ETF sind günstig und beliebt. Welt­weit haben Anleger rund 3 Billionen Euro investiert. Die Experten von Finanztest empfehlen ETF als Basis­anlage fürs Depot. Aber sind die börsen­gehandelten Indexfonds auch sicher? Je größer der Markt wird, desto größer auch die Sorgen der Anleger. Das fängt bei Swap-Geschäften an und geht bis zur Befürchtung, ETF könnten eine Krise auslösen. test.de klärt auf.

Basis­anlage fürs Depot

Alle Welt kauft ETF. Die drei Buch­staben stehen für den eng­lischen Begriff Exchange Traded Funds, börsen­gehandelte Indexfonds. Die Fonds bilden einen Index ab, sind günstig und beliebt. Welt­weit haben Anleger rund 3 Billionen Euro investiert. Wir empfehlen ETF als Basis­anlage fürs Depot – etwa für das Pantoffel-Portfolio, einen Vorschlag von Finanztest für die bequeme Geld­anlage (siehe Geldanlage für Bequeme: Das Pantoffel-Portfolio). Einige unserer Leser hegen jedoch Zweifel an der Sicherheit der ETF. Das fängt an bei Swap-Geschäften und geht bis zur Sorge, ETF könnten eine Krise auslösen.

So funk­tioniert ein ETF mit Index­titeln

Physisch replizierende Fonds investieren in die Wert­papiere aus dem Index. Ein ETF, der den deutschen Aktien­index Dax abbildet, kann dazu direkt die 30 Aktien aus dem Dax kaufen, ange­fangen von Adidas bis Vonovia. Fachleute sprechen von „physischer Replikation“ (siehe Grafik oben). Bei großen Indizes wie dem MSCI World mit mehr als 1 600 Titeln kaufen die Fonds allerdings zum Beispiel nur die 1 000 größten Werte. Das reicht oft aus. Diese Methode heißt Sampling oder Optimising. Um die Wert­entwick­lung des ETF aufzubessern, verleihen die Fonds einen Teil der Wert­papiere gegen Gebühr weiter. Im Gegen­zug erhalten sie andere Wert­papiere als Sicherheiten.

ETF Special

So funk­tioniert ein Swap-ETF

Bei synthetisch replizierenden Fonds besteht das Fonds­vermögen aus einem Korb beliebiger Wert­papiere, die zwar breit gestreut und zudem handel­bar sein sollten, aber nichts mit dem Index zu tun haben müssen, den sie abbilden. Zusätzlich vereinbaren die ETF-Anbieter ein Tausch­geschäft, eng­lisch Swap, mit einer Bank, die die Wert­papiere aus dem Index hält. Der Fonds liefert die Wert­entwick­lung seines Wert­papierkorbes und erhält im Gegen­zug die Wert­entwick­lung des Indexes.

Risiko begrenzen

Der Wert des Swaps passt sich ständig an, und zwar so, dass Aktienkorb und Swap sich in der Summe immer so entwickeln wie der Index. Läuft der Index besser als der Aktienkorb, dann wird der Swap mehr wert und umge­kehrt. Um das Risiko zu begrenzen, ist der Swap-Partner verpflichtet, den Swap spätestens auszugleichen, wenn er mehr als 10 Prozent des Fonds­volumens ausmacht.

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Zins- und Dividenden­erträge in Kurs­gewinne ummünzen

Es sind meist Kostengründe, warum der Fonds nicht einfach gleich die Wert­papiere aus dem Index kauft. Ein ETF ist im Vergleich zum Tausch­partner – das ist meist die Mutter­bank des ETF-Anbieters – eine kleine Einheit. Die Bank kann die Aktien in größerem Stil und daher güns­tiger verwalten. Hinzu kommen steuerliche Gründe, einer­seits aufseiten des Anbieters, ander­seits auch beim Anleger. Swap-ETF können Zins- und Dividenden­erträge in Kurs­gewinne ummünzen, die nicht jähr­lich, sondern erst beim Verkauf versteuert werden müssen.

