
Die Welt der elektronischen Bücher ist gespalten: in zwei Kopierschutzlager. Amazon Kindle Voyage und Tolino Vision 2 liegen jeweils an der Spitze. Hier finden Sie die Testergebnisse E-Book-Reader. In den anhängenden PDF finden Sie auch noch Test aus älteren Jahrgängen. Spannend: Der Testbericht aus dem Jahr 2017 zeigt Ihnen, wie sie am bequemsten an den Lesestoff kommen und wo Bücher für den E-Book-Reader sogar gratis sind.
E-Book-Reader – ein ganzer Bücherschrank im kleinen Gerät
Viele Leseratten möchten sie nicht mehr missen: E-Book-Reader fassen den Inhalt ganzer Bücherschränke. Die Schriftgröße lässt sich nach Wunsch und Sehstärke einstellen. Ihre Bildschirme sind – anders als bei Smartphones und Tablets – auch bei strahlendem Sonnenschein bestens abzulesen. Doch wer sich ein solches Lesegerät zulegt, muss sich zwischen zwei Welten entscheiden. Zwei konkurrierende Kopierschutzsysteme dominieren den Markt für elektronische Bücher. Die E-Reader verstehen jeweils nur eines davon.
Acht Geräte haben wir geprüft – zwei für Lesestoff von Onlinehändler Amazon und sechs für den der Konkurrenz. Sie nutzt den Kopierschutz des Softwareunternehmens Adobe, wie Amazon ebenfalls mit Hauptsitz in den USA. In beiden Lagern schafft je ein E-Book-Reader die beste test-Note: sehr gut. Der Kindle Voyage von Amazon schneidet am besten ab. Im Adobe-Lager liegt Tolino Vision 2 vorn, gefolgt von Kobo Aura H2O und Pocketbook Touch Lux 2.
Beste Handhabung bei Amazon
Bei der Handhabung sind die Kindle-Geräte spitze. Sie bieten eine gute Anleitung auf dem Gerät. Bedienmenü und die gespeicherten Bücher sind übersichtlich angeordnet. Der Umgang mit Lesezeichen, die Suche nach Wörtern im Buch, neue Bücher im vorinstallierten Shop finden, kaufen und laden – all das geht bei den Kindle-Readern noch etwas flüssiger und leichter von der Hand als bei den anderen Geräten.
Kindle-Reader in drei Preisklassen
Amazons Flaggschiff, der Kindle Voyage für 189 Euro, verfügt über ein besonders hochauflösendes, hintergrundbeleuchtetes Display. Eine günstige Alternative ist der etwas einfacher ausgestattete Testsieger des Vorjahrs, der Kindle Paperwhite. Amazon bietet ihn inzwischen für 99 Euro an Tabelle: Noch zu haben. Wer abends im Schein einer Lampe liest, kommt mit dem Einstiegsmodell ohne Hintergrundbeleuchtung, dem Kindle für 79 Euro, noch billiger davon. Die Ausgabe mit Werbeeinblendungen ist sogar schon für 59 Euro zu haben.
Im goldenen Käfig
Mit ihrer leichten Handhabung lassen die Kindles den Leser fast vergessen, dass er mit einem hochkomplexen Gerät hantiert. Doch die Sache funktioniert nur mit Büchern von Amazon – oder mit solchen ohne Kopierschutz. Geschützte Dateien anderer Anbieter, auch aus öffentlichen Bibliotheken, zeigen die Amazon-Reader nicht. Wer sich einen Kindle kauft, bindet sich fest an den Dienst von Amazon. Er kann zwar aus einem Riesenangebot wählen, muss aber immer den gleichen Laden besuchen.
Tolino eifert Amazon nach
Wem das nicht behagt, der hat die Wahl zwischen etlichen anderen E-Book-Portalen. Die meisten nutzen den Kopierschutz von Adobe. Einige deutsche Anbieter, darunter Bertelsmann, Bücher.de, eBook.de, Hugendubel, Thalia und Weltbild haben sich mit der Telekom zur Tolino-Allianz zusammengeschlossen. Ihr Tolino Vision 2 für 129 Euro kommt den Kindles in der Handhabung am nächsten. Amazons E-Bücher darstellen kann er aber so wenig, wie ein Kindle Adobe-geschützte Bücher zeigt.
