EU-Führerschein Meldung

Polnische Fahrschulen werben um deutsche Kunden. Günstige Festpreise - zum Beispiel 950 Euro für den Führerschein in Stettin - und der Verzicht auf die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) sind ihr Argument.

Für Fahranfänger lohnt sich die Sache aber nur, wenn die ­polnische Fahrschule auch inklusive Anreise und Übernachtungskosten günstiger ist. Eine EU-Richtlinie schreibt außerdem vor, dass der Führerscheinerwerber 185 Tage im Land gemeldet sein muss. In Polen wird diese Vorschrift bislang kaum kontrolliert, Tschechien prüft seit Juli genauer. Deutsche Behörden dürfen vom Besitzer eines EU-Führerscheins keinen Nachweis über das Einhalten dieser Frist mehr verlangen.

Wer im EU-Ausland die MPU umgehen will, kann sich die Reise sparen. Das Verwaltungsgericht Münster hat jetzt einer Frau untersagt, mit ihrem in Stettin erworbenen EU-Führerschein in Deutschland zu fahren, bevor sie nicht die MPU bestanden hat (Az. 10 L 361/06). Der Klägerin war fünfmal wegen Trunkenheit am Steuer in Deutschland der Führerschein entzogen worden. Obwohl die polnischen Behörden darüber vom Kraftfahrtbundesamt informiert wurden, händigten sie die Fahrerlaubnis aus. Die Sicherheit im Straßenverkehr ging den Richtern vor EU-Recht, das die gegenseitige Anerkennung der Fahrlizenzen vorschreibt (EuGH, Az. C-476/01).

Tipp: Ohne Risiko lässt sich die Wartezeit nach einer Sperre durch eine Nachschulung verkürzen. Zuvor muss der Amtsrichter seine Zustimmung geben. Da die Schulungen leicht mehr als 500 Euro kosten können, lohnt sich der Aufwand erst ab einem einjährigen Führerscheinentzug.

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