E-Rezept Wann geht es endlich los?

E-Rezept - Wann geht es endlich los?
Virtuell oder ausgedruckt. Um E-Rezepte einzulösen, wird ein Code über­mittelt. © Gematik, Adobe Stock (M)

Künftig soll jeder Rezepte per Handy einlösen können – und so schneller und einfacher an Medikamente kommen. Aber der Start ist mühsam. Antworten auf Fragen zum E-Rezept.

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E-Rezept: Elektronischer Code statt rosa Papier

Das E-Rezept kommt. Deutsch­land­weit, demnächst, irgend­wann. Anfang 2022 sollte es eigentlich losgehen. Doch kurz vor Weih­nachten zog Bundes­gesund­heits­minister Karl Lauterbach die Notbremse. Vor­erst wurde die 2021 ange­laufene bundes­weite Test­phase verlängert, „damit Praxen, Apotheken, Krankenkassen und Software­anbieter noch mehr Erfahrung mit dem E-Rezept sammeln“, schreibt das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Website.

Stockender Start

Wann das E-Rezept flächen­deckend an den Start geht, ist derzeit noch unklar. Es steht Ärztinnen und Ärzten weiterhin frei, herkömm­liche Papier­rezepte auszustellen. Das ist noch der Stan­dardweg, wie wir kürzlich merkten. Für unseren Versandapotheken-Test versuchten wir, in elf Praxen E-Rezepte zu bekommen – über­all vergebens. Trotzdem: Über kurz oder lang wird das gute alte rosa­farbene Rezept Geschichte sein. Daher beant­worten wir hier schon mal die wichtigsten Fragen zum E-Rezept.

Welche Vorteile bringt das E-Rezept?

Idealer­weise spart es Zeit und Wege. Wer es etwa in der Arzt­praxis erhält, kann es direkt via Smartphone an eine Apotheke schi­cken. Sie legt die verschriebenen Medikamente bereit oder bestellt sie bei Bedarf – und liefert sie vielleicht sogar nach Hause, wenn sie über einen Boten­dienst verfügt. Auch der Bestellweg bei Versandapotheken vereinfacht sich, sobald Rezepte elektronisch statt wie bisher nur per Brief verschickt werden können. Und bei Videosprechstunden spart es ebenfalls Zeit, wenn die Verordnung direkt aufs Handy kommt. Insofern gilt das E-Rezept als wichtiger Baustein der Digitalisierung im Gesund­heits­wesen.

Was brauche ich an „Zubehör“?

E-Rezept - Wann geht es endlich los?
Fürs E-Rezept. Passende Gesund­heits­karten haben eine sechs­stel­lige Nummer, teils auch ein Empfangs­zeichen. © gematik GmbH

Offiziell zugelassen, um E-Rezepte zu empfangen und zu über­mitteln, ist eine App namens „E-Rezept“. Sie ist kostenlos in den App-Stores von Google, Apple und Huawei verfügbar. Entwickelt hat sie die Firma Gematik, die den Aufbau eines sicheren Daten­netzes für das deutsche Gesund­heits­wesen verantwortet. Haupt­anteils­eigner dieser Gesell­schaft ist das Bundes­gesund­heits­ministerium.

Damit alles klappt mit der App, sollte das Smartphone mindestens Android 7 oder iOS 14 als Betriebs­system haben und NFC-fähig sein. Die Abkür­zung steht für „Near Field Communication“. NFC ermöglicht den Daten­austausch zwischen Geräten und wird zum Beispiel beim kontaktlosen Bezahlen einge­setzt.

Außerdem ist eine elektronische Gesund­heits­karte mit NFC-Funk­tion nötig, erkenn­bar an einer sechs­stel­ligen Zahl (siehe Bild), sowie die zugehörige Pin. Wer noch keine passende Gesund­heits­karte hat, aber das E-Rezept mit allen Funk­tionen nutzen will, fragt bei seiner Krankenkasse nach einer neuen Karte.

Sind Gesund­heits­karte und Handy nicht NFC-fähig, ist die App nur einge­schränkt nutz­bar – etwa, um Rezept-Codes zu scannen und in der Apotheke einzulösen.

Wie funk­tioniert das E-Rezept?

