E-Learning Zeitmanagement Test

Komplexe Aufgaben, hohes Pensum, viele Termine – die meisten Arbeitnehmer stehen heute unter Zeitdruck. Wie man seine Zeit effektiv managt, kann man lernen, auch per E-Learning.

Wenn US-Präsident Eisenhower das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren drohte, nutzte er ein simples Prinzip. Der amerikanische Regierungschef (1953-1961) sortierte alle Aufgaben nach den Kriterien „wichtig“ und „dringend“ und setzte damit Prioritäten. Die wichtigste und eiligste Aufgabe packte Mr. President sofort selbst an. Was wichtig, aber nicht so dringend war, terminierte er und erledigte es zu gegebener Zeit ebenfalls selbst. Unwichtiges, das schnell erledigt werden musste, delegierte er an Mitarbeiter. Und Dinge, die weder wichtig noch eilig waren, landeten im Papierkorb.

Zeitmanagement ist Selbstmanagement

Nicht nur US-Präsidenten müssen die Zeit im Griff haben. Komplexe Aufgaben, jede Menge Termine, ständige Erreichbarkeit – die moderne Arbeitswelt verlangt viel von Arbeitnehmern. Doch ist die Zeit, die zur Verfügung steht, begrenzt. Auf Dauer kann der Zeitdruck im Job körperliche und psychische Folgen haben. Stress heißt das Schlagwort.

Wie man effektiv mit der Zeit umgeht und Stress vermeidet, kann man mit Strategien des Zeitmanagements lernen. Doch Vorsicht: Der Begriff ist irreführend. Denn die Zeit lässt sich nicht managen. Sie vergeht, egal, was man tut. Managen kann der Einzelne nur sich selbst. Deshalb beschäftigt sich Zeitmanagement vorwiegend mit Arbeitstechniken und Selbstorganisation. Wie kriegt man eine optimale Wochen- und Monatsplanung hin? Was hilft gegen das Chaos auf dem Schreibtisch? Wie delegiert man Aufgaben? Was tun, wenn das Meeting wieder endlos dauert? Der Erfolg der Strategien hängt von jedem selbst ab. Denn umsetzen muss sie jeder für sich.

Marktübersicht mit drei Produktgruppen

Zum Thema gibt es eine Fülle von Büchern und Ratgebern, auch das Angebot an Seminaren ist groß. Die Stiftung Warentest wollte wissen, welche E-Learning-Angebote der Markt in puncto Zeitmanagement und Stressbewältigung bereithält. Gefunden haben wir Lernsoftware für den Computer auf CD-Rom und Onlinekurse, die im Internet stattfinden (siehe Tabellen). Außerdem haben wir die Produktgruppe der Audio-CDs in die Marktübersicht aufgenommen, auch wenn sie strenggenommen nur entfernt zum E-Learning zählt.

„Nebenbei“ lernen mit Audio-CDs

E-Learning ist nicht jedermanns Sache. Beim Lernen ist man auf sich selbst gestellt. Das erfordert Disziplin und Eigeninitiative. Auch der Austausch mit anderen ist – anders als in Präsenzseminaren – nicht oder nur via Internet möglich. Doch haben elektronische Lernformen auch Vorteile. Wer seine Zeitprobleme nicht so gern vor anderen ausbreiten mag, kann per E-Learning allein und ohne Hemmungen lernen. Außerdem lassen sich Lerntempo sowie Zeit und Ort für den persönlichen Unterricht selbst bestimmen.

Besonders flexibel ist man mit Audio-CDs. Ob beim Bügeln zuhause oder auf der Fahrt zur Arbeit – Tipps und Tricks zum besseren Umgang mit Zeit und Stress kann man quasi „nebenbei“ bekommen, ein gewisses Maß an Ruhe und Konzentration vorausgesetzt. Wer wirklich etwas lernen will, sollte die CD aber mehrfach hören.

Die elf Audio-Produkte in unserer Marktübersicht kosten zwischen 10 und 25 Euro. Die meisten behandeln die Themen Zeitmanagement und Stressbewältigung allgemein, bezogen auf Beruf und Alltag. Zwei Audio-CDs sind Hörspiele, und zwar „Die Bären-Strategie“ von Ariston und „Das Märchen vom Zeitmanagement: VCC und das 4W-System“ von Gerhard Etzel Training.

