EM 2012: Reisekasse Special

Fahren Fußball-Fans zur EM nach Polen oder in die Ukraine, sollten sie nicht alles auf eine Plastikkarte setzen. Denn nicht alle Karten funk­tionieren über­all. Mit einem Mix aus Bargeld in der Landes­währung, Kreditkarte und Girocard im Gepäck sind Reisende gut ausgerüstet und immer flüssig.

Vor der Reise nach­fragen

Für Pauschal­touristen in Europa reicht meist die Girocard. Urlauber, die ihre Reise selbst planen und in Länder außer­halb Europas fahren, müssen sich über ihre Reisekasse mehr Gedanken machen. Am besten erkundigen sie sich vor der Abreise bei ihrer Bank, ob ihre Karte für das jeweilige Land frei geschaltet ist.

Girocard mit Maestro- oder V-Pay-Zeichen

Jeder Bank­kunde, der ein Girokonto besitzt, bekommt auto­matisch eine Girocard. „Mit einer Girocard kommt man praktisch über­all auf der Welt an Bargeld und kann auch direkt im Handel damit bezahlen“, sagt Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giro­verband (dsgv). Bei vielen Kunden ist die Girocard immer noch unter dem Namen ec-Karte bekannt. Karten mit dem Girocard-Zeichen können an Bank­automaten und elektronischen Kassen in Deutsch­land einge­setzt werden.

Im Ausland immer mit Pin

Anders als in Deutsch­land müssen Kunden im Ausland nicht nur beim Geld­abheben, sondern auch beim Bezahlen immer ihre Geheimzahl, die Pin, eingeben. Teil­weise wird auch der Ausweis beim Bezahlen verlangt. In der Ukraine und in Polen erkennen Kunden einen Auto­maten, der ihre Girocard akzeptiert, am Maestro-Zeichen oder dem V-Pay-Zeichen. Auf das V-Pay-System haben seit 2010 Post­bank, Targo­bank, BW-Bank, LBB, einige Sparkassen sowie einige Volks- und Raiff­eisen­banken umge­stellt. Wie bei Maestro handelt es sich um ein interna­tionales Debit­system, bei dem der Umsatz sofort vom Konto abge­bucht wird.

Karten mit V-Pay sind sicherer

Bei der Girocard mit V-Pay-Zeichen wird das Bezahlen und das Geld­abheben immer über den Chip gesteuert, deshalb braucht man immer die Pin. Die Karte ist sicherer, da die Betrüger den Chip nicht kopieren können. Sie funk­tioniert nur, wenn das Lesegerät im Ausland auf den Chip zugreifen kann. Das ist bisher in allen EU-Ländern, also auch in Polen, möglich, sowie in der Schweiz, der Türkei, in Andorra, Bosnien-Herzegowina, Gibraltar, Island, Israel, Kroatien, Liechten­stein, Monaco, Montenegro, Norwegen, San Marino, Serbien und Vatikan­stadt. In der Ukraine könnte es aber zu Schwierig­keiten kommen. Urlauber sollten sich deshalb vorab vergewissern, bei welchen ausländischen Banken sie ihre Karte in den acht EM-Austragungs­orten problemlos benutzen können.

Kreditkarte von Mastercard oder Visa

Die Kreditkarte ist auf Reisen eine ideale Ergän­zung, weil sie welt­weit bargeldloses Bezahlen möglich macht. Die meisten Karten­heraus­geber bieten bei Verlust der Karte einen 24-Stunden-Service anbieten. Im Gegen­satz zur Girocard wird bei der Kreditkarte das ausgegebene Geld in der Regel nicht sofort, sondern nur einmal im Monat abge­bucht. In Deutsch­land sind die meisten Kreditkarten von Mastercard oder Visa. Da Kreditkarten im Gegen­satz zur Girocard nicht an die Haus­bank gebunden sind, können Kunden unter den Karten­heraus­gebern frei wählen. Häufig werben die Anbieter mit Gold- und Premium-Karten für Zusatz­leistungen, wie etwa einer Reise­versicherung. Die Karten kosten dann zwischen 50 bis 80 Euro im Jahr. test.de hat den Reise­schutz bei 42 Kreditkarten-Angeboten untersucht und informiert darüber, welche Zusatz­leistungen sich rechnen. Die besten Karten für Vielreisende, Auto­fahrer und Onlinekäufer werden im Kreditkarten-Test genannt.

