ETF Special

Die Anbieter von börsen­gehandelten Indexfonds in Deutsch­land sind kaum bekannt. Wir stellen die zehn wichtigsten vor.

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Was haben Allianz, BASF, Deutsche Bank und viele weitere Dax-Konzerne gemein­sam? Ihr größter Einzel­aktionär kommt nicht aus Deutsch­land oder Europa, sondern aus den Vereinigten Staaten: Es ist Black­rock, zurzeit der größte Vermögens­verwalter der Welt.

Viele Anleger sind wiederum, oft ohne es zu wissen, Kunden von Black­rock. Dann nämlich, wenn sie einen Indexfonds der Marke iShares im Depot haben – einen Fonds, der einen Index nach­bildet, kurz ETF genannt (auf Eng­lisch: Exchange Traded Funds). iShares ist in Deutsch­land einsamer Markt­führer: Die Investmentgesell­schaft hat das größte Angebot und verwaltetet das größte ETF-Vermögen (siehe Grafik). Finanztest zeigt, wer hinter den wichtigsten ETF-Anbietern steckt und sagt, worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten.

In Deutsch­land kaum bekannt

ETF gehören zu den raren Geld­anlagen, die für die meisten Anleger empfehlens­wert sind. Diese Fonds bilden in der Regel stur einen Aktien-, Renten- oder sons­tigen Index nach und unterscheiden sich damit grund­legend von aktiv gemanagten Fonds, über deren Zusammenset­zung ein Management entscheidet. ETF sind preis­wert und ihre Entwick­lung ist trans­parent – beste Voraus­setzungen für einen Verkaufs­erfolg.

Doch in Wahr­heit haben Indexfonds bei deutschen Anlegern immer noch einen schweren Stand. Hier­zulande wenig bekannte Anbieter wie Amundi, Lyxor oder SPDR konkurrieren mit jahr­zehntealten Fonds­marken à la DWS, Union oder Frank­lin Templeton. Da greifen viele Anleger doch lieber zu Investmentfonds von bekannten Gesell­schaften.

Große Banken geben Rück­halt

Die größte Sorge von Anlegern gilt der Sicherheit ihres Ersparten. Ein gutes Gefühl haben sie nur, wenn hinter der Fonds­gesell­schaft eine bekannte Adresse, eine mächtige oder sogar „systemrelevante“ Bank steht.

In dieser Hinsicht können wir sie auch bei den zum Groß­teil unbe­kannten ETF-Anbietern beruhigen: Die französische Fonds­gesell­schaft Amundi gehört zur genossenschaftlich organisierten Crédit-Agricole-Gruppe, eine der größten französischen Geschäfts­banken. Ähnlich bedeutend ist in Frank­reich die Société Générale, Mutter­konzern von Lyxor.

In unserem regel­mäßigen Fonds­test gehören ETF von Amundi und Lyxor in der wichtigsten Fonds­gruppe, bei den Aktienfonds Welt, seit längerer Zeit zu den Top-Angeboten (Produktfinder Fonds).

Bei HSBC und UBS handelt es sich um zwei der bedeutendsten europäischen Banken. Dass sie mit ihren ETF in Deutsch­land aktuell nur geringe Markt­anteile haben, sollte für Anleger nicht entscheidend sein.

Große Auswahl mit Haken

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Über mangelnde Auswahl können sich deutsche Anleger nicht beklagen. Inzwischen werden an der Frank­furter Börse über 1 100 verschiedene Produkte gehandelt (siehe Grafik).

Allerdings bezieht sich ein wachsender Teil davon auf Spezial- oder Strategie-Indizes und ist für Durch­schnitts­anleger kaum geeignet. Sie setzen am besten auf markt­breite Basis-ETF (Checkliste und Special Marktbreite Indexfonds, Finanztest 7/2016).

Unterschiede bei der Nach­bildung

Anleger sollten die unterschiedlichen Verfahren der Index­nach­bildung kennen. Es gibt ETF, die dieselben Aktien enthalten wie der Index, und es gibt welche mit künst­licher Index­nach­bildung.

Sogenannte physisch replizierende ETF setzen auf Original­titel aus dem Index, entweder voll­ständig oder über eine repräsentative Auswahl. Dass bei einem Index aus mehreren Tausend Aktien vielleicht nicht sämtliche Unternehmen im Fonds sind, ist nach­voll­zieh­bar und sagt wenig über die Genauigkeit, mit der der Index nachgezeichnet wird.

