E-Book-Reader Test

Die Welt der elektronischen Bücher ist gespalten: in zwei Kopier­schutz­lager. Amazon Kindle Voyage und Tolino Vision 2 liegen jeweils an der Spitze.

Viele Leseratten möchten sie nicht mehr missen: E-Book-Reader fassen den Inhalt ganzer Bücher­schränke. Die Schrift­größe lässt sich nach Wunsch und Sehstärke einstellen. Ihre Bild­schirme sind – anders als bei Smartphones und Tablets – auch bei strahlendem Sonnen­schein bestens abzu­lesen. Doch wer sich ein solches Lesegerät zulegt, muss sich zwischen zwei Welten entscheiden. Zwei konkurrierende Kopier­schutz­systeme dominieren den Markt für elektronische Bücher. Die E-Reader verstehen jeweils nur eines davon.

Acht Geräte haben wir geprüft – zwei für Lese­stoff von Onlinehändler Amazon und sechs für den der Konkurrenz. Sie nutzt den Kopier­schutz des Software­unter­nehmens Adobe, wie Amazon ebenfalls mit Haupt­sitz in den USA. In beiden Lagern schafft je ein E-Book-Reader die beste test-Note: sehr gut. Der Kindle Voyage von Amazon schneidet am besten ab. Im Adobe-Lager liegt Tolino Vision 2 vorn, gefolgt von Kobo Aura H2O und Pocketbook Touch Lux 2.

Beste Hand­habung bei Amazon

Bei der Hand­habung sind die Kindle-Geräte spitze. Sie bieten eine gute Anleitung auf dem Gerät. Bedienmenü und die gespeicherten Bücher sind über­sicht­lich ange­ordnet. Der Umgang mit Lesezeichen, die Suche nach Wörtern im Buch, neue Bücher im vorinstallierten Shop finden, kaufen und laden – all das geht bei den Kindle-Readern noch etwas flüssiger und leichter von der Hand als bei den anderen Geräten.

Kindle-Reader in drei Preisklassen

Amazons Flaggschiff, der Kindle Voyage für 189 Euro, verfügt über ein besonders hoch­auflösendes, hintergrund­beleuchtetes Display. Eine güns­tige Alternative ist der etwas einfacher ausgestattete Testsieger des Vorjahrs, der Kindle Paperwhite. Amazon bietet ihn inzwischen für 99 Euro an Tabelle: Noch zu haben. Wer abends im Schein einer Lampe liest, kommt mit dem Einstiegs­modell ohne Hintergrund­beleuchtung, dem Kindle für 79 Euro, noch billiger davon. Die Ausgabe mit Werbeein­blendungen ist sogar schon für 59 Euro zu haben.

Im goldenen Käfig

Mit ihrer leichten Hand­habung lassen die Kindles den Leser fast vergessen, dass er mit einem hoch­komplexen Gerät hantiert. Doch die Sache funk­tioniert nur mit Büchern von Amazon – oder mit solchen ohne Kopier­schutz. Geschützte Dateien anderer Anbieter, auch aus öffent­lichen Biblio­theken, zeigen die Amazon-Reader nicht. Wer sich einen Kindle kauft, bindet sich fest an den Dienst von Amazon. Er kann zwar aus einem Riesen­angebot wählen, muss aber immer den gleichen Laden besuchen.

Tolino eifert Amazon nach

Wem das nicht behagt, der hat die Wahl zwischen etlichen anderen E-Book-Portalen. Die meisten nutzen den Kopier­schutz von Adobe. Einige deutsche Anbieter, darunter Bertels­mann, Bücher.de, eBook.de, Hugendubel, Thalia und Welt­bild haben sich mit der Telekom zur Tolino-Allianz zusammen­geschlossen. Ihr Tolino Vision 2 für 129 Euro kommt den Kindles in der Hand­habung am nächsten. Amazons E-Bücher darstellen kann er aber so wenig, wie ein Kindle Adobe-geschützte Bücher zeigt.

Wasser­schutz bei Kobo und Tolino

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Wasser­fest. Kobo Aura H2O und Tolino Vision 2 über­stehen den halb­stündigen Tauchtest problemlos.

