Die Hamburger European Energy Consult Holding AG (EECH AG) macht Anlegern, die ihre Inhaberschuldverschreibungen wegen Berichten über die problematische wirtschaftliche Lage des Unternehmens gekündigt haben, jetzt Vergleichsangebote. Sie bietet Anlegern an, ihnen beim Verkauf ihrer Anleihen auf dem Zweitmarkt behilflich zu sein. Für den Fall, dass dies nicht möglich ist, will sie die Anleihe sogar kulanterweise kostenfrei rückabwickeln.

Wirtschaftsprüfer sehen Geld in Gefahr

Das Angebot der EECH ging mit Schreiben vom 15. Januar 2007 ein, nachdem die EECH zunächst alle Kündigungen zurück gewiesen habe, berichtet Rechtsanwalt István Cocron von der Kanzlei CLLB-Rechtsanwälte in München. Cocron klagt für mehrere EECH-Anleger auf Rückzahlung der Anleihe. Hintergrund für die Kündigungen einer Solaranleihe sind negative Medienberichte über die bis 2010 laufenden Anleihe, die mit 8,25 Prozent verzinst werden soll. Danach sind sind die Rück- und Zinszahlungen für die Anleihen laut Gutachten einer Münchner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gefährdet. Das ergebe sich aus dem Jahresabschluss 2005.

Finanztest warnte bereits 2005

Finanztest hatte bereits 2005 vor „Euro Anleihe Solar“ der EECH gewarnt. Damals schrieben wir, dass es sich hier um eine äußerst riskante Geldanlage handelt. Anleger müssten damit rechnen, dass sie ihr Geld nicht wieder sehen. Damals wies die EECH-Halbjahresbilanz vom 30. Juni 2004 rund 14,1 Millionen Euro Schulden aus. Diesen Schulden stand nur ein Eigenkapital von 211 000 Euro gegenüber. Finanztest berichtete auch, dass die EECH eine Tochter der defizitären P & T Technology AG (Bilanzverlust zum 31. Dezember 2003: rund 57 Millionen Euro) ist und empfahl: Finger weg von dieser Anleihe!

EECH: „Sicher und lukrativ“

Die EECH weist die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfer zurück. Sie hält ihre mehrjährigen festverzinslichen Anleihen im Bereich alternative Energien für eine „sichere und lukrative Investition“. So hätten die Investoren erst Ende 2006 turnusgemäß 8,25 Prozent Zinsen für die Euro-Solar-Anleihe erhalten, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Im Lagebericht führt die European Energy Consult Holding aus, dass sie bis zum Jahresende 2006 jederzeit zahlungsfähig war.

Prüfer: „Überschuldet“

Das Prüfgutachten hingegen bezeichnet die finanzielle Lage der EECH AG „als angespannt“. Die Gesellschaft sei bereits überschuldet. Laut Gutachten machte die Gesellschaft im Jahr 2005 seltsamerweise lediglich im Kunsthandel Umsätze. Die dabei erzielten Ergebnisse seien zweifelhaft. So habe die EECH AG für Kunstgegenstände 25 Millionen Euro aufgewandt und diese an verbundene Unternehmen wie die Art Estate verkauft. Der mit 13 Millionen Euro angesetzte Gewinn für das Kunstgeschäft ist nach Ansicht des Prüfers „äußerst hoch“. Dieser Preis sei nur zu erzielen gewesen, weil die Unternehmen den Kaufpreis erst später bezahlen müssten. Bis zum 7. Februar 2007 hat kein Anleger ,der das Angebot der EECH angenommen hat, Geld für die Anleihe zurückerhalten, teilt Cocron mit. Er will jetzt weitere Klagen gegen die EECH einreichen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 25 Nutzer finden das hilfreich.