Tipp: Verschaffen Sie sich beim ersten Hören einen Überblick über das Thema. Beim zweiten oder dritten Durchgang sollten Sie sich Notizen machen. Konzentrieren Sie sich auf die Aspekte, die Sie für Ihren Berufsalltag brauchen. Sie müssen nicht alles umsetzen.

„Zeitdiebe“ per Computer finden

Wer gern am Computer arbeitet, kann seine „Zeitdiebe“ auch mit Lernprogrammen auf CD-Rom aufspüren. Die Produkte sind mit Preisen zwischen 100 und 150 Euro deutlich teurer als Audio-CDs, aber sie können auch mehr. Die Programme bieten interaktive Elemente. Das heißt: Der Nutzer muss Übungen erledigen und bekommt dann ein Feedback. Auch die multimedialen Möglichkeiten sind ein Plus. So sind vielfach Videosequenzen mit lehrreichen Fallbeispielen aus dem Berufsalltag Bestandteil der Software.

Tipp: Vier von fünf CD-Roms in unserer Marktübersicht starten mit Tests zur Einschätzung des Lerntyps und des Lernbedarfs. Sie können diese Tests nutzen, sollten das Ergebnis aber nicht überbewerten. Die Testverfahren können nur grobe Hinweise liefern. Ihre Aussagekraft ist begrenzt.

Delegieren lernen im Onlinekurs

Eine Alternative zur Lernsoftware sind Seminare, die im Internet stattfinden. Diese Onlinekurse variieren stark im Preis – 35 Euro kostet der günstigste Kurs, 920 Euro der teuerste. Zu den Anbietern gehören neben privaten Instituten auch Industrie- und Handelskammern. Die Kursteilnehmer erhalten das Lehrmaterial regelmäßig per E-Mail zugeschickt oder können es über eine Lernplattform im Netz herunterladen. Dort können sie sich auch mit anderen Teilnehmern in Chatrooms oder Foren austauschen. Ein Tutor, also ein Ansprechpartner für fachliche Fragen, steht nur selten zur Verfügung. Manchmal ist eine tutorielle Betreuung per Aufpreis möglich. Die mit Abstand teuersten Kurse in der Marktübersicht haben etwas mehr zu bieten als die günstigeren. Ecompete (920 Euro) bittet die Teilnehmer einen Tag lang zum Unterricht vor Ort – ganz leibhaftig. Bei b-wise (890 Euro) finden drei Unterrichtseinheiten im virtuellen Klassenraum statt.

Tipp: Legen Sie Zeiten fest, zu denen Sie lernen wollen, zum Beispiel immer donnerstags von 20 bis 21.30 Uhr. Das hilft Ihnen, am Ball zu bleiben.

Auch Pausen wollen geplant sein

Strategien des Zeitmanagements können helfen, Arbeitsabläufe zu optimieren, „Zeitfresser“ zu erkennen, und – das Beispiel Eisenhower zeigt es – Prioritäten zu setzen und besser zu planen. Bis heute zählt das Eisenhower-Prinzip zu den gängigen Werkzeugen des Zeitmanagements. Allerdings wird es inzwischen auch kritisch betrachtet. Eine effektive Zeitplanung sollte gerade verhindern, dass Aufgaben dringend werden.

Seine Zeit gut zu nutzen heißt aber auch, sich vom eigenen Perfektionismus zu verabschieden, lernen, auch mal „Nein“ zu sagen, regelmäßige Pausen einzuplanen und auf seinen Körper zu hören. Viele Zeitmanagement-Konzepte verweisen auf Entspannungstechniken, raten gar zum Nichtstun.

Prioritäten in puncto Pausen wusste übrigens auch Winston Churchill zu setzen. Dem britischen Premierminister war die Mittagsruhe heilig. Seine Mitarbeiter soll er angewiesen haben: „Unterbrechen Sie meinen Mittagsschlaf ausschließlich im Fall einer Krise. Wobei ich Krise definiere als bewaffnete Invasion der britischen Inseln.“

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