Bei der anderen – künst­lichen – Nach­bildungs­art wird die Wert­entwick­lung gewissermaßen einge­kauft. Wenn ein ETF den Dax nach­bildet, muss er nicht Allianz, Daimler und Siemens enthalten, sondern kann sogar aus ausländischen Aktien bestehen. Da der Aktienkorb nicht dieselbe Wert­entwick­lung wie der Dax hat, muss der ETF-Anbieter dafür sorgen, dass die Differenz stets ausgeglichen wird. Das geschieht über ein Tausch­geschäft (eng­lisch: swap), das er mit einer Bank oder einem Finanz­dienst­leister vereinbart. Die Beschreibung macht manche Anleger stutzig, weil sie mit schwer verständlichen Finanz­produkten nichts zu tun haben wollen.

Finanztest teilt die Skepsis aber nicht. Beide Arten der Index­nach­bildung haben Vor- und Nachteile, bei den von uns empfohlenen Fonds sehen wir kein Sicher­heits­problem. Das Swap-Risiko ist eng begrenzt. In den Kurz­porträts in der Tabelle Die Top 10 steht, welche Handels­partner für die Swaps gerade­stehen. Es handelt sich durchweg um namhafte Banken. Nicht zu vergessen: ETF, die mit Swaps arbeiten, sind als Sonder­vermögen ebenso vor Anbieterpleiten geschützt wie solche mit Original­aktien.

Dennoch gibt es seit Jahren einen Trend weg von Swap-ETF, hin zu replizierenden – offen­bar den Wünschen vieler Kunden entsprechend. iShares und die Sparkassengesell­schaft Deka haben, von je einer Ausnahme abge­sehen, nur replizierende ETF im Angebot, bei HSBC und SPDR gibt es gar keine Fonds mit künst­licher Nach­bildung.

Die meisten anderen Fonds­gesell­schaften bieten eine gemischte Palette mit einem Über­hang an Swap-ETF. Die Gesell­schaften Coms­tage und Amundi setzen fast ausschließ­lich auf Swap-Fonds.

Swap-Fonds mit Steuer­vorteil

Swap-Fonds mögen bei Anlegern unbe­liebt sein, steuerlich sind sie für diejenigen, die ihren Frei­betrag regel­mäßig ausschöpfen, die bessere Wahl. Der Grund: Viele Aktien-ETF, die mit Swaps arbeiten, schütten Dividenden nicht aus und über­nehmen sie auch nicht, wie bei der Thesaurierung, direkt ins Fonds­vermögen. Statt­dessen werden Dividenden in Kurs­gewinne umge­münzt. Damit wird die Steuer gestundet, denn Gewinne sind erst beim späteren Verkauf zu versteuern.

Auch auf die Kosten achten

Anders als bei aktiv gemanagten Fonds gibt es bei ETF vergleichs­weise geringe Kosten­unterschiede. Es ist dennoch ratsam, ein Auge darauf zu werfen. Die Gesell­schaft iShares hat zum Beispiel zwei Fonds im Programm, die den globalen Index MSCI World abbilden. Der thesaurierende ETF mit der Isin IE 00B 4L5 Y98 3 ist mit jähr­lichen Kosten von 0,2 Prozent deutlich güns­tiger als der ausschüttende Welt-ETF mit der Isin IE 00B 0M6 2Q5 8 (0,5 Prozent pro Jahr).

In unserem Fondsdauertest zeigt sich nicht immer ein direkter Zusammen­hang zwischen Kosten und Wert­entwick­lung eines ETF. Aber neben anderen Aspekten auch auf die Kosten zu achten, ist gewiss richtig. Bei den beiden iShares-ETF hat die Variante mit den nied­rigeren Kosten in den von uns untersuchten Lauf­zeiten eine etwas höhere Rendite.

Generell gilt: Indexfonds auf bekannte Indizes haben nied­rigere Kosten als Produkte für exotische oder Nischenmärkte. Beim Dax-ETF von db x-trackers kommen Anleger mit 0,09 Prozent pro Jahr davon, der ETF auf den MSCI Bangladesh desselben Anbieters kostet dagegen 0,85 Prozent pro Jahr.

Deka hat noch keinen Welt-ETF

Für die meisten Anleger ist es nicht so wichtig, wie viele ETF eine Gesell­schaft anbietet. Es müssen also nicht über 200 Produkte sein, wie bei iShares und db x-trackers. Haupt­sache, Anleger finden im Angebot für die wichtigsten Märkte mindestens einen ETF, der eine breite Risiko­streuung bietet.

Bei der einzigen Gesell­schaft, die all ihre ETF in Deutsch­land auflegt, ist das nicht der Fall. Deka hat keinen ETF auf den MSCI World und auch keine Alternative für einen vergleich­baren globalen Aktien­index. Dabei wären Sparkassen­kunden dafür eine ideale Zielgruppe. Einst­weilen müssen sie, wenn sie einen Aktien-ETF mit breiter Streuung wollen, auf den MSCI Europe ausweichen.

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