Ebay-Auktionen Meldung

Um das Weißgold-Modell eines solchen Edel-Handys von Vertu wird gestritten.

Um das Weißgold-Modell eines solchen Edel-Handys von Vertu wird gestritten.

Ebay-Auktionen können ein teurer Spaß werden – auch für den Verkäufer. Ein Ebay-Verkäufer muss jetzt möglicherweise über 23 000 Euro Schadenersatz zahlen, weil er ein gefälschtes Edel-Handy versteigert hatte. test.de schildert seinen Fall.

Strass statt Diamanten

„Vertu Weiß Gold“ – so hatte ein Mann aus dem Raum Saarbrücken sein Ebay-Angebot überschrieben und sich ausdrücklich an alle Freunde von Handys der sündhaft teuren Edelmarke aus England gewandt. Ein solcher fand sich dann auch. Ein Bieter setzte bis zu 1 999 Euro und bekam am Ende der Ebay-Auktion bei 782 Euro den Zuschlag. Tatsächlich kostet das mit reichlich Edelmetall und -steinen geschmückte Handy-Modell rund 24 000 Euro. Doch das Ebay-Handy war kein Vertu, sondern ein billiges Imitat. Der Gewinner der Auktion forderte daraufhin die Lieferung eines echten Vertu-Handys, so wie es der Ebay-Verkäufer angeboten hatte – oder Schadenersatz. Der Verkäufer solle „wegen Nichterfüllung“ zahlen und zwar: 24 000 Euro Handywert abzüglich 782 Euro Kaufpreis – macht 23 218 Euro. Der Verkäufer wollte aber nicht zahlen.

Billig-Gebote nicht sittenwidrig

Daraufhin zog der Bieter vor Gericht. Vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht in Saarbrücken blitzte er mit seinen Klagen allerdings ab: Ein derart teures Handy für so wenig Geld zu fordern, sei sittenwidrig und der Vertrag daher nichtig, urteilten die Richter in beiden Instanzen. Doch die Richter am Bundesgerichtshof hoben die Urteile auf. Zumindest mit dieser Begründung hätten die Richter die Klage nicht abweisen dürfen, meinten sie. Wegen Wuchers sittenwidrig sei ein Vertrag nur, wenn der Ebay-Bieter verwerflich gehandelt hätte. Bei Ebay einen Preis weit unterhalb des wirklichen Werts zu bieten, sei aber legitim.

Oberlandesgericht verhandelt erneut

Ob der Ebay-Verkäufer jetzt tatsächlich Schadenersatz zahlen muss oder er mit einem blauen Auge davon kommt, muss das Oberlandesgericht Saarbrücken jetzt erneut prüfen. Nach der BGH-Entscheidung hat der Käufer des Handys gute Chancen auf Schadenersatz, wenn der Verkäufer nicht nachweisen kann, dass er sein Imitat für echt gehalten hat und er sein Angebot wegen Irrtums über wesentliche Eigenschaften wirksam angefochten hat.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 28.03.2012
Aktenzeichen: VIII ZR 244/10

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