E-Scooter Meldung

E-Scooter dürfen jetzt auch in Deutsch­land unterwegs sein – aber nicht auf dem Gehweg.

Seit 15. Juni dürfen E-Scooter auf die Straße – zumindest theoretisch. Bis die Elektro-Tret­roller tatsäch­lich im Straßenbild auftauchen, dürfte es allerdings noch etwas dauern: Die Hersteller müssen erst noch beim Kraft­fahrt­bundes­amt eine Allgemeine Betriebs­erlaubnis beantragen. Wer einen E-Scooter fährt, muss mindestens 14 Jahre alt sein und eine Haft­pflicht­versicherung abschließen. Hier fassen wir die Regeln für Elektroroller zusammen.

Bessere Luft durch E-Scooter?

In vielen europäischen Groß­städten sind Elektroroller heute schon weit­verbreitet. Paris ist so voll mit den kleinen Gefährten, auf denen auch viele Touristen durch die Stadt flitzen, dass es schon Widerstand in der Bevölkerung gibt. Seit 15. Juni sind sie auch in Deutsch­land erlaubt. Wer plant, einen E-Scooter zu kaufen, sollte sicher­stellen, dass das Gefährt den dann gültigen Anforderungen entspricht.

Umstieg auf öffent­liche Verkehrs­mittel

Die Bundes­regierung verspricht sich einiges von den kleinen Flitzern: Sie hofft, dass viele Bürger erst zum Kauf und dann zum Umstieg auf öffent­liche Verkehrs­mittel ermutigt werden. Besonders in Innen­städten kann der Umstieg auf Elektroroller in Kombination mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln nach­haltig zur Luft­verbesserung beitragen, hofft das Bundes­verkehrs­ministerium (BMVI).

Mitnahme in Bus und Bahn noch unklar

Die Roller sind klein, wendig, hand­lich, manche sogar zusammenklapp­bar. Ob sie sich auch über­all noch in Bus und Bahn mitnehmen lassen werden, hängt von den regionalen Verkehrs­betrieben ab. Sie müssen jeweils ihr Einverständnis geben.

E-Roller dürfen bis zu 20 km/h fahren

E-Scooter dürfen nicht schneller als 20 km/h fahren und grund­sätzlich nicht auf Gehwegen benutzt werden. Die Fahr­eigenschaften der Elektroroller sind ähnlich wie beim Fahr­rad. Deshalb sollen für sie im Prinzip die gleichen Rege­lungen gelten wie für Fahr­räder. Sie dürfen nur auf Radwege, Radfahr­streifen und Fahr­radstraßen. Sind die nicht vorhanden, dürfen sie auf die Fahr­bahn, auch außer­halb geschlossener Ortschaften.

Kein Helm, kein Führer­schein, Mindest­alter 14 Jahre

Die Begrenzung der Höchst­geschwindig­keit auf 20 km/h bedeutet auch, dass die Roller damit nicht in den Anwendungs­bereich der Helm­pflicht fallen. Angesichts der nicht gerade geringen Höchst­geschwindig­keit von 20 km/h empfiehlt es aber durch­aus, einen Helm zu tragen. Eine Führer­schein-Pflicht ist bislang nicht vorgesehen. Das Mindest­alter für Fahrer beträgt 14 Jahre. Darüber hinaus muss der Roller eine Fahr­zeug-Identifizierungs­nummer haben. Käufer sollten auf diese Vorgaben achten.

Tipp: Die Stiftung Warentest testet regel­mäßig Fahrradhelme für Erwachsene und Fahrradhelme für Kinder.

Zwei Bremsen, Licht und Klingel

Das Fahr­zeug muss mit zwei voneinander unabhängigen Bremsen ausgerüstet sein und ähnlich wie ein Fahr­rad über eine Beleuchtung verfügen – wobei die Lampen abnehm­bar sein dürfen. Damit der Fahrer im Dunkeln von der Seite besser erkenn­bar ist, sind gelbe Rück­strahler vorgesehen. Außerdem eine Klingel – oder alternativ ein Signal, das eindeutig warnenden Charakter hat.

Versicherung ist Pflicht

E-Roller müssen eine Versicherungs­plakette tragen, sonst dürfen sie nicht auf öffent­lichen Straßen benutzt werden. Die Plakette soll ähnlich aussehen wie des altbekannte Mofakenn­zeichen, aber deutlich kleiner. Außerdem soll sie als Aufkleber auf dem Rahmen befestigt werden können. Ein Hologramm soll für Fälschungs­sicherheit sorgen. Endet das Versicherungs­verhältnis vorzeitig, muss der Halter die Plakette entfernen und dies dem Versicherer nach­weisen.

