E-Book-Reader Tolino Shine Schnelltest

Der Tolino Shine.

Der Tolino Shine lässt sich über einen Touchs­creen steuern. Der Text stammt übrigens aus „Die Verwandlung“ von Franz Kafka.

Für den neuen E-Book-Reader „Tolino Shine“ sind die konkurrierenden deutschen Buch­handels­ketten Thalia, Welt­bild, Hugendubel und Club Bertels­mann eine Allianz einge­gangen. Sie wollen dem Platz­hirsch Amazon den wachsenden Markt der elektronischen Bücher (E-Books) nicht über­lassen. Deshalb bieten sie gemein­sam mit der Deutschen Telekom einen E-Reader an. Kampf­preis: 99 Euro. Ob der Tolino Shine dem Kindle von Amazon tatsäch­lich gefähr­lich werden kann, hat test.de im Schnell­test geprüft.

Reibungs­loser Start

Der Tolino Shine hat ein schlichtes, recht ansprechendes Design und wird über einen berührungs­empfindlichen Monitor (Touchs­creen) gesteuert. Auf dem E-Book-Reader kann der Nutzer elektronische Bücher, Zeitungen und Magazine lesen. Mit 185 Gramm ist er sehr leicht. Zu dem Gerät erhält der Käufer eine knappe, gut verständliche Kurz­anleitung. Eine umfassendere elektronische Anleitung befindet sich auf dem E-Reader. Durch das Anlegen eines Nutzer­kontos lässt sich das Gerät schnell einrichten. Besonders wenn der Nutzer seine Bücher im vorinstallierten elektronischen Buch­shop kauft. Thalia, Welt­bild, Hugendubel, Club Bertels­mann und die Deutsche Telekom haben jeweils einen eigenen Shop. Auf dem Tolino ist der Shop des Anbieters vorinstalliert, bei dem der E-Reader gekauft wurde. Die Anbieter versprechen eine Auswahl aus über 300 000 deutsch­sprachigen Buch­titeln.

Üppige Auswahl

Der große Vorteil des Tolinos ist sein offenes System: Nutzer sind damit – anders als mit dem Kindle – frei, ihre E-Books bei allen Buch­portalen zu kaufen. Nur bei Amazon nicht, dessen E-Books ausschließ­lich auf dem Kindle zu lesen sind. Tolino-Nutzer können sogar in öffent­lichen Biblio­theken E-Books ausleihen. Allerdings zeigt der Tolino nur Inhalte in den Dateiformaten PDF, TXT oder EPUB an. Die meisten anderen Geräte unterstützen mehr Formate. 2,15 Gigabyte fasst der Speicher des Gerätes. Das ist Durch­schnitt im Vergleich mit anderen E-Readern. E-Books sind aber in der Regel nur wenige hundert Kilobyte groß, so dass trotzdem um die 2 000 Bücher auf dem E-Reader Platz haben. Erweiter­bar ist der Speicher um 32 Gigabyte mit einer microSD-Karte.

Störendes Flackern

Der Touchs­creen funk­tioniert gut. Mit 1024x758 Bild­punkten hat das Display einen hohen Kontrast. Die Schrift wird mithilfe der elektronischen Tinte E-Ink dargestellt, die für scharfe Konturen sorgt. Sowohl bei einer normalen Raumbe­leuchtung als auch bei Einstrahlung von Sonnenlicht ist der Text sehr gut zu erkennen. Lesen bei wenig Licht oder im Dunkeln ermöglicht die integrierte Beleuchtung. Stellt der Nutzer auf volle Helligkeit, leidet der Kontrast etwas. Beim Umblättern der Seiten sind ab und an, wie bei anderen E-Readern auch, leichte Schatten von voran­gegangenen Darstel­lungen sicht­bar. Laut Anbieter soll das bald verbessert werden, ein Software-Update ist für April angekündigt. Bei PDF-Dokumenten mit Grafiken baut der E-Reader das Bild manchmal block­weise flackernd auf und ist dann recht zögerlich. Sonst hat der Tolino für einen E-Reader eine gute Geschwindig­keit.

Bücher aus der Wolke

Für die tech­nische Betreuung sorgt die Deutsche Telekom mithilfe einer Cloud Cloud: Die Daten in der Wolke. Dort werden die in den Buch­shops der Tolino-Anbieter gekauften E-Books, E-Zeitungen und dergleichen abge­legt, damit der Nutzer jeder­zeit und auch unterwegs auf sie zugreifen kann. Vom Tolino aus funk­tionierte das im Test, jedoch erst, nachdem das System zuvor einen Verbindungs­fehler gemeldet hatte. Auch Smartphone oder Tablet können auf die Cloud-Inhalte zugreifen. Spezielle Lese-Apps für den Tolino gibt es aber noch nicht, der Nutzer muss auf Apps anderer Anbieter ausweichen.

Einfach Einkaufen

Der Einkauf im vorinstallierten Buch­shop gelingt per WLan leicht, wer bei einem anderen Anbieter kaufen möchte, sollte seinen PC und nicht den Browser des Tolinos nutzen. Wie bei den meisten E-Book-Readern ist sein Browser trotz Touchs­creen nicht sehr bedienfreundlich und zeigt keine Farben. Ohnehin lassen sich Bücher aus fremden Shops nicht ohne weiteres auf den E-Reader laden. Praktikabler dürfte in der Regel der Umweg über den Computer sein. Per USB-Kabel, das dem Tolino beiliegt, landen Bücher schließ­lich auf dem Lesegerät. Unterwegs – zum Beispiel in der Bahn – gestatten Hotspots der Telekom den kostenlosen Internet­zugriff.

Magere Zusatz­funk­tionen

Noch mangelt es dem Tolino an vielen nützlichen Zusatz­funk­tionen, die andere E-Reader besitzen: Das Markieren von Text­passagen ist ebenso wenig möglich wie Notizen schreiben, ein Wörter­buch zu Rate ziehen oder die Bücher dank Lagesensor im Querformat lesen. In der Biblio­thek des Geräts kann der Nutzer seine Bücher lediglich nach Aktualität, Titel, Autor oder „zuletzt hinzugefügt“ ordnen. Eine individuelle Zusammen­stellung, wie zum Beispiel nach Lieblings­autoren, bietet der Tolino nicht. Immerhin gibt es sieben Schrift­größen und sechs Schrift­arten zur Auswahl, in denen der Text dargestellt werden kann.

Langer Lesespaß

Sehr gut hält der Akku des E-Book-Readers durch: Bei mitt­lerer Beleuchtung und einer täglichen Nutzung von zwei Stunden reicht er ganze 28 Tage. Der Kindle Paperwhite schafft noch drei Tage mehr. Im Vergleich mit anderen E-Readern liegen beide weit vorn. Allerdings erreicht der Tolino die in der Werbung versprochenen 7 Wochen Akku­lauf­zeit nicht annähernd.

[Korrekturhin­weis 25.3.2013]: In einer früheren Fassung des Schnell­tests haben wir geschrieben, dass sich Bücher aus fremden Shops nicht direkt auf den E-Reader laden lassen. Tatsäch­lich geht das – allerdings mit hohem Aufwand für den Nutzer.

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