Die Reportage: Tulpen inklusive

Lohnt sich der Autokauf im EU-Ausland wirklich? Ein Finanztest-Redakteur hat es probiert.

Eigentlich bin ich kein Schnäppchenjäger. Aber nun ist es doch passiert: Für unseren neuen Wagen bin ich von Berlin bis Amsterdam gefahren. 650 Kilometer hin mit der Bahn – und mit dem neuen Auto durch Schneetreiben zurück. Ob es sich gelohnt hat, wollen Sie wissen? Ja, das hat es.

Aber erst einmal von Anfang an. Die Fami­lien­konferenz hat getagt. Wir brauchen ­einen neuen Wagen. Einen Gebrauchten. Diesel, Kombi, nette Ausstattung ­– und günstig. Die Wahl fällt auf den Skoda Octavia.

Universalsuche im Internet

In den Autobörsen www.mobile.de und www.autoscout24.de überrollen uns die Angebote. Neben Gebrauchten gibt es aber auch viele Neuwagen, oft ebenso günstig. Wie das? Die Antwort steht im Angebot: „EU-Wagen.“

Gehört hatten wir schon davon. In vielen Ländern bittet der Staat Autokäufer so sehr zur Kasse, dass Hersteller dort billiger anbieten müssen, damit überhaupt jemand kauft. So zahlen die Finnen 22 Prozent Mehrwert- und eine Zulassungssteuer von 100 Prozent des Autopreises. Sehr teuer ist der Autokauf auch für Dänen und Niederländer.

Das ist unsere Sparchance. Denn wir zahlen beim EU-Einkauf nur den Nettopreis und zu Hause 16 Prozent Mehrwertsteuer.

Selbstimport ist erste Liga

Also soll es ein neuer EU-Wagen werden. Schlechter wird der ja nicht sein.

Ist er auch nicht. Nur die Ausstattung der Wagen variiert von Land zu Land. Das erschwert den Preisvergleich. Doch genau wie die Konkurrenz hat Skoda einen Autokonfigurator auf der Firmen-Homepage. Damit berechnen wir die Preise entsprechend ausgestatteter deutscher Wagen und vergleichen.

Mit Bier und Chips ist die abendliche Internetsitzung besser als Fernsehen. Und siehe da: Wir können richtig sparen!

Doch vor der Spritztour ins nächste EU-Nachbarland schrecken wir dann doch zurück. Uns wird klar, Selbstimport heißt Papierkrieg. So müssten wir das Auto in den meisten Ländern mit ausländischem Zollkennzeichen holen – und entsprechend versichern. Wo beantragt man so etwas?

Und bei der Zulassung müssten die Papiere stimmen. Das Amt will Kaufvertrag, Versicherungskarte, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Kraftfahrtbundesamt und das „Certificate of Confirmity“ sehen. Das ist eine europäische Betriebserlaubnis, ohne die noch Tüv und Asu fällig wären.

Das ist uns alles zu viel, auch wenn manch ausländischer Händler einem den Wagen bequem bis an die Grenze bringt. Für uns muss es bequemer laufen. Mag sein, dass Sparfüchse aus der ersten Liga selber importieren, um das volle Sparpotenzial auszuschöpfen. Wir aber sind zweite Liga.

Vermittler machen das Geschäft

Deutsche EU-Wagenvermittler, die gegen Provision den Kauf arrangieren, sind da eher unsere Kragenweite. Über das Internet finden wir reichlich Vermittler, die unser Wunschauto im Angebot haben. Sie reagieren auf unsere Anfragen geduldig und freundlich. Sie kennen unsere Sorgen offenbar zur Genüge: „Wann muss ich bezahlen? Was ist mit Garantie und Gewährleistung? Entspricht das Auto der deutschen Abgasnorm?“ Immer gibt es zügig Antwort.