Versicherungs­kosten voraus­sicht­lich ähnlich wie beim Mofa

Die DEVK und die Württem­bergische haben schon Angebote für E-Scooter-Versicherungen am Start. Andere Anbieter wie Gothaer, Huk und Allianz haben angekündigt, bald entsprechende Policen vorzulegen. Der Preis eines Mofakenn­zeichens, das ab etwa 40 Euro zu haben ist, könnte eine erste Orientierung bieten, was die Versicherungen kosten könnten. Bei der DEVK sollen Fahrer ab 23 Jahren 38,40 Euro für das Versicherungs­jahr zahlen. Für Jüngere sei der Schutz wegen ihres höheren Unfall­risikos teurer, so der Versicherer.

E-Scooter nicht Bestand­teil der Privathaft­pflicht­versicherung

Haft­pflicht­versicherung. Elektroroller sind im Regelfall nicht in der Privathaft­pflicht (PHV) mitversichert. Weil sie einen Motor haben, gelten sie als Kraft­fahr­zeuge. Daher greift in den meisten Policen die „Benzinklausel“: Sie schließt alle Kfz, die schneller sind als 6 Stundenkilo­meter, vom Deckungs­schutz der Privathaft­pflicht­versicherung aus – egal ob Benzin-, Diesel- oder Elektromotor. Folge: Wer mit dem kleinen Flitzer einen Unfall baut, muss den Schaden voll aus eigener Tasche zahlen. Bei Verkehrs­unfällen können das leicht mehrere Tausend Euro sein.

Fahren im Ausland. Das gilt auch im Ausland. Zwar greifen die meisten PHV-Policen welt­weit (Vergleich Haftpflichtversicherung), ebenso jedoch die Benzinklausel. Wer kurz entschlossen zum Beispiel vorm Hotel in Thai­land am E-Scooter-Stand als Urlaubs­spaß einen Roller mietet, geht ein unkalkulier­bares Risiko ein. Fragen Sie vorher zumindest, ob der Verleiher auch Versicherungs­schutz anbietet, zu welchen Konditionen und mit welchen Deckungs­summen?

Elektrofahr­räder. Anders ist das bei E-Bikes. Viele PHV-Anbieter versichern sie wie herkömm­liche Fahr­räder. Das gilt aber nur, solange der Motor lediglich bis zu maximal 25 km/h mitarbeitet. Dieser Deckungs­schutz greift in Deutsch­land wie auch im Ausland.

Elektroroller mit hohem Unfall­risiko

Professor Walter Eichen­dorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) hat bereits dafür plädiert, Radwege so zu gestalten, dass alle, die sie nutzen, sicher ankommen. Konkret bedeute das, sie in der Breite den neuen Anforderungen anzu­passen. Ganz ungefähr­lich sind die Roller nicht, wie Erfahrungen aus Wien zeigen. Bei einer Umfrage des dortigen Kuratoriums für Verkehrs­sicherheit gaben 16 Prozent der E-Scooter-Nutzer an, schon einmal eine Situation erlebt zu haben, in der der Roller für sie nicht kontrollier­bar war. 6 Prozent der Nutzer hatten bereits einen Unfall. 20 Prozent gaben an, schon einmal einen Beinahe-Unfall erlebt zu haben. Haupt­gefahren waren Kollisionen mit Gehsteigkanten, Abbiegeunfälle, Spurrillen – und dass andere Verkehrs­teilnehmer die E-Roller schlicht über­sehen hatten.

Unfall­chirurgen warnen vor Verletzungs­risiko

Vor einem erhöhten Verletzungs­risiko durch E-Tret­roller im Stadt­verkehr warnen Gesund­heits­experten. Gegen­über der Osnabrü­cker Zeitung sagte der Leiter der Sektion Prävention der Deutschen Gesell­schaft für Ortho­pädie und Unfall­chirurgie (DGU), Christopher Spering, die E-Scooter seien hoch­gefähr­lich, weil sich andere Verkehrs­teilnehmer nur extrem schwer auf sie einstellen könnten. Fahrer seien so schnell wie mit dem Fahr­rad unterwegs, jedoch völlig unge­schützt. Bei Stürzen verfinge sich ein Fuß schnell unter dem Tritt­brett.

Keine Regeln für Hover­boards und Co

E-Roller, die schneller als 20 km/h fahren können, sind zwar im Handel erhältlich, vor allem im Ausland. Von der Gesetzes­änderung sind sie aber nicht erfasst. Sie dürfen also nach wie vor nicht auf öffent­liche Straßen. Auch eine Ausnahme­ver­ordnung für Fahr­zeuge ohne Lenk- und Halte­stangen wie Hover­boards, Airwheels und E-Skate­boards wird es, anders als zunächst angekündigt, nicht geben.

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Diese Meldung ist erst­mals am 7. März 2019 auf test.de erschienen. Sie wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 17. Juni 2019.

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