E-Gitarren-Startersets Test

Rockstars haben gemeinhin ein aufregendes Leben, ein gut gefülltes Konto und jede Menge schöner Frauen. Oder auch Männer. Drei Gründe schon, um eine Band zu gründen. Spätestens seit dem Erfolg von Tokio Hotel fragt sich wieder eine Generation von Teenagern, warum sie nicht selbst auf der Bühne steht. Auch wer nicht so weit kommt, hat vielleicht Spaß mit einer Gitarre. Im Test: 18 Sets aus E-Gitarre, Verstärker und Zubehör. Preis: etwa 100 bis 300 Euro. test.de sagt, ob sich das Taschengeld dafür lohnt.

Made in China

Sie heißen Fender Stratocaster und Gibson Les Paul: die Originale. Legendäre E-Gitarren der amerikanischen Gitarrenbauer Fender und Gibson. Seit über 50 Jahren rocken die Bands damit die Hallen. Von AC/DC bis Zappa. Eine Profigitarre aus Kalifornien oder Tennessee kostet mehrere tausend Dollar. Amateurgitarren sind billiger und schon für unter 1 000 Euro zu haben. Noch billiger sind die nachgebauten Stratocaster und Les Paul von anderen Anbietern. Die meisten Gitarren kommen heute aus China. Preis mit Verstärker: ab 90 Euro. Liefern die Billigsets nur schräge Töne oder auch saubere Riffs?

Test ohne Markenzeichen

Die Stiftung Warentest hat Probe gerockt. Sechs Gitarristen spielten die Gitarren im Test. Vom Anfänger bis zum Studiomusiker. Drei Experten beurteilten den Klang. Mit im Konzert: Die preisgünstigen Lizenzgitarren von Squier (Fender) und Epiphone (Gibson), bekannte Marken wie Ibanez und Yamaha, Supermarktsets von Lidl und Real und eine Original Fender Stratocaster – als Referenz. Damit die klangvollen Namen den Klang nicht beeinflussen konnten, klebten Testgroupies alle Markenzeichen ab. Die Gitarristen spielten markenblind, die Jury durfte hören, aber nicht sehen.

Marshall mit bestem Set

Das Ergebnis ist eindeutig: Ein bisschen Geld sollten angehende Rockstars schon anlegen, wenn Sie eine gute Gitarre spielen wollen. Testsieger ist das teuerste Set im Test: Marshall Rock-Kit Special All Black für rund 300 Euro. Qualitätsurteil gut, Note 2,0. Den besten Klang lieferte die echte Fender. Blind gespielt, wohlgemerkt. Neupreis allein für die Gitarre: etwa 1 800 Euro. Nah dran ist die Squier Affinity Strat, die preisgünstige Lizenzgitarre der Fendertochter Squier. Im Set mit Verstärker kostet sie nur 230 Euro. Ebenfalls gut sind die Stratocaster-Gitarren von Aria und Ibanez. Alle drei sind noch einen Hauch besser als die Gitarre aus dem Marshall-Set. Der Testsieger überzeugt aber mit guter Gitarre und gutem Verstärker. Einem der besten im Test.

Zu wenig Power für den Gig

Der Verstärker ist oft der Schwachpunkt im Set. Die geprüften Modelle haben alle nur 10 bis 15 Watt. Sie sind zwar erstaunlich laut, doch einige verzerren schnell. So macht die Schallleistung von zum Teil über 100 Dezibel wenig Sinn. Die guten Verstärker sind fürs Wohnzimmer ok. Ein Kopfhöreranschluss ist bei allen Modellen vorhanden. Der Testsieger von Marshall und der gute Verstärker von Tenson können sogar problemlos den Proberaum rocken. Wer auf die Bühne will, spielt aber besser mit Einzelkomponenten: Verstärker und Lautsprecherboxen. Bei den geprüften Combos steckt alles in einem Gerät. Einzelkomponenten bringen mehr Power. Allerdings gibt es auch größere Combos, die für den Auftritt taugen.

Stratocaster oder Les Paul

Die Wahl der Gitarrenform ist dagegen eine Frage des Geschmacks. Die meist verkaufte E-Gitarre ist wohl die Stratocaster. Das Lieblingsinstrument von Jimi Hendrix. Markenzeichen der Stratocaster: Ein flacher Körper, auf der Rückseite ergonomisch geformt, der Hals gerade angesetzt und die Kopfplatte charakteristisch angeschrägt mit sechs Mechaniken in einer Reihe. Anders die Les Paul: Sie ist der klassischen Gitarre nachempfunden, mit jeweils drei Mechaniken oben und unten an der Kopfplatte. Der Hals der Les Paul ist leicht abgewinkelt am Körper montiert – die Saiten liegen so etwas höher über der Decke. Eine klassische Bluesgitarre. Eric Clapton hat sie lange gespielt.

Bohren und sparen

Wer mit einer Les Paul beginnen will, ist mit der Epiphone Special II am besten bedient. Eine Lizenzgitarre der Originalmarke Gibson. Qualitätsurteil gut, Note 2,0 für die Gitarre. Ähnlich gut ist die Harley Benton SG. Einziger Nachteil: Die SG ist schlecht austariert. Der obere Gurtknopf sitzt so weit hinten im Korpusboden, dass sich die Gitarre im Stehen kaum spielen lässt. Die Tester bohrten ein neues Loch, schraubten den Gurtknopf oberhalb der Halsplatte ein und waren nun zufrieden. Wer die Mühe nicht scheut, spart durch die Bastelei etwa 100 Euro: Das Set von Epiphone kostet 279 Euro, das von Harley Benton nur 179 Euro. Außerdem hat Harley Benton den besseren Verstärker. Die Groupies jubelten ob der gelungenen Bastelei: Let there be Rock.

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