Geld holen mit der Post­bank Sparcard

Wer eine Post­bank Sparcard hat, kann auf Reisen an ausländischen Auto­maten mit Visa-plus-Zeichen zehn Mal in Jahr kostenlos Geld abheben. Die Höhe der Abbuchungs­summe ist begrenzt. Das voreinge­stellte Karten­limit liegt bei 1500 Euro pro Woche und kann auf Wunsch verändert werden. Mit der Karte ist es aber nicht möglich, im Handel zu bezahlen.

Die Kosten im Auge behalten

In Polen bezahlen Urlauber mit der Währung Złoty , in der Ukraine mit Hrywnja. Reisende sollten vor Ort die Währung tauschen oder sich das Bargeld am Auto­maten am Flughafen holen, da es in Deutsch­land meist etwas teuerer ist, Geld in eine andere Währung zu tauschen. Damit Reisende nicht Betrügern auf den Leim gehen, wenden sie sich am besten an offizielle Wechsel­stuben. Geldabheben in Ländern ohne Euro kann besonders teuer werden. In Polen und der Ukraine kostet das Bezahlen mit der Girocard meist 1 Prozent vom Umsatz. Für das Geld­abheben mit dieser Karte berechnen die Banken in den beiden EM-Ländern 1 Prozent, mindestens aber 3,50 bis 10 Euro. Beim Shoppen mit Kreditkarte zahlen Urlauber in beiden Ländern 1 bis 2 Prozent vom Umsatz. Beim Geld­abheben am Auto­maten werden 2 bis 4 Prozent fällig, mindestens also zwischen 5 bis 7,50 Euro. Zusätzlich kommt noch ein Auslands­einsatz­entgelt von 1 bis 2 Prozent hinzu. Die Kosten müssen im Preis­verzeichnis der jeweiligen Bank ausgewiesen werden.

Kostenlos Bargeld abheben

Einige Banken haben im Ausland eigene Filialen oder Koope­rations­partner bei denen Karten­inhaber keine Abhebungs­gebühr zahlen müssen, wenn sie sich Bargeld am Auto­maten holen. Dann wird nur das Auslands­einsatz­entgelt erhoben. Ob Kunden auf ihrer Reise nach Polen oder in die Ukraine davon betroffen sind, ist abhängig von ihrer Karte und der Bank, bei der sie Kunde sind.

  • Girocard-Besitzer. Sie profitieren davon, wenn sie beispiels­weise Kunden bei Allianz Bank, Berliner Sparkasse (nur mit Reisepaket für 30 Euro pro Jahr), Hypo­ver­eins­bank (bei den Auto­maten der Unicredit Group), Post­bank (gilt nicht für Ukraine) oder Targo­bank (bei den Auto­maten der citi­bank) sind.
  • Visa-Kreditkarten-Besitzer. Sie sind einge­schlossen, wenn sie beispiels­weise Kunden bei comdirect bank, Cortal Consors, DKB sind. Sparda Hamburg verlangt für den Service monatlich 2,99 Euro. Wüstenrot Bank bietet ihren Kunden 24 kostenfreie Abhebungen pro Jahr.
  • Master-Kreditkarten-Besitzer. Sie können den Service in Polen und der Ukraine nutzen, wenn sie beispiels­weise bei DAB Bank oder SKG Bank Kunden sind. Für netbank-Kunden gilt diese Regelung fünf­mal im Monat. Sparda Hamburg verlangt für den Service monatlich 2,99 Euro. Für den Wechsel der Fremdwährung können aber auch hier Kosten entstehen.