Sobald Ihr Handy einge­richtet ist und Ihre Praxis über die entsprechende Infrastruktur verfügt, können Sie Ihre Medikamente digital verordnet bekommen. Dazu verschickt die Praxis-Software einen Code auf Ihre Gematik-App. Den können Sie persönlich in der Apotheke vorzeigen oder ihn elektronisch weiterleiten – etwa, um die Arznei zu einem späteren Zeit­punkt abzu­holen oder liefern zu lassen.

Gibt es auch weiterhin Papier­rezepte?

Ja. Die Praxis kann Ihnen den E-Rezept-Code auch auf Papier ausdrucken. Er lässt sich dann genau wie ein herkömm­liches Rezept in der Apotheke einlösen.

Was ist mit privat Versicherten?

Die bisherigen Pläne zum E-Rezept betreffen nur gesetzlich Krankenversicherte. Künftig sollen auch die privaten Krankenkassen einbezogen werden. Die Gematik tauscht sich derzeit laut eigener Auskunft mit dem Verband der Privaten Kranken­versicherung über die Umsetzung aus.

Wie steht es um die Daten­sicherheit?

Die E-Rezept-Daten werden verschlüsselt auf Servern der Telematikinfrastruktur gespeichert. Das ist das geschützte Netz­werk, über das Praxen, Apotheken und andere Beteiligte im deutschen Gesund­heits­system sicher kommunizieren können. Nur berechtigte Personen, die im Besitz des entsprechenden Codes sind, können ein E-Rezept abrufen – also beispiels­weise die Versicherten selbst, die verordnenden Ärztinnen und Ärzte oder die mit der Medikamenten­abgabe betraute Apotheke. Die generelle Sicherheit des E-Rezepts hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Mitte 2021 anhand von Gutachten zu Daten­schutz und weiteren Aspekten bestätigt. Für den flächen­deckenden Einsatz brauchen nun alle Arzt­praxen und Apotheken das nötige Zubehör, also auch etwa die passende Software.

Ist die Apotheke frei wähl­bar?

Grund­sätzlich ja. Doch sind bisher nicht alle Apotheken in der App der Gematik gelistet. Das liegt daran, dass jede Apotheke zunächst nur eine Institutions­karte, also einen Identitäts­nach­weis für den Eintrag in der Gematik-App, bekommen hat. Wenn sie neben ihrem Vor-Ort-Geschäft aber auch einen Webshop als Versandapotheke betreibt, braucht sie zwei. Das Problem soll sich in den nächsten Monaten bessern, denn inzwischen können Apotheken mehrere Institutions­karten erhalten.

Kann ich E-Rezepte auch online einlösen?

Viele Versandapotheken im aktuellen Test bieten eine eigene Möglich­keit, E-Rezepte einzulösen. Wer sie nutzen will, scannt den Code auf der Website oder in der App des Versenders ein und über­mittelt so das Rezept auf elektronischem Weg. Wie gut und sicher das klappt und wie die Versender mit der offiziellen App der Gematik umgehen, konnten wir leider nicht testen. Unsere Test­personen scheiterten schon beim Versuch, in ihrer Praxis über­haupt ein E-Rezept zu bekommen.

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4 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 03.05.2022 um 10:27 Uhr
zwei Absätze doppelt

@hepalmkid: Noch einmal vielen Dank für Ihren Hinweis. Die Text-Doppelung ist jetzt beseitigt.

Profilbild Stiftung_Warentest am 02.05.2022 um 10:35 Uhr
zwei Absätze doppelt

@thepalmkid: Es freut uns sehr, dass Ihnen unser Artikel gefällt und vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben ihn an die zuständige Fachabteilung zur Kenntnisnahme weitergeleitet.

thepalmkid am 01.05.2022 um 11:46 Uhr
erste zwei Absätze doppelt

Hallo Test.de,
interessanter Artikel, aber die ersten zwei Absätze sind Stand 1.5. doppelt enthalten.
Bitte korrigieren.
Danke und Gruss

lutz.karlstein am 05.04.2022 um 16:29 Uhr
Typisch "deutsche" Lösung

Solange ich einmal pro Quartal zu meinem Arzt fahren muß, um meine Karte einlesen zulassen, damit ich meine übliche 100-Tabletten-Packung verschrieben bekomme, sehe ich nicht, wo der Vorteil des e-Rezeptes im Vergleich zum Papier-Rezept ist. Aufwand und Kosten sind genau die gleichen. Die anderen, als Vorteile angepriesenen Eigenschaften überzeugen mich nicht. Im Gegenteil! MfG. M. Lutz