E-Shishas Lang­zeit­folgen sind noch unbe­kannt

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Nach der E-Zigarette steht nun die E-Shisha hoch im Kurs – vor allem bei Jugend­lichen. Mit Geschmacks­richtungen wie Blau­beere, Pfirsich oder Honigmelone sprechen die elektronischen Wasser­pfeifen auch manch jungen Nicht­raucher an. Kritiker warnen jedoch vor möglichen Gesund­heits­risiken und fordern, den Verkauf an Minderjäh­rige zu verbieten. Darüber hat am heutigen Freitag auch der Bundes­rat beraten. test.de geht der Frage nach, wie gefähr­lich der Dampf der E-Shishas ist.

Auch Minderjäh­rige dürfen E-Shishas kaufen

Shisha-Bars waren gestern: Anstatt sich in einer Kneipe rund um eine große Wasser­pfeife zu versammeln und das Mund­stück reihum gehen zu lassen, greifen Lieb­haber des süßen, aromatisierten Dampfes heute immer öfter zur E-Shisha im Hosentaschenformat. Sie sieht auf den ersten Blick aus wie ein bunter Stift und besteht aus einem Mund­stück, einer Kartusche mit Flüssig­keit, einem Verdampfer und einer Batterie. Beim Saugen am Mund­stück verdampft die auch „Liquid“ oder „Fluid“ genannte Flüssig­keit zu einem Nebel, der inhaliert wird. E-Shishas sind – anders als E-Ziga­retten – meist nikotinfrei. Sie fallen nicht unter das Jugend­schutz­gesetz, denn laut Bundes­familien­ministerium handelt es sich bei ihnen nicht um „Tabakwaren“ im Sinne des dieses Gesetzes. Das heißt, es gibt keine gesetzliche Beschränkung, die den Verkauf an Kinder und Jugend­liche unter 18 Jahren verbietet. Selbst Grund­schüler können die elektronischen Wasser­pfeifen am Kiosk kaufen.

Bundes­zentrale für gesundheitliche Aufklärung rät ab

Was die Inhalts­stoffe und ihre Wirkung beim Inhalieren betrifft, bestehen bei vielen Institutionen jedoch erhebliche Bedenken. So rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) generell davon ab, E-Shishas zu konsumieren. Sie betont, dass diese nicht in die Hände von Kindern und Jugend­lichen gehören. Begründung: Es liegen bislang keine umfang­reichen wissenschaftlichen Informationen zu den gesundheitlichen Risiken von E-Shishas vor. Diese Produkte sind so neuartig, dass es keine Lang­zeit­studien gibt. Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) warnt vor dem aromatischen Dampf der E-Shishas. Es empfiehlt Schulen, nicht nur das Rauchen von Ziga­retten auf dem Schulgelände zu verbieten, sondern auch den Konsum von elektronischen Inhalations­produkten, und hat die Publikation „Informationen für Schulen: E-Zigaretten und E-Shishas“ heraus­gegeben.

Verneblungs­mittel kann Atemwege reizen

Die Gründe für die Bedenken sind vielfältig: Kritisch ist unter anderem das – auch in vielen E-Ziga­retten – häufig enthaltene Verneblungs­mittel Propylenglykol. Wer den Dampf inhaliert, nimmt große Mengen davon über die Atemwege in die Lunge auf. Das kann laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu Reizungen der oberen Atemwege führen und die Lungenfunk­tion beein­trächtigen. Das DKFZ nennt weitere beschriebene Kurz­zeit­folgen: Reizungen der Augen und des Mundes, Husten, Zahn­fleisch­bluten, Kopf­schmerzen, Schwindel, Übel­keit, Müdig­keit und Schlaflosig­keit. Die Lang­zeit­folgen einer häufig wieder­holten Inhalation sind schwer vorhersehbar, denn über diese ist laut BfR wenig bekannt. Propylenglykol erzeugt auch in Diskotheken, Theater- und Fernseh­produktionen künst­lichen Rauch oder Nebel. In Ziga­retten steckt es ebenfalls – als Feucht­halte­mittel.

E-Shisha als Einstieg zum Ziga­retten­rauchen?

Dazu kommt: Laut DKFZ sind teil­weise auch E-Shishas mit dem abhängig machenden und in hohen Dosen giftigen Nikotin erhältlich. Außerdem ahmen Jugend­liche beim Dampfen den Vorgang des Rauchens nach. Sucht­experten befürchten daher, dass die E-Shisha den Weg zur tabakhaltigen Zigarette ebnen und die gesunkene Zahl junger Raucher wieder steigen könnte. Haben 2001 noch rund 28 Prozent der 12- bis 17-Jährigen geraucht, waren es 2011 weniger als 12 Prozent.