Wert­papierleihe

Viele Anleger meiden Swap-ETF, weil die Geschäfte ihnen suspekt sind. Der direkte Kauf der Werte aus dem Index ist für sie besser nach­voll­zieh­bar. Risikolos ist aber auch das nicht, denn viele physisch replizierende ETF lassen die Index­werte nicht immer im Fonds, sondern verleihen sie gegen Gebühr, die auch den Anlegern zugute­kommt. Zusätzlich erhalten die ETF Sicherheiten. Mit den einge­nommenen Gebühren gleichen die ETF die höheren Kosten aus, die der direkte Kauf der Index­papiere verursacht. Die Leih­partner sind zum Beispiel Hedgefonds, die auf fallende Aktien­kurse spekulieren. Sie verkaufen die geliehenen Aktien und hoffen, dass die Kurse fallen und sie die Papiere billiger wieder zurück­kaufen können, bevor sie sie zurück­geben müssen.

Was bei einer Pleite passieren kann

Beide Spiel­arten von ETF bergen Risiken. Beispiels­weise kann es passieren, dass der Leih­partner pleite­geht und die geliehenen Papiere nicht mehr zurück­gibt. Dann müsste der Fonds die Sicherheiten verwerten. Beim Swap-ETF kann der Tausch­partner pleite­gehen. Dann müssten Anleger hoffen, dass sich die Ersatz-Wert­papiere im Fonds ebenfalls gut entwickeln – möglichst so wie der Index, den sie eigentlich haben wollten.

Risiko unabhängig von Nach­bildungs­methode

Die Ersatz-Aktienkörbe müssen breit gestreut sein und die Wert­papiere gut handel­bar. Welche Papiere im Ersatz­korb sind, veröffent­lichen die ETF-Anbieter im Internet. Da es sich bei den Tausch­part­nern um große, interna­tional verflochtene Banken handelt, die beim Zusammenbruch eine welt­weite Krise auslösen würden, ist eine Pleite wenig wahr­scheinlich. Völlig auszuschließen ist sie allerdings nicht.

Fazit: Aus Sicht von Finanztest spielt es unter Risikogesichts­punkten kaum eine Rolle, welche Nach­bildungs­methode Anleger auswählen, den Kauf der Original­titel oder Swaps. Ohnehin handelt es sich bei ETF um Sonder­vermögen, das vor dem Zugriff von Insolvenz­verwaltern geschützt ist.

Was bei Turbulenzen passiert

Mitt­lerweile treibt die Käufer von ETF aber noch eine andere Sorge um. Im August 2015 kam es an der Wall Street zu einem Kurs­einbruch, in dessen Folge auch die Kurse von ETF abstürzten. Das Problem war, dass manche ETF mehr verloren als die Aktien des Index, was im Grunde nicht sein dürfte – ETF zeichnen die Aktien­kurse ja nach. An den Ursachen hierfür wird noch geforscht. Möglicher­weise sind Börsen­regeln daran schuld: In turbulenten Phasen kann der Handel bestimmter Werte ausgesetzt werden. Können aber die ETF die Aktien aus einem Index nicht mehr kaufen oder verkaufen, weil sie gerade nicht gehandelt werden, wird es kompliziert.

Verstärken ETF negative Trends?

Ein weiterer Vorwurf ist, dass ETF Trends verstärken und somit Crashs verschärfen würden. Der Interna­tionale Währungs­fonds (IWF) sieht jedoch keine Anhalts­punkte dafür, dass ETF sich in diesem Punkt von aktiv gemanagten Fonds unterscheiden.

Unser Rat: Lang­fristig planen

Wir empfehlen ETF als lang­fristige Geld­anlage. Während eines kurz­zeitigen Aussetzers sollten Anleger nicht verkaufen. Um zu verhindern, dass sie zufäl­lig Opfer eines solchen Ereig­nisses werden, ist es ratsam, Kauf- und Verkaufs­orders nur limitiert, also mit Preis­vorgabe, zu erteilen. Anleger sollten sich eines klarmachen: Entscheidend bei der Geld­anlage bleibt das Markt­risiko – und das kann jeder durch die Auswahl der passenden Indizes und eine vernünftige Depot­mischung selbst steuern.

Tipp: Antworten auf die wichtigsten Fragen zu ETF finden Sie in unseren FAQ ETF-Sparpläne.

Unter wach­samen Augen

Nicht nur ETF, auch andere Investmentfonds kaufen Deri­vate und verleihen Wert­papiere. Das ist nicht neu und in den Ogaw-Richt­linien, den Vorschriften für Fonds, streng geregelt. Im Übrigen haben der IWF, die europäische Wert­papier­aufsicht ESMA, die Bundes­bank und weitere interna­tionale Aufsichts­behörden ein wach­sames Auge auf den Markt.

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