E-Mail-Dienste Test

Vieles spricht für die Gratisvariante im Vergleich kostenloser und bezahlter E-Mail-Dienste. Doch man sollte seine Post nicht jedem Dienst anvertrauen.

Das Telegramm war Synonym für Tempo. Heute steht dafür die E-Mail, die elektronische Post. Und sie ist besser: schneller, billiger, bringt auch Musik, Fotos, Videoclips und Dokumente ans Ziel.

Der beste E-Mail-Dienst im Test ist das kostenlose Google Mail, noch vor dem Bezahldienst GMX TopMail. Die Top-, Plus-, Club- und Profi­diens­te kosten bis zu 5 Euro monatlich und bieten meist nur ein größeres Postfach oder erlauben größere Da­teian­hänge. Das spricht für die kostenlosen Dienste, die auch funktionieren und meist auch sicher sind.

Klarer Verlierer und zweite Reihe

Ein kleinerer Anbieter ist klarer Verlierer, 1email.eu, selbst in der Profivariante. Viele Probleme, schlech­te Leistung, als Kuriosum die Support-Adresse bei Web.de sowie Vorkasse eines Jahresbeitrags bei der Bezahlvariante sprechen gegen ihn. Unser Test stellt aber auch große Anbieter wie AOL, GMX, T-Online eMail Basic, Web.de und Windows Live Hotmail in die zweite Reihe. Nicht dass sie ihr Handwerk nicht beherrschen, Probleme bereiten ihnen aber:

  • der Virenschutz (1email.eu und T-Online eMail Basic finden nicht alle Viren),
  • größere Dateianhänge (langsame Datenübertragung bei AOL und Hotmail, auf zwei bis vier Megabyte begrenzte Anhänge bei den freien E-Mail-Diensten von directBox und Web.de sowie bei 1email.eu),
  • das „Loslassen“, wenn Kunden den Dienst abmelden wollen (1email.eu Profi, und ­– ­ohne Kündigungsmöglichkeit ­– AOL),
  • die geradezu überbordende Werbung (speziell GMX FreeMail und Web.de).
  • T-Online eMail Basic, 1email.eu und AOL bieten wenig Zusatzfunktionen und geben so eher Anlass zum Anbieterwechsel statt das Gefühl, willkommener Kunde zu sein.

Peinliche Panne bei T-Online eMail

Teil der Kundenbindung ist der Schutz vor Computerviren. Sie verbreiten sich oft per Mail und lassen sich direkt beim E-Mail-Dienst besonders effektiv bekämpfen. Probleme hatten wir, wenn überhaupt, nur bei kleinen Anbietern erwartet. Doch der Fauxpas nicht erkannter Viren unterlief nicht nur 1email.eu, sondern auch T-Online eMail Basic. Hier blieben zwei der Virenmails über Wochen unerkannt. Das ist kein Kompetenzbeweis, denn außer diesen beiden Anbietern erkannten alle anderen auf Anhieb jede virenverseuchte Mail. Ärgerlich: Wer gegen saftiges Entgelt seinen Internetanschluss bei der Deutschen Telekom bestellt, bekommt einen besseren E-Mail-Dienst (siehe Test Internetprovider).

Werbung nervt

Bauchschmerzen bereitet uns der Umgang der E-Mail-Anbieter mit Werbung. Sie ist zwar unverzichtbar, denn ohne Werbeeinnahmen wäre kein kostenloser E-Mail-Dienst zu finanzieren; das ist nun mal der Deal. Doch selbst unter den Bezahldiensten ist im Testzeitraum nur Yahoo Mail Plus werbefrei. Arcor Pia gefiel noch mit erfreulich wenigen Anzeigen, aber meist gibt es Werbung satt. Schon vor dem Anmelden, dem „Login“, prangen Werbebanner auf der Startseite des Unternehmens oder Pop-­up-Fenster erscheinen. Besonders nervig ist das bei freenet Mail Basic, GMX und Web.de. Werbung wird hier auch als Mail direkt ins Postfach geschickt. Besonders raffiniert agiert directBox: Nach dem Abmelden, dem „Logout“, landen die Kunden direkt im Internetauktionshaus ebay.