Manche Aroma­stoffe sind Kontaktal­lergene

Mit dem Dampf inhalieren E-Shisha-Fans auch Duft- und Aroma­stoffe, die dafür verantwort­lich sind, dass die E-Shisha nach Früchten wie Apfel, Banane oder Orange oder Süßig­keiten wie Eisbonbon schmeckt. Da laut DKFZ manche dieser verwendeten Stoffe wie Menthol oder Vanillin Kontaktal­lergene sind, ist nicht auszuschließen, dass E-Shishas Allergien auslösen können.

Auch krebs­erzeugende Substanzen könnten enthalten sein

Außerdem besteht der Verdacht, dass die Flüssig­keiten beziehungs­weise der Dampf der elektronischen Wasser­pfeifen ebenso wie E-Ziga­retten teil­weise auch krebs­erzeugende Substanzen enthalten könnten. So wiesen Forscher in einzelnen Liquids von E-Ziga­retten geringe Mengen krebs­er­regende Nitrosamine nach und im Dampf verschiedener E-Ziga­retten Form­aldehyd, Acetaldehyd und Acrolein sowie Nickel und Chrom. Das DKFZ betont, dass zur lang­fristigen Inhalation derart hoher Dosen eines Chemikalienge­mischs keine Erfahrungen vorliegen. Eine abge­sicherte Aussage über eine eventuelle Gesund­heits­gefähr­dung durch den lang­fristigen Konsum von E-Ziga­retten oder E-Shishas sei aufgrund der unzu­reichenden Daten­lage derzeit nicht möglich.

Mögliche Gefahren für Nicht­konsumenten durch passives Inhalieren

Da der Dampf der E-Shishas auch in die Raum­luft gelangt, sind laut BfR nach dem derzeitigem Kennt­nisstand auch Gefahren für Dritte durch passives Inhalieren nicht auszuschließen. Das DKFZ räumt ein, dass bislang zwar nur Messungen des Aerosols von E-Ziga­retten, jedoch nicht von E-Shishas vorliegen. Es sei allerdings anzu­nehmen, dass diese ähnliche Ergeb­nisse aufwiesen, da die gleichen Flüssig­keiten verdampft würden.

Politiker wollen Kinder und Jugend­liche besser schützen

Auch die Politik hat die Risiken der E-Shisha erkannt. So sprach sich die Drogen­beauftragte der Bundes­regierung Marlene Mortler (CSU) dafür aus, E-Shishas und E-Ziga­retten zügig ins Jugend­schutz­gesetz einzubeziehen. Auch die Bundes­familien­ministerin Manuela Schwesig (SPD) ist der Auffassung, dass Produkte auf dem Markt sind, die keinesfalls in die Hände von Kindern gelangen sollten. Sie hat angekündigt das Jugend­schutz­gesetz dahin­gehend zu novellieren, dass nikotinhaltige Erzeug­nisse wie elektronische Ziga­retten und elektrische Shishas in den Schutz­bereich des Paragrafen 10 des Jugend­schutz­gesetzes einbezogen werden. Bundes­ernährungs­minister Christian Schmidt (CSU) begrüßt diese Über­legungen. Er hat angekündigt, bei der Umsetzung der europäischen Tabak­produkt­richt­linie in nationales Recht bestehende Spielräume auszuschöpfen. Auch im Bundes­rat ging es am heutigen Freitag um E-Shishas: Mit einem Entschließungs­antrag möchte das Land Thüringen erreichen, dass sich der Bundes­rat für eine Über­prüfung der bestehenden Rege­lungen zum Jugend­schutz im Zusammen­hang mit sogenannten E-Ziga­retten und E-Shishas ausspricht. Die Vorlage wurde heute den Ausschüssen zur Beratung zugewiesen.