Wasserschutz bei Kobo und Tolino

Wasserfest. Kobo Aura H2O und Tolino Vision 2 überstehen den halbstündigen Tauchtest problemlos.
Wasserfest. Kobo Aura H2O und Tolino Vision 2 überstehen den halbstündigen Tauchtest problemlos.
Eine Besonderheit teilt der Tolino mit dem Kobo Aura H2O: Beide sind wassergeschützt. Einen halbstündigen Tauchtest in ein Meter tiefem Wasser überstehen sie problemlos. Das senkt die Hemmschwelle, sie auch mal in die Badewanne oder an den Badesee mitzunehmen. Der Kobo glänzt zudem mit einem sehr hochauflösenden Display, dessen Hintergrund noch etwas weißer wirkt als bei der Konkurrenz.
Die beiden Pocketbook-Geräte haben eine praktische Funktion mit den Kindles gemeinsam: Sie können Bücher auch per E-Mail empfangen. Dafür hat jedes Gerät eine eigene Mail-Adresse. An die kann der Nutzer eine Buchdatei als Anhang versenden. Ist der Reader per WLan-Funk mit dem Internet verbunden, landet der Text automatisch auf dem Gerät. Das ist praktisch, um eigene Manuskripte oder andere Texte ans Lesegerät zu schicken. Auch können die Pocketbooks Dateien über den beliebten Online-Speicherdienst Dropbox laden.
Doch das größere Pocketbook Inkpad reagiert eher langsam und ist wegen seines Gewichts und seiner Bauform nur schwer mit einer Hand zu bedienen – besonders für Linkshänder. Tasten zum Umblättern befinden sich nur auf der rechten Seite.
Zwei Androiden machen Hoffnung
Die beiden Geräte des niederländischen Anbieters Icarus hätten das Zeug dazu, die Grenze zwischen den Kopierschutzwelten etwas durchlässiger zu machen. Wie die meisten unterstützen sie von Haus aus nur den Adobe-Schutz. Doch nutzen sie Googles Android-Betriebssystem, das auch auf Smartphones und Tablets läuft. Das offene System erlaubt es, Programme nachzuladen. So könnte der Nutzer die Lese-App von Amazon installieren und damit Bücher aus beiden Welten auf einem Gerät vereinen.
Nicht mit den Fingern zu bedienen

Unpraktisch. Der Icarus Excel braucht einen Eingabestift – und hat nicht mal eine Halterung dafür.
Unpraktisch. Der Icarus Excel braucht einen Eingabestift – und hat nicht mal eine Halterung dafür.
In der Praxis taugt das eher nur als Notlösung. Der Google Play Store, aus dem Android-Nutzer ihre Software am leichtesten beziehen, ist nur auf dem Größeren installiert, dem Icarus Excel. Doch dieses Gerät ist schwer, unhandlich und 320 Euro teuer. Zudem lässt sich sein Touchscreen als einziger nicht mit den Fingern, sondern nur mit einem mitgelieferten Eingabestift bedienen. Der kann leicht verlorengehen, der Reader bringt keine Halterung dafür mit.
Den handlicheren Icarus Illumina liefert der Hersteller ohne Google Play Store aus. Um die Kindle-App aufzuspielen, müsste der Nutzer sich die Installationsdatei beschaffen und das Programm von Hand installieren. Das ist eher etwas für Android-Experten als für Bücherwürmer.
Kopierschutz bremst E-Book-Spaß
Anstatt das Problem zu lösen, unterstreichen solche Notlösungen: Die Kopierschützerei verkompliziert Leben und Lesen. Schöner wäre es, wenn der Kopierschutz fiele. Dann könnte jeder Leser frei zwischen allen Buchläden und Lesegeräten wechseln.
Bisher ist das legale Angebot an E-Books ohne Kopierschutz noch sehr überschaubar. Der Verlag Bastei Lübbe vertreibt seine Schmöker unverschlüsselt. Und Klassiker, deren Autoren schon so lange tot sind, dass das Urheberrecht erloschen ist, sind zum Beispiel beim Project Gutenberg (www.gutenberg.org) ebenfalls frei verfügbar. Für aktuelle Bestseller muss sich der Leser dagegen weiter für eine der Kopierschutzwelten entscheiden.

