E-Bikes Meldung

25 km