Wir werden immer schlauer. Mit dem ­Importeur schließt man einen Vermittlungsvertrag. Entweder über ein Auto mit Ausstattung nach Wahl, das der ausländische Händler dann ab Werk bestellt. Oder über ein fertiges Lagerfahrzeug. Der Importeur klärt die Formalitäten und bringt den ausländischen Händler ins Geschäft. Der schickt dann eine Kaufvertragsbestätigung und nennt Liefer- oder Abholtermin. Wir lernen, dass Vermittler, die Anzahlungen wollen, unseriös sind. „Auto gegen Geld“ lautet die Devise.

Vermittler ist nicht gleich Vermittler

Bei der Internetsuche kommen wir ins Allgäu, wo ein Importeur unser EU-Wunschauto vorrätig hat. Er vermittelt nicht, sondern verkauft selbst. Interessant. So hätten wir einen deutschen Verkäufer und verbraucherfreundliches deutsches Kaufrecht.

Aber wir entscheiden uns gegen das Allgäu. Denn bei bereits importierten Wagen läuft schon die meist zweijährige Garantiefrist. Nur beim Kauf eines Importwagens vom deutschen Skoda-Vertragshändler wäre das anders. Die volle Frist ist uns wichtig. Nur in der Garantiefrist könnten wir Mängel auch in einer Berliner Skoda-Werkstatt gratis reparieren lassen.

Der nächste Importeur – ein Thüringer – ist konkurrenzlos günstig und ebenso freundlich. Aber das Angebot ist seltsam. Der Importeur erklärt, dass wir durch ihn direkt beim Skoda-Werk in Tschechien kaufen würden. Doch warum sollte Skoda das eigene Händlernetz umgehen? Bei der Skoda-Zentrale in Deutschland weiß man davon nichts. Wir lassen die Finger davon.

Allein schon, weil wir hier einen Kaufvertrag nach tschechischem Recht bekämen. Wie verbraucherfreundlich das ist, wissen wir nicht. Beim Kauf in EU-Ländern ist das anders. Hier hat der EU-Gesetzgeber bereits für einheitliche Rechtsstandards gesorgt.

Der Vermittler erledigt den Papierkrieg

Nächster Stopp im Internet: Flensburg. Hier bietet uns der „IMS-Makler“ ein „Lagerfahrzeug“ an. Farbe, Motor und Ausstattung stimmen. Es steht in Amsterdam. Wir zaudern. Wie lange der Wagen da wohl schon steht? Der Zweifel verfliegt, denn der Vermittler sichert zu, dass es sich um ein Modell 2003 handelt. Alles klar. Wir wollen kaufen.

Nun geht alles zügig. Per E-Mail bestellen wir und bekommen umgehend Post. Eine Endverbrauchererklärung ist zu unterschreiben, damit der Händler den Wagen an uns verkaufen darf. Und eine Vollmacht für die Erledigung des Papierkrams. Einige Wochen später kommt der Fahrzeugbrief. Es geht zur Versicherung und weiter zum Amt, das unser Auto zulässt.Wir bekommen die endgültigen Kennzeichen und den Fahrzeugschein.

Dann ist Reisetag. Mit dem Zug geht es nach Amsterdam. Im Gepäck die Kennzeichen und über 15 000 Euro in bar. Mir wird mulmig ­– kurz vor dem Ziel wird im Zug vor Dieben gewarnt. Aber ich komme sicher im Autohaus an. Vom S-Bahnhof holt mich Verkäufer Witteveen sogar ab.

Er erklärt mir das Auto, installiert das ­Radio und bringt die Kennzeichen an. Dann stempelt er das Serviceheft, erklärt die Inspektionsintervalle und kassiert das Geld. Ich bekomme Quittung, Schlüssel, einen Händedruck – und einen Strauß Tulpen. Ich steige ein und fahre ab. Zufrieden. Ob ich gespart habe, wollten Sie wissen? Hab ich. Runde 4 700 Euro.

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