 23 C 0317/12

[Update 31.01.2014] Erneut hat ein Ebay-Fall den Bundes­gerichts­hof (BGH) beschäftigt. Ein Mann hatte einen Oldtimer-Motor im Wert von rund 5 000 Euro angeboten. Bei 1 509 Euro stoppte er die Auktion. Er sagte zunächst, er habe jenseits von Ebay einen Käufer gefunden. Später behauptete er: Er habe nach Start der Auktion erfahren, dass der Motor seine Zulassung für den Straßenverkehr verloren habe. Das Land­gericht Braun­schweig hielt die Klage des Höchst­bieters für gerecht­fertigt. Selbst wenn der Anbieter wegen Irrtums über eine wesentliche Eigenschaft zur Anfechtung berechtigt war, müsste er Schaden­ersatz zahlen, argumentierten die Richter dort. Er hätte die Anfechtung dem Höchst­bieter gegen­über unver­züglich erklären müssen. Falsch, urteilte jetzt der BGH. Auf die Anfechtungs­erklärung kommt es nicht an. Der Mann durfte die Auktion schon beenden, wenn er nur zur Anfechtung berechtigt ist. Das Land­gericht Braun­schweig muss den Fall jetzt neu aufrollen und klären, ob der Motor-Verkäufer sich beim Start der Auktion tatsäch­lich im Irrtum über eine wesentliche Eigenschaft befand.

Bundes­gerichts­hof, Urteil vom 08.01.2014
Aktenzeichen: VIII ZR 63/13

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