E-Post­brief Briefe per Mail verschi­cken

15.07.2010
E-Post­brief - Briefe per Mail verschi­cken

Die Deutsche Post hat den E-Post­brief erfunden. Er soll verbindlich, vertraulich und verläss­lich sein. Doch den Service lässt sich das Unternehmen gut bezahlen. test.de hat sich angemeldet.

Inhalt
  1. Überblick
  2. Test-Kommentar

Umständliche Anmeldung

Wer den neuen Dienst der Deutschen Post nutzen möchte, muss sich zunächst auf der Home­page des Konzerns registrieren und eine persönliche Adresse sichern. Bei der Anmeldung verschickt die Post eine TAN per Kurz­mitteilung aufs Handy. Mit dieser muss der Nutzer seine Anmeldung bestätigen. Wer kein Handy hat, kann den E-Post­brief nicht nutzen. Doch damit nicht genug: Nach einigen Tagen schickt die Post einen Registrierung­scode nach Haus. Der berechtigt zur Anmeldung. Am Ende der Anmeldung muss der Briefe­schreiber ein Formular für das Postident-Verfahren ausdrucken, zur Post­filiale gehen und sich ausweisen. Erst danach läuft das Versenden der Briefe online über Benutzer­name, Pass­wort und TAN – ähnlich wie beim Online­banking. Die Experten der Stiftung Warentest haben sich am ersten Tag angemeldet. Hier der Bericht über erste Tests.

Eindeutige Identifizierung

Die Post argumentiert, herkömm­liche E-Mails seien so unsicher wie eine Post­karte. Jeder­zeit könnten Unbe­fugte sie lesen. Der Absender wisse nie, ob seine Nach­richt den Richtigen erreicht. Der E-Post­brief soll das ändern: Die Post verwendet für die Briefe TLS, ein etabliertes Verschlüsselungs­protokoll zur sicheren Daten­über­tragung im Internet. Sicher­heits­lecks gab es in der Vergangenheit laut Medienbe­richten aber auch bei TLS. Das Neue am E-Post­brief ist vielmehr, dass sich alle Nutzer eindeutig identifizieren müssen. So wissen Absender und Empfänger zweifels­frei, mit wem sie es zu tun haben. Versicherte können zum Beispiel ihre Kündigung per E-Post­brief schi­cken - sofern die Vertrags­unterlagen keine Schriftform vorschreiben. Aber Achtung: Manche Rechts­hand­lungen wie die Mietkündigung sollten nicht mit der elektronischen Post geschickt werden. Sie bedürfen stets der Schriftform.

Zusätzliche Verschlüsselung

Absolut vertraulich ist der Stan­dard-E-Post­brief aber auch nicht. Die TLS-Technik verschlüsselt den E-Brief vom Absender zum Post­server und vom Post­server zum Empfänger. Wird der E-Post­brief gedruckt könnten Post­mit­arbeiter die Texte theoretisch lesen. Wer eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wünscht, muss seine Briefe zusätzlich verschlüsseln. Absender und Empfänger müssen dafür im E-Post­brief-Portal persönliche Zertifikate beantragen. Sie bekommen dann persönliche Schlüssel mit denen nur sie den jeweiligen Brief senden und öffnen können.

Teurer Service

Der E-Post­brief kostet genauso viel wie ein Papier­brief: 55 Cent. Nutzer können wählen, ob ihr Brief elektronisch an ein anderes E-Post­brief-Konto zugestellt wird oder von der Deutschen Post ausgedruckt und per Briefträger zugestellt wird. Der Preis bleibt zumindest bei Stan­dard­briefen bis 20 Gramm der gleiche. Für solche Hybrid­briefe ab vier Seiten kassiert die Post allerdings 10 Cent zusätzlich - und zwar je ausgedruckter Seite. Einschreiben kosten ebenfalls extra: 1,60 Euro bei elektronischer Zustellung - genauso viel wie ein herkömm­liches Einwurfein­schreiben. Vom Post­boten zugestellte E-Post­brief-Einschreiben kosten jedoch mehr als in der Filiale abge­gebene. Zum Vergleich: In der Filiale kostet die Zusatz­leistung Einschreiben mit Rück­schein 3,85 Euro, über E-Post­brief 4,58 Euro. Hintergrund: Für das Filial­einschreiben fällt keine Mehr­wert­steuer an.

Zwang zur täglichen Leerung

Wer sich trotzdem für den E-Post­brief entscheidet, erwirbt damit einen elektronischen Brief­kasten. Ähnlich wie ein physischer Brief­kasten muss auch das Nutzer­konto des E-Post­briefs regel­mäßig gesichtet werden. Die Allgemeinen Geschäfts­bedingen der Deutschen Post schreiben es genau vor: Nutzer sollten ihr Konto mindestens einmal je Werk­tag kontrollieren. Im Urlaub genauso wie bei Krankheit. Die Post argumentiert: Einen Internet­anschluss gibt es schließ­lich über­all. Absender können so vom Eingang spätestens am nächsten Werk­tag ausgehen. Wer nicht regel­mäßig in seinen elektronischen Brief­kasten schaut, versäumt unter Umständen Fristen oder Mahnungen.