Geld­automaten vor Ort finden

Während die Akzeptanz der Kreditkarte und Girocard in größeren polnischen und ukrai­nischen Städten hoch ist, können im ländlichen Raum Probleme auftreten. Reisende müssen davon ausgehen, dass die Infrastruktur in Polen besser entwickelt ist als in der Ukraine. Meistens funk­tionieren in der Ukraine nur Girocards mit Maestro oder Cirrus-Zeichen. „Außer­halb der Austragungs­orte können sogar Reise­schecks notwendig sein“, sagt Steffen Steudel vom Bundes­verband der Deutschen Volks­banken und Raiff­eisen­banken. Karten­inhaber, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten deshalb vor ihrer Reise nach Banken in Hotelnähe recherchieren. Hier finden sie geeignete Geld­automaten, die in Polen oder der Ukraine ihre jeweilige Karte akzeptieren:

  • Kreditkarten von Mastercard,
  • Kreditkarten von Visa,
  • Girocard mit Maestro-Zeichen,
  • Girocard mit V-Pay-Zeichen.

Sicher ist sicher

Grund­sätzlich gelten in Polen und der Ukraine die selben Sicher­heits­hinweise wie im Inland. Karten­inhaber sollten ihren Pin-Code verdeckt eingeben und ihn an einem anderen Ort als die Karte aufbewahren. Am besten prägen sie sich die Zahlen­kombination ein. Achtung: Reisende sollten ihre Eingabe am Auto­maten nur bestätigen, wenn sie den Bild­schirm­text auch verstehen. Sonst müssen sie vielleicht Geld zahlen, ohne es zu wollen. Gerade in Polen werden Karten­inhaber am Eingabefeld des Auto­maten häufig zu einer Spende aufgefordert. Damit Karten­inhaber im Urlaub keine teure Über­raschung erleben, sollten sie grund­sätzlich folgende Hinweise beherzigen:

  • Erkundigen Sie sich vorher, ob ihre Karte von der Haus­bank für ihr Reiseziel frei geschaltet ist.
  • In immer mehr Ländern wird auch beim Zahlen mit der Kreditkarte die Geheim­nummer abge­fragt. Bewahren Sie die Pin aber nie mit der Karte gemein­sam auf.
  •  Nehmen Sie den Sperr­nummer für ihre Karte mit und notieren Sie sich die Karten­nummer auf einem Zettel, den Sie getrennt von der Karte aufbewahren.
  • Rufen Sie bei Karten­verlust den Sperrnotruf 116 116 an. Er ist welt­weit rund um die Uhr erreich­bar. Die Vorwahl in Polen lautet 0049- und in der Ukraine 81049-. Während die Telefon­nummer im Inland kostenlos ist, zahlen Sie in den EM-Austragungs­orten den jeweiligen Auslands­tarif für das deutsche Fest­netz. Visa-Kunden können eine gebührenfreie Hotline wählen. Sie lautet in Polen 0 08001 111 569 und für die Ukraine 8 100 11, zweiten Wahl­ton abwarten und dann 888 557 4445 eingeben.
  • Sobald Sie wieder in Deutsch­land sind, sollten Sie regel­mäßig ihren Konto­stand kontrollieren. Je schneller Sie Fehl­buchungen bei ihrer Bank melden, umso wahr­scheinlicher ist es, dass Sie ihr Geld zurück erhalten.

Der deutsche Banken­verband gibt Sicherheitstipps fürs Zahlen mit der Kreditkarte im Internet. Im test Special finden Karten­inhaber Informationen über die Tricks der Betrüger.

...alle Meldungen zur EM finden Sie auf unserer Themenseite Fußball unter test.de/thema/fussball.

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