E-Post­brief Schnelltest

Vier Wochen sind seit dem Start des E-Postbriefs vergangen. Fast genauso lange hat die Deutsche Post gebraucht, um ein Test­konto frei­zuschalten. test.de hat E-Post­briefe verschickt und bleibt kritisch.

Warten auf die Frei­schaltung

Unmittel­bar nach Start des E-Post­briefs haben sich zwei Tester dafür angemeldet. Das erste Test­konto schaltete die Post nach sechs Tagen frei. Für das zweite brauchte sie drei­einhalb Wochen. Post­sprecher Uwe Bensien erklärt den schleppenden Anmelde­prozess so: "Wir machen das, um das System kontrolliert hoch­zufahren." Ab Oktober soll es besser werden.

Einstel­lungen verwirren

E-Post­brief Schnelltest

Vor dem Versand des ersten Briefs sollten Anwender einige Einstel­lungen vornehmen:

  • Einzel­verbindungs­nach­weis akti­vieren. Rück­wirkend gibt es den nicht.
  • SMS-Benach­richtigung für neue Nach­richten einstellen. Das erspart den täglichen Blick ins E-Post­fach.
  • Guthaben aufladen. Bei der Speicherung der Bank­verbindung greift die Post auf alte Daten zurück. Die im Februar 2010 umbe­nannte Targo­bank nennt die Post immer noch Citi­bank. Die Aufladung des Guthabens erfolgt über ein Online-Formular. Obwohl das Logo von American Express erscheint, akzeptiert die Deutsche Post nur Visa- und Mastercard sowie Last­schriften. 55 Cent sind als Aufladebetrag voreinge­stellt. Doch nach der Bestätigung erscheint die Anzeige: "Aktuell können nur volle Euro­beträge einge­zahlt werden."

Versand an E-Post­brief-Kunden

Auf rein elektronischem Weg funk­tionieren E-Post­briefe ähnlich wie webbasierte Email-Dienste: E-Post­adresse eintragen, Text schreiben, Handy-Tan eingeben und ab geht die Post. 55 Cent kostet der Spaß. Ganz schön viel für ein System, das häufig hängen bleibt und lange lädt. Hinzu kommt: Kaum jemand besitzt bisher eine E-Post­adresse. Das öffent­liche Adress­verzeichnis hilft wenig bei der Suche. Viele E-Post­adressen stehen dort ohne genaue Personen­angaben. Wer die E-Post­adresse des Empfängers nicht kennt, kann seine E-Post­briefe nur mit herkömm­licher Adresse einge­geben und von der Post ausdrucken lassen.

Briefe laufen ins Leere

Bei Eingabe der Post­adresse läuft keine Plausibilitäts­prüfung. Verdrehte Post­leitzahlen sind genauso möglich wie Briefe an imaginäre Personen in Kleinkleck­ersdorf. Für ausgedruckte Briefe verspricht die Post die Zustellung am nächsten Werk­tag. Das hat im Test nur teil­weise geklappt. Mehrere am Dienstag Nach­mittag abge­schickte Briefe wurden erst am Donners­tag zugestellt.

Anhänge kommen nicht an

Anhänge funk­tionieren nicht. PDF-Dateien ohne Seiten­rand lassen sich zwar hoch­laden, aber nicht versenden. Es erscheint: "Ein Fehler ist aufgetreten." Eine Erklärung für die Fehler­meldung liefert die Post nicht. Einmal angehängte Dokumente lassen sich auch nicht löschen. Der Entfernen-Knopf reagiert nicht. Anhänge mit Seiten­rand vers­endet die Post zwar, druckt Grafiken und Bilder aber nur unvoll­ständig aus. Farbfotos im PDF kamen als weißes Blatt an. Besonders ärgerlich: Die Post kassiert auch bei Fehl­drucken 10 Cent je Farbseite zusätzlich zum Porto. Eine Druck­vorschau zeigt sie erst nach dem Versand.

Post ändert Layout

Auf die Druck­vorschau ist ohnehin wenig Verlass. Die ausgedruckten Briefe sehen anders aus als vorher ange­zeigt. Beispiel Brief­kopf: Die Vorschau zeigt oben rechts Namen und Adresse. Auf dem Ausdruck steht an dieser Stelle nur die E-Post­adresse des Absenders. Fazit: Der Absender kann kaum vorhersehen, was beim Empfänger tatsäch­lich ankommt.

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