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theMario am 03.12.2015 um 23:55 Uhr
immer das Gleiche

Langzeit- Schäden oder Folgen sind nicht bekannt. Ja, wie denn auch, wenn die verantwortlich zeichnende Frau hinter diesen immer gleichlautenden Texten diese Tests selbst nicht durchführen lässt, bzw. bekannte Tests nicht anerkennt, weil Sie, Frau Dr. Martina Pötschke Langer, die Wahrheit nicht ertragen kann. Die Wahrheit und bewiesene Tatsachen, dass e-Dampfen weniger gesundheitsschädlich ist.
Es gibt keine Nikotinsucht. Es gibt eine Tabaksucht. Somit ist eine Rauchentwöhnng mit gleicher Kopfarbeit und Haptik möglich.
Die wahren Gegner sind die Kippenhersteller, das Finanzministerium, die Chemieindustrie (Nikotinkaugummi/Pflaster) und Frau Dr. Langer, welche zwar im Haus des DKFZ sitzt, aber falls Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle nicht beim DKFZ beschäftigt ist. Sich aber gern mit dem Sitz schmückt. Sie verfolgt eigentlich ein ganz anderes Ziel. Eine genussfreie Welt. Also auch keine Schokolade, keinen Wein und vllt. auch keinen Spaß mehr.

Gelöschter Nutzer am 17.07.2014 um 18:25 Uhr
@fjstuebingen

Sie dürfen nicht vergessen, dass viele solcher Institute ja von Spendengeldern aber eben auch von staatlichen Zuweisungen, sprich Steuern leben. Und da gehört Panikmache zum Geschäft. Andernfalls bleiben die Gelder aus.

fjstuebingen am 17.07.2014 um 14:35 Uhr
Schlimmer Reflex des Krebsforschungszentrums

Es ist schwer zu ertragen, dass gerade das Krebsforschungszentrum vor dem Dampfen warnt. Keine der Inhaltstoffe der Liquids ist krebserregend, auch nicht das Nikotin. Das wissen die natürlich. Aber mit der Warnung davor verhindern sie, dass tausende Raucher umsteigen und damit nehmen sie weitere Krebserkrankungen in Kauf. Statt sich an die Spitze zu stellen und alle Raucher aufzurufen, auf das Dampfen umzusteigen, so schnell wie möglich, fabulieren sie von Formaldehyd und Nitrosaminen, die in Spuren gefunden werden und in jeder Zigarette in tausendfacher Konzentration enthalten sind. Das ist wirklich Volksverdummung und ich kann nur annehmen, dass die Ärzte das wirklich nicht verstehen. Man darf hier nicht die Ärzte fragen sondern Toxikologen und richtige Wissenschaftler. Z.B.: Chemikaliengemisch: Propylenglykol ist ein Lebensmittelzusatzstoff, wird an Kühe verfüttert und in medizinischen Inhalatorflüssigkeiten eingesetzt, Glyzerin ist Hauptbestandteil jedes natürlichen Pflanzenfetts.

Angela675 am 16.07.2014 um 12:22 Uhr
Da fehlt die Gleichmäßigkeit!

Das mit den Langzeitfolgen ist so eine Sache. Natürlich weiß man bei E-Zigaretten noch nicht, welche Langzeitfolgen sie für den Nutzer haben kann. Das weiß man jedoch bei so vielen Produkten nicht. Beispielsweise Süssstoff, das krebserregend sein soll. Dennoch seh ich auf Süssstoff keine Gefahrenhinweise. Komischerweise wird die E-Zigarette im Vergleich zu den anderen Produkten stärker beobachtet und vor allem die Politik macht plötzlich auf sich aufmerksam. Ich weiß nicht ob es daran liegt, dass einige Anbieter es im Tabakzigaretten-Design anbieten wie hier ...... (Adresse wurde vom Admin wg. möglicher Schleichwerbung entfernt), sodass die Menschen die Gefahren der Tabakzigarette mit den Gefahren der E-Zigarette verknüpfen. Jedoch sind beide Produkte stark von einander zu unterscheiden, da sie wenig gemeinsam haben.

LaraCroft am 15.07.2014 um 09:45 Uhr
die genannten Nebenwirkungen

Gerade ein aktueller Artikel über Nikotinpflaster und Vareniclin erschienen in der Onmeda von heute, mit dem Titel: So klappt der Rauchstopp. Und komisch, die dort aufgelisteten Nebenwirkungen sind genau dieselben wie die angeblich von e-Zigaretten...... wie kann das sein???
Zitat aus der Onmeda:"Zwar klagten die Probanden in der Kombinationsgruppe häufiger über Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schlafstörungen, Hautirritationen, Verstopfung und Depressionen, doch nur die Hautirritationen traten signifikant häufiger auf. Die Probanden, die nur Vareniclin und das Placebo einnahmen, berichteten hingegen häufiger über schlechte Träume und Kopfschmerzen"
Ich bin zwar kein Arzt, aber die Parallelen sind schon auffallend. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass das die oft genannten Entzugserscheinungen beim Rauchstopp sind und weder die e-Zigaretten noch die Pflaster (ausser Hautreizung) rufen diese hervor.