Ebay-Auktionen Meldung

Ein Ebay-Verkäufer bot ein Schmuck­handy der Marke Vertu aus Weiß­gold, lieferte aber ein billiges Imitat. Der folgende Rechts­streit ging bis zum Bundes­gerichts­hof. Der Käufer will 23 000 Euro Schaden­ersatz – und hat Chancen auf Erfolg.

Der Fall: vermeintliches Schnäpp­chen für 782 Euro

Ein Nobel­handy der Marke Vertu aus Weiß­gold bot ein Mann aus dem Raum Saarbrücken bei Ebay an. Start­preis: 1 Euro. Wert des mit reichlich Edel­metall und Edelsteinen geschmückten Handys: 24 000 Euro. Das Höchst­gebot bei Auktions­ende: 782 Euro. Doch das Nobel­handy entpuppte sich als billige Fälschung. Der Ebay-Käufer verlangte die Lieferung des echten Vertu-Weiß­gold-Modells oder 23 218 Euro Schaden­ersatz.

Die Urteile: BGH bringt Chance auf Schaden­ersatz

Land­gericht und Ober­landes­gericht Saarbrücken wiesen die Klage des Ebay-Bieters ab. Für so wenig Geld die Lieferung eines echten Schmuck­stücks zu verlangen, sei sittenwid­rig und der Vertrag nichtig. Doch der Bundes­gerichts­hof (BGH) hob die Entscheidungen auf. Bei Ebay zu bieten, um für wenig Geld ein Schnäpp­chen zu machen, sei nicht verwerf­lich, argumentierten die Bundes­richter. Das Ober­landes­gericht muss den Fall jetzt neu aufrollen. Der Käufer hat gute Chancen auf hohen Schaden­ersatz.

Die Konsequenz: Angebot ehrlich beschreiben

Ebay-Verkäufer dürfen nicht mehr versprechen, als sie halten können, und müssen ihr Angebot wahr­heits­gemäß beschreiben. Wer versehentlich Strass als echten Schmuck anbietet, kommt nur davon, wenn er sein Angebot sofort bei Fest­stellung des Irrtums anficht.

Weitere Fälle: Ebay-Auktionen verbindlich

Auch sonst sind Ebay-Angebote von Anfang an verbindlich und lassen sich nur ausnahms­weise nach­träglich stoppen. So muss eine Frau aus Detmold ihren alten Wohn­wagen im Wert von 2 000 Euro für nur 56 Euro hergeben (Land­gericht Detmold, Az. 10 S 163/11). Sie hatte die Auktion kurz nach dem Start wieder gestoppt, um den Wohn­wagen jenseits von Ebay zu verkaufen.

Tipp

Wenn Sie über Ebay hoch­wertige Ware verkaufen möchten, sollten Sie unbe­dingt einen angemessenen Mindest­preis fest­setzen. Sonst gilt der Höchst­preis bei Auktions­ende – auch wenn dieser weit hinter den Erwartungen zurück­bleibt.

Bundes­gerichts­hof: Urteil vom 28. März 2012
Aktenzeichen: VIII ZR 244/10

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