Auch Online-Lerner suchen Anschluss. Ob per E-Mail, in Foren oder als Chat - bei allen Vorteilen des selbstständigen Büffelns mit PC und Internet will doch kaum einer den Kontakt zu anderen Teilnehmern missen. Wer immer ganz allein an seinem Wissen arbeitet, tappt leicht in die Motivationsfalle - und dann steht schnell der gesamte Lernerfolg in Frage. Künftig werden sich viele Bildungshungrige sicher öfter in „virtuellen Klassenzimmern“ treffen. Ihr Vorteil: Anders als bei E-Mail und Co. sind E-Learning-Teilnehmer und Tutoren dann direkt und zur selben Zeit „zusammen“.

Direkter Kontakt fördert die Motivation

Während die „Lehrer“ die Lernenden dabei interaktiv betreuen können, haben die „Schüler“ die Möglichkeit, sich gleichzeitig mit allen anderen Teilnehmern auszutauschen. Bei den Weiterbildungs-Anbietern steht dieses zwar räumlich getrennte, dafür aber gemeinsame und synchrone Lernen ganz oben auf der Wunschliste. Nach einer Umfrage des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI) in Darmstadt ist das „virtuelle Klassenzimmer“ für 70 Prozent der Befragten besonders geeignet bei der Online-Lehre und ein guter Weg, die Motivation und damit den Erfolg dieser Lernform zu erhöhen. Dass es bislang nur von einem Drittel regelmäßig eingesetzt wird, zum Beispiel durch Audio-Videokonferenzen, führen die Darmstädter Forscher auf den damit verbundenen Aufwand zurück: Dieser sei sowohl technologisch und organisatorisch als auch finanziell und personell noch sehr hoch. „Eine synchrone Online-Zusammenarbeit ist also hocherwünscht, gegenwärtig ist es aber nicht einfach, sie mit einem vertretbaren Aufwand erfolgreich zu realisieren“, sagt Projektleiter Stefan Münzer vom IPSI.

Bislang dominieren E-Mails und Foren

Trotzdem planen der Umfrage zufolge 56 Prozent der Anbieter, das gemeinsame Online-Lernen künftig zu erweitern und dabei auch dem „virtuellen Klassenzimmer“ eine größere Rolle zu geben. Bislang werden vor allem Methoden genutzt, bei denen die Teilnehmer nur zeitlich versetzt (asynchron) kommunizieren können. So arbeiten 90 Prozent der Weiterbildungs-Institute mit Foren, 83 Prozent nutzen E-Mails. Dabei, so das IPSI, werden in den Foren hauptsächlich fachliche Diskussionen geführt, über die elektronische Post laufen zumeist die Administration und die Teilnehmerbetreuung. Zudem haben zwar 80 Prozent auch schon so genannte Chats eingeführt, in denen Fragerunden stattfinden oder die Teilnehmer untereinander diskutieren. Primäre Wissensvermittlung allerdings findet auf diesem Weg nicht statt.

Chat-Software bringt „Schüler“ zusammen

Das wollen die IPSI-Forscher ändern: Als Alternative für teure und störanfällige Videokonferenzsysteme beispielsweise setzen sie auf eine neue Chat-Software. Mit ihr sollen Kleingruppen künftig besser lernen können, sagt Münzer: Beispielsweise ermögliche die Software Rollenspiele mit vielen Übungen für Sprach- oder Kommunikationstrainings. Dabei weise sie den Teilnehmern unter anderem Rollen zu und stelle Anweisungen und Lernmaterial punktgenau zur Verfügung. So könnten letztlich alle profitieren - die Bildungsanbieter von zufriedeneren Teilnehmern, die Tutoren und Trainer von einer Arbeitsentlastung und die Teilnehmer vom höheren Lernerfolg. Und vielleicht wächst so auch noch, was ohnehin schon viele E-Learning-Experten beobachten - der Wunsch der Lernenden, sich ab und zu auch einmal persönlich gegenüber zu sitzen.

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