Eine Besonderheit teilt der Tolino mit dem Kobo Aura H2O: Beide sind wasser­geschützt. Einen halb­stündigen Tauchtest in ein Meter tiefem Wasser über­stehen sie problemlos. Das senkt die Hemm­schwelle, sie auch mal in die Badewanne oder an den Badesee mitzunehmen. Der Kobo glänzt zudem mit einem sehr hoch­auflösenden Display, dessen Hintergrund noch etwas weißer wirkt als bei der Konkurrenz.

Die beiden Pocketbook-Geräte haben eine praktische Funk­tion mit den Kindles gemein­sam: Sie können Bücher auch per E-Mail empfangen. Dafür hat jedes Gerät eine eigene Mail-Adresse. An die kann der Nutzer eine Buch­datei als Anhang versenden. Ist der Reader per WLan-Funk mit dem Internet verbunden, landet der Text auto­matisch auf dem Gerät. Das ist praktisch, um eigene Manuskripte oder andere Texte ans Lesegerät zu schi­cken. Auch können die Pocketbooks Dateien über den beliebten Online-Speicher­dienst Dropbox laden.

Doch das größere Pocketbook Inkpad reagiert eher lang­sam und ist wegen seines Gewichts und seiner Bauform nur schwer mit einer Hand zu bedienen – besonders für Links­händer. Tasten zum Umblättern befinden sich nur auf der rechten Seite.

Zwei Androiden machen Hoff­nung

Die beiden Geräte des nieder­ländischen Anbieters Icarus hätten das Zeug dazu, die Grenze zwischen den Kopier­schutz­welten etwas durch­lässiger zu machen. Wie die meisten unterstützen sie von Haus aus nur den Adobe-Schutz. Doch nutzen sie Googles Android-Betriebs­system, das auch auf Smartphones und Tablets läuft. Das offene System erlaubt es, Programme nach­zuladen. So könnte der Nutzer die Lese-App von Amazon installieren und damit Bücher aus beiden Welten auf einem Gerät vereinen.

Nicht mit den Fingern zu bedienen

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Unpraktisch. Der Icarus Excel braucht einen Eingabestift – und hat nicht mal eine Halterung dafür.

Unpraktisch. Der Icarus Excel braucht einen Eingabestift – und hat nicht mal eine Halterung dafür.

In der Praxis taugt das eher nur als Notlösung. Der Google Play Store, aus dem Android-Nutzer ihre Software am leichtesten beziehen, ist nur auf dem Größeren installiert, dem Icarus Excel. Doch dieses Gerät ist schwer, unhand­lich und 320 Euro teuer. Zudem lässt sich sein Touchs­creen als einziger nicht mit den Fingern, sondern nur mit einem mitgelieferten Eingabestift bedienen. Der kann leicht verloren­gehen, der Reader bringt keine Halterung dafür mit.

Den hand­licheren Icarus Illumina liefert der Hersteller ohne Google Play Store aus. Um die Kindle-App aufzuspielen, müsste der Nutzer sich die Installations­datei beschaffen und das Programm von Hand installieren. Das ist eher etwas für Android-Experten als für Bücherwürmer.

Kopier­schutz bremst E-Book-Spaß

Anstatt das Problem zu lösen, unter­streichen solche Notlösungen: Die Kopierschützerei verkompliziert Leben und Lesen. Schöner wäre es, wenn der Kopier­schutz fiele. Dann könnte jeder Leser frei zwischen allen Buch­läden und Lesegeräten wechseln.

Bisher ist das legale Angebot an E-Books ohne Kopier­schutz noch sehr über­schaubar. Der Verlag Bastei Lübbe vertreibt seine Schmöker unver­schlüsselt. Und Klassiker, deren Autoren schon so lange tot sind, dass das Urheberrecht erloschen ist, sind zum Beispiel beim Project Guten­berg (www.gutenberg.org) ebenfalls frei verfügbar. Für aktuelle Bestseller muss sich der Leser dagegen weiter für eine der Kopier­schutz­welten entscheiden.

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