E-Book-Portale Test

Kaufen am PC, lesen auf dem Reader. Besonders bequem findet das Buch seinen Weg drahtlos auf das Lesegerät.

E-Books sind praktisch: Sie nehmen keinen Platz weg und sind jeder­zeit verfügbar. Doch im großen Test von zehn E-Book-Portalen schneidet kein einziges gut ab. Markt­führer Amazon punktet zwar mit großem Sortiment und komfort­ablen Einkaufs­möglich­keiten, bringt sich aber mit sehr deutlichen Mängeln beim Klein­gedruckten um den Testsieg. Andere bieten zu wenig Bücher. Alle nerven mit Kopier­schutz, keiner über­zeugt beim Umgang mit Nutzer­daten.

Lücken im digitalen Sortiment

Jeder fünfte Verbraucher in Deutsch­land – 21 Prozent – liest einer Umfrage zufolge heute bereits elektronische Bücher. Weitere 27 Prozent der Verbraucher könnten sich vorstellen, in Zukunft E-Books zu lesen. Das hat eine repräsentative Unter­suchung des IT-Branchen­verbandes Bitkom kürzlich ergeben. Ein Grund mehr, sich den Markt der E-Book-Portale einmal genauer anzu­sehen. Der Test der Stiftung Warentest zeigt: Aktuelle Bestseller von Star-Autoren sind bei allen getesteten Anbietern in der Regel auch als E-Book verfügbar. Doch bei älteren Titeln von weniger massen­wirk­samen Autoren wird das Angebot schnell dünn. Dabei zeigen sich klare Unterschiede zwischen den einzelnen Portalen. Das breiteste Sortiment führen Apple und Amazon. Am dürftigsten ist das Angebot bei Google und Kobo. Preis­unterschiede gibt es nicht: Händler und Verlage wenden die deutsche Buch­preisbindung auch auf digitale Bücher an.

E-Book-Portale: Der beste Weg zum digitalen Lesespaß – Chatten Sie mit den Experten der Stiftung Warentest

Geschlossene Systeme von Apple und Amazon

Bei einem gedruckten Buch macht es keinen großen Unterschied, wo man es gekauft hat. Anders bei E-Books: Hier unterscheiden sich die Nutzungs­möglich­keiten je nach Anbieter. Am stärksten schränkt Apple ihren Nutzen ein: E-Books von Apple lassen sich ausschließ­lich auf Apples iPad, iPhone und iPod Touch darstellen, nicht auf PC, Android-Tablets oder einem E-Book-Reader. Auch Amazon setzt auf ein geschlossenes System mit eigenem Kopier­schutz. Doch ist der goldene Käfig hier weit geräumiger als bei Apple: Amazon hat den besten E-Book-Reader im letzten Test von E-Book-Readern und bietet Lesesoftware für PC, Tablets und Smartphones der gängigsten Betriebs­systeme. Außerdem zeigt der Test: Bei keinem anderen Anbieter klappt die Verwaltung und Synchronisation mehrerer Lesegeräte so bequem wie bei Amazon.

Auch nicht so viel offener mit Adobe-Kopier­schutz

Alle übrigen Anbieter nutzen den Kopier­schutz von Adobe. So können ihre Nutzer flexibler zwischen Anbietern wechseln oder Bücher aus unterschiedlichen Portalen auf einem Gerät lesen. Doch dieser Vorteil verliert an Bedeutung, sobald der Nutzer Komfort­funk­tionen wie die Synchronisation des Lese­standes zwischen verschiedenen Geräten nutzen will – sie funk­tionieren auch hier nur zwischen den Apps und Readern des jeweiligen Portals: Den unmittel­baren Zugriff auf den Shop von Buecher.de bietet nur der Tolino-Reader von Buecher.de. Und den aktuellen Lese­stand eines Buchs von Welt­bild synchronisiert nur ein Tolino von Welt­bild.

Unklarheiten beim Umgang mit Nutzer­daten

Ein trauriges Bild geben die Portale beim Umgang mit den Nutzer­daten ab. Die Daten­schutz­erklärungen sind wort­reich, aber oft schwer verständlich. Ihr Inhalt ist bei keinem wirk­lich befriedigend. So schließt kein Anbieter eindeutig aus, Nutzer­daten für Werbung und andere Zwecke zu verwenden oder an Dritte weiterzugeben. Zwiespältig ist das Ergebnis beim Daten­schutz der Apps: Etliche senden eine eindeutige Gerätekennung an ihren Anbieter. Das bewerten wir als kritisch. Doch immerhin über­trägt keine App sicher­heits­relevanten Nutzer­daten ohne Verschlüsselung.

Mängel in den Geschäfts­bedingungen

Bei den Allgemeinen Geschäfts­bedingungen zeigt sich eine interes­sante Trennung: Die Portale mit Sitz in Deutsch­land haben hier allenfalls geringe Mängel. Von den fünf interna­tionalen Anbietern leistet sich dagegen nur einer Geschäfts­bedingungen, die deutschen Rechts­normen weitest­gehend entsprechen. Die AGB der anderen vier weisen dagegen deutliche oder sehr deutliche Mängel auf. Markt­führer Amazon bringt sich damit um den Testsieg. Statt­dessen teilen sich zwei deutsche Anbieter den ersten Platz.

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