Frisch gegoogelt und abgescannt

Google dagegen pflegt einen ganz eigenen Stil. Das als Anbieter einer Suchmaschine gestartete Unternehmen durchleuchtet, „scannt“, die eingehenden Mails elektronisch und filtert werberelevante Reizworte heraus. So wird etwa die Urlaubsmail von Freunden mit passenden Reiseangeboten von Googles Werbepartnern garniert. Doch die Werbung wird optisch unaufdringlich dargeboten. Das mag als Komfort empfunden werden. Doch angesichts des elektronischen Mitlesens bleibt ein Unbehagen. Immerhin verheimlicht Google das „Scannen“ der Kundenmails für Werbezwecke nicht. Im Internet ist das genau nachzulesen. Zumindest ist bei Google Mail ein Kraut gegen Werbung gewachsen: Wer seine Post mit einem Mailprogramm wie beispielsweise Mozilla Thunderbird oder Microsoft Outlook erledigt, bekommt keine. Die wird nur direkt im Postfach bei Google angezeigt.

Zensur vorbehalten

Ein Novum sind teils erheiternde, teils aber auch dreiste Auflagen für die Benutzung des Maildienstes. Vor allem die aus den USA setzen ihre Auffassung von „political correctness“ und ihre Geschäftsinteressen knallhart durch: Windows Live Hotmail untersagt die „Verwendung des Dienstes auf eine Weise, die uns oder unseren Werbekunden, verbundenen Unternehmen, Wiederverkäu­fern, Distributoren und/oder Lieferanten oder einem Kunden unserer Werbekunden ... schadet.“ Das sieht Microsoft recht eng. Doch den Kunden ist „Engstirnigkeit“ unter­sagt. Was immer das bedeuten mag. Verbo­ten ist bei dem Software-Riesen gar „Teilnah­me an Ermöglichen und Fördern von ungesetzlichem Verhalten“ ­– ohne auf die einzelnen gesetzlichen Regelungen hinzuweisen.

Yahoo verbietet den Versand von Inhalten „... die von Yahoo ... in sonstiger Weise zu beanstanden sind“. Die deutschen Anbieter machen munter mit. T-Online beispielsweise verbietet Inhalte, die „das Ansehen der Deutschen Telekom schädigen können“. Besonders rüde geht Microsoft vor. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen von Hotmail fanden wir viele unwirksame Klauseln. Microsoft behält sich sogar vor, den E-Mail-Dienst „aus beliebigen Gründen“ zu ändern oder Funktionen abzuschalten. Sie nehmen sich auch das Recht, den Dienst jederzeit zu kündigen, und zwar ohne besonderen Grund und sogar fristlos.

So bleiben Sie Herr der Lage

E-Mail-Dienste Test

Wir raten zu einem Mailprogramm. E-Mails und Kontaktdaten sind so direkt auf dem eigenen Rechner, Werbung wird weitgehend ausgeblendet. Frei erhältlich ist beispielsweise Thunderbird (www.mozilla-europe.org)

Wir raten zu einem Mailprogramm. E-Mails und Kontaktdaten sind so direkt auf dem eigenen Rechner, Werbung wird weitgehend ausgeblendet. Frei erhältlich ist beispielsweise Thunderbird (www.mozilla-europe.org)

Solche Einschränkungen sprechen ganz klar gegen eine berufliche Nutzung der geprüften Dienste. Denn mit der fristlosen Kündigung gehen gespeicherte E-Mails und Kontakte von jetzt auf sofort verloren.

Wer auf seinem Rechner ein Mailprogramm wie Thunderbird, Opera oder Outlook nutzt, bleibt auch im Fall einer fristlosen Kündigung Herr der Lage: Die Mails werden einfach regelmäßig abgerufen und auf dem eigenen Computer gespeichert. Hier liegt dann auch das Adressbuch mit den Kontaktadressen.

Doch aufge­passt: Bei 1email.eu ist die Fernabfrage (also Pop 3 oder Imap, siehe „Glossar“) weder in der kostenfreien noch in der kostenpflichtigen Variante möglich. Auch directBox patzt: Der Pop-3-Abruf muss per E-Mail beim technischen Support beantragt werden, und directBox free erlaubt nur 48 Abrufe pro Tag, Web.de FreeMail vier Abrufe pro Stunde. Das ist auch nicht viel besser. Angenehmer Nebeneffekt der Fernabfrage mit Mailprogramm: Bannerwerbung und Pop-up-Fenster bleiben außen vor.

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