EZB Meldung

Die Europäische Zentral­bank senkt ihren Leitzins von bisher 0,25 Prozent auf das Rekord­tief von 0,15 Prozent. test.de erklärt, welche Auswirkung diese Entscheidung für Anleger, Sparer und Häuslebauer hat – und wer jetzt schnell handeln sollte.

Zentral­bank-Rat beschließt Leitzins­senkung

Der Rat der Europäischen Zentral­bank (EZB) hat am Donners­tag beschlossen, den Leitzins im Euro-Raum auf das Rekord­tief von 0,15 Prozent zu senken, nachdem der Zins im vergangenen Jahr bereits auf 0,25 Prozent gesenkt worden war. Der Leitzins ist der Zins­satz, zu dem sich Geschäfts­banken bei der Zentral­bank mit Geld versorgen können.

EZB will Deflation entgegen­wirken

Angesichts der extrem nied­rigen Inflation im Euro-Raum von zuletzt 0,5 Prozent hatte der Rat der EZB bereits seit längerem über eine weitere Senkung des Leitzinses nachgedacht, um einer Deflation entgegen­zuwirken. Deflation ist das Gegen­teil von Inflation, also ein allgemeines und dauer­haftes Sinken der Preise. Das kann dazu führen, dass Unternehmen Investitionen zurück­stellen. Verbraucher verzichten dann auf neue Anschaffungen, weil sie auf noch nied­rigere Preise hoffen.

Dax knackt 10 000-Punkte-Marke

Nach der EZB-Entscheidung stieg der Dax zum ersten Mal seit Bestehen über die 10 000-Punkte-Marke. Der Euro fiel auf einen Kurs von weniger als 1,36 Dollar je Euro. Anfang Mai kostete ein Euro noch knapp 1,40 Dollar. Die Rendite für 10jährige Bundes­anleihen liegt weiter bei rund 1,42 Prozent pro Jahr.

Auswirkung auf Zins­anlagen und Kredite

Sparer müssen damit rechnen, dass sie für Tages- und Fest­geld künftig noch weniger Zinsen bekommen als bisher. Wer sich das heutige Zins­niveau noch sichern will, sollte mit einer Fest­zins­anlage nicht lange warten. Denn in der Vergangenheit gaben Banken Zins­senkungen der EZB bei Geld­anlagen schneller an die Kunden weiter als bei Krediten.

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Angst vor negativen Zinsen müssen Sparer aber nicht haben. Strafzinsen gibt es nur für Banken, die bei der EZB Geld parken, anstatt es an Unternehmen und Verbraucher zu verleihen. Der entsprechende Einlagenzins für Banken sinkt auf –0,1 Prozent. Über Gewinne dürfen sich Anleger mit Rentenfonds freuen. Das zeigen die Renditen von Rentenfonds, die in Staats­anleihen aus Euro­land investieren. Die beiden Fonds db x-trackers iBoxx € Sover­eigns Eurozone ETF und iShares Euro Government Bond Capped 1.5–10.5 Ucits ETF haben seit einem Jahr um mehr als 6 Prozent zugelegt (Stichtag 30. Mai 2014).

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Güns­tige Bedingungen für den Immobilienkauf

Für Immobilienkäufer ist der nied­rige Leitzins eine weitere Chance, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Selbst­nutzer stecken ihr Geld in etwas Solides, sparen ab sofort jeden Monat Miete und profitieren von den extrem nied­rigen Zinsen für Immobilien­kredite. Und wer die Immobilie als Geld­anlage nutzen will, hat die Chance, seine Eigen­kapitalrendite durch eine güns­tige Finanzierung zu erhöhen. Denn Hypothekendarlehen waren noch nie so günstig wie heute – und werden nach der Leitzins­senkung vielleicht noch güns­tiger. Für einen Kredit mit zehn Jahren Zins­bindung zahlen Bauherren und Wohnungs­käufer derzeit gut 2 Prozent Zinsen im Jahr. Topangebote gibt es sogar schon für unter 2 Prozent. Vor fünf Jahren waren die Zins­sätze noch mehr als doppelt so hoch. Das macht den Bau oder Kauf der eigenen vier Wände oft auch für Durch­schnitts­verdiener erschwing­lich. Die Zins­unterschiede zwischen den Kredit­angeboten von Banken, Versicherungen und Bausparkassen sind allerdings enorm.

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Was Anleger jetzt tun sollten

Der beste Tipp für Anleger in der aktuellen Situation lautet: Mischen, mischen, mischen. Mit Fest­zins­anlagen bei Banken können viele Anleger ihre Sparziele, etwa für die Alters­vorsorge, oft kaum noch erreichen. Der Zinseszins­effekt ist so gut wie weg. Anleger, die mehr Rendite erzielen wollen, müssen zusätzliche Risiken eingehen. Eine Geld­anlage mit über­schaubarem Risiko bieten breit gestreute Aktienfonds, zum Beispiel Indexfonds auf den Welt­aktien­index MSCI World. Schon ein kleiner Teil Aktienfonds im Depot genügt, um die Chance auf eine höhere Gesamt­rendite zu verbessern. Angesichts der Tatsache, dass die Aktien­kurse derzeit auf Rekord­niveau stehen, sollten Sie einige Regeln beachten:

  • Investments verteilen. Investieren Sie nicht die ganze für Aktien­investments vorgesehene Summe auf einen Schlag. Teilen Sie sie in mehrere Tranchen auf und kaufen Sie Ihre Fonds­anteile verteilt über mehrere Monate, um zu vermeiden, das ganze Geld zum schlechtesten Zeit­punkt investiert zu haben.
  • Rentenfonds. Passen Sie auf bei Rentenfonds. Sollten die Zinsen an den Finanzmärkten wieder ansteigen, hat das Kurs­verluste zur Folge. Allerdings fallen diese Verluste normaler­weise deutlich geringer aus als bei Aktienfonds, und es dauert auch längst nicht so lange, bis sie wieder ausgeglichen sind. Für eine lang­fristige Geld­anlage sind Rentenfonds, die in Staats­anleihen Euro­land investieren, aber allemal geeignet.

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