ETF Test

Mehr Sicherheit. ETF mit Staats­anleihen aus Euro­land verleihen einem Fonds­depot mit Aktien Stabilität.

Börsen­gehandelte Indexfonds mit Staats­anleihen taugen auch bei Nied­rigzinsen als Sicher­heits­basis für die Geld­anlage. Anleger sollten aber lang­fristig planen.

Die einen warten darauf, die anderen fürchten sich. Die Rede ist von einem Anstieg der Zinsen. Sparer mit Tages­geld bekommen dann mehr, Anleger mit Anleihen verlieren erst einmal Geld.

Klingt merkwürdig, ist aber logisch. Wenn eines Tages Anleihen mit höheren Zins­kupons (Glossar) an den Markt kommen, wollen Anleger lieber die neuen Papiere kaufen. Die alten, schlechter verzinsten Anleihen verlieren an Wert und wer alte Papiere besitzt, macht Verlust. Genau davor haben auch die Käufer von Fonds Angst, die Anleihen bündeln.

Seit vielen Jahren entwickeln sich die Zins­märkte aber genau anders herum. Auf den Markt kommen immer noch schlechter verzinste Papiere und die Kurse der alten Anleihen steigen. Das ist der Grund, warum Rentenfonds, wie Fonds mit Anleihen in der Fach­sprache heißen, trotz der historisch nied­rigen Zinsen traumhafte Renditen erreichen. Der Fonds iShares Core Euro Government Bond zum Beispiel hat in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von 6,8 Prozent pro Jahr erzielt. Bei diesem Fonds handelt es sich um einen ETF, einen börsen­gehandelten Indexfonds, der Staats­anleihen kauft (Tabelle Marktbreite ETF auf Anleiheindizes).

Rentenfonds oder Fest­geld

Finanztest empfiehlt Rentenfonds mit Staats­anleihen aus Euro­land als Sicher­heits­baustein für die Fonds­anlage. Anleihen verleihen einem Depot, in dem auch Aktienfonds liegen, Stabilität. Auch die Kurse von Rentenfonds können schwanken, doch bei weitem nicht in dem Maß wie Aktienfonds.

Hinzu kommt, dass Aktien- und Anleihemärkte sich zeit­weise gegen­läufig bewegen, dann können Verluste auf der einen Seite durch Gewinne auf der anderen Seite zumindest zum Teil ausgeglichen werden.

Der Vorteil von Fonds gegen­über Fest­geld­anlagen: Anleger können sie laufenlassen und müssen sich nicht um die Neuanlage fälliger Gelder kümmern. Voraus­gesetzt, sie nehmen einen ETF, der markt­breit aufgestellt und von Finanztest als „dauer­haft gut“ einge­stuft ist. Wer nur deutsche Staats­anleihen will, findet auch dafür einen ETF.

Nur für lang­fristige Anlage geeignet

Wegen der Zins­änderungs­risiken empfehlen wir Rentenfonds Euro aber nicht für Sparer, die ihr Geld nur kurz­fristig anlegen wollen. Sieben, besser zehn Jahre sollten sie die Fonds behalten können.

Das ist typischer­weise bei den Anhängern des Pantoffel-Portfolios von Finanztest der Fall. Es handelt sich dabei um eine einfache und bequeme Geld­anlage, die aus Aktien-ETF und Renten-ETF besteht (Test Geldanlage für Bequeme: Das Pantoffel-Portfolio, Finanztest 4/2013). Als Basis­anlage eignet sich das Welt-Pantoffel-Portfolio, das sich aus einem ETF auf den Welt­aktien­index MSCI World und einem der hier vorgestellten Anleihen-ETF zusammensetzt.

Was passieren kann, wenn die Zinsen wieder steigen, zeigte sich im Früh­jahr 2015, als es an den Anleihemärkten zu einem kurz­zeitigen Rendite­anstieg kam. Binnen drei Monaten, vom 15. April bis 10. Juni 2015, verlor der iShares Core Euro Government Bond ETF 6,3  Prozent. Seither hat er jedoch wieder 9,8 Prozent dazugewonnen. Über drei Jahre steht ein Plus von 7,4 Prozent pro Jahr zu Buche (Stand 31. August 2016).

Hunderte Anleihen gleich­zeitig

Der iShares Core Euro Government Bond ETF bildet den Barclays Euro Treasury Bond Index nach. Diesen Index ziehen wir als Maßstab für die Fonds­gruppe heran, an ihm müssen sich alle Rentenfonds Euro messen, auch aktiv gemanagte Fonds.

Ein Index mit Anleihen, auch Renten­index genannt, funk­tioniert ähnlich wie ein Aktien­index. Wie der deutsche Dax enthält der Barclays Euro Treasury Bond Index eine gewisse Anzahl von Wert­papieren – nur sind es keine Aktien, sondern Anleihen. Während der Dax 30 Titel enthält, kommt der Barclays Euro Treasury auf mehr als das Zehnfache: 333 Werte sind es genau.

Länder mit guter Bonität

Staats­anleihen aus Deutsch­land machen 18 Prozent des Indexes aus. Frank­reich ist mit einem Anteil von 25 Prozent am stärksten vertreten, Italien kommt auf 24 Prozent. Die Reihen­folge ergibt sich aus dem ausstehenden Anleihevolumen. Frank­reich und Italien haben jeweils mehr Schulden aufgenommen als Deutsch­land.

Der Barclays Index enthält nur Anleihen von Staaten mit guter Bonität. Erst­klassige Kreditwürdig­keit, AAA, genießen aber nur Deutsch­land und die Nieder­lande. Das dreifache A – Triple A – ist die beste Note, die die US-Rating­agentur Stan­dard&Poors vergibt. Als gut, im Fachjargon Investment Grade genannt, gelten auch AA, A und gerade noch BBB. Frank­reich ist mit AA bewertet, Italien mit BBB–.

Ab BB+ und darunter wird es riskant. Portugal mit BB+ schrammt nur knapp an einer ausreichenden Bonitäts­note vorbei, Griechen­land mit B– deutlicher. Beide Länder sind nicht im Index vertreten.

Ständiges Kommen und Gehen

Anders als Aktien laufen Anleihen nicht unbe­grenzt. Das bedeutet aber nicht, dass der Index und die Fonds im Lauf der Zeit schrumpfen, vielmehr werden die fälligen Papiere durch neue ersetzt. In die Berechnung des Indexes fließen – ähnlich wie bei Aktien – die Kurs­entwick­lung sowie die laufenden Erträge ein. Bei Aktien die Dividenden, bei Anleihen Zinsen.

Um breit aufgestellt zu sein, benötigen Anleger einen ETF auf einen Index, der Anleihen unterschiedlicher Lauf­zeiten enthält. Würden sie auf nur kurz­laufende Papiere setzen, wären die Rendite­chancen zu gering. Lang­laufende Anleihen dagegen weisen das höchste Zins­änderungs­risiko auf.

Keine Angst vor Kenn­zahlen

Wie hoch das Zins­änderungs­risiko ist, lässt sich an der „modifizierten Duration“ ablesen. Hört sich kompliziert an, ist aber einfach. Die Kenn­zahl gibt an, wie weit der Kurs des Fonds fällt, wenn die Markt­zinsen um einen Prozent­punkt steigen. Der iShares Core Euro Government Bond ETF würde derzeit um 7,7 Prozent fallen.

Weniger ist es bei dem ebenfalls von iShares aufgelegten Euro Government Bond Capped ETF. „Capped“ bedeutet, dass die Lauf­zeiten gekappt sind. Länger als 10,5 Jahre läuft keine Anleihe in dem zugehörigen Index. Das Verlustrisiko beträgt 6,2 Prozent.

Ebenfalls ein leicht geringeres Zins­änderungs­risiko weist der ETF iShares Euro Aggregate Bond auf. Er bildet den Barclays Euro Aggregate Index ab, der außer Staats- auch Unter­nehmens­anleihen und besicherte Papiere wie Pfand­briefe listet.

Wie der Fonds den Index nach­baut

Eine Möglich­keit für einen ETF-Anbieter, einen Index nach­zubilden, ist, die enthaltenen Wert­papiere selbst zu kaufen. So macht das zum Beispiel iShares.

Allerdings sind nicht immer alle Papiere, die der Index hält, auch im Fonds. Zur Nach­bildung genügt oft auch eine Auswahl von Titeln. Der Index Barclays Euro Aggregate zum Beispiel listet rund 4 000 Anleihen, der ETF von iShares darauf beschränkt sich auf ungefähr 2 600 Werte.

Auch der ETF db x-trackers iBoxx Sover­eigns Eurozone verfährt so. Von den 326 Anleihen des Indexes kauft der Fonds etwa 250. Bis vor Kurzem hat der Fonds den Index noch künst­lich abge­bildet.

Künst­lich nachgebildet wird der Index beim ETF Coms­tage iBoxx EUR Liquid Sover­eigns Diver­sified Overall. Coms­tage nutzt dazu einen Swap, ein Tausch­geschäft. Coms­tage kauft für den ETF andere Papiere als die, die im Index enthalten sind. Die Wert­entwick­lung dieser Papiere tauscht Coms­tage dann mit einem Partner, der die Anleihen hält.

Das mag dem einen oder anderen selt­sam vorkommen, ist aus unserer Sicht aber unpro­blematisch. Für die Sicherheit eines ETF spielt die Art der Nach­bildung kaum eine Rolle.

Kauf über die Börse

Anleger können Renten-ETF an der Börse kaufen. Sie brauchen dazu ein Wert­papierdepot bei ihrer Bank. Am güns­tigsten ist es, wenn sie das Depot online führen und die Aufträge selbst an die Börse geben. Wer sich das nicht zutraut, kann auch seinen Bank­berater beauftragen, am besten, er notiert sich die Wert­papierkenn­nummer, die Isin, und nimmt sie beim nächsten Bank­besuch mit.

Die in der Tabelle aufgeführten Fonds sind bei manchen Banken, meist Direkt­banken, auch als Sparplan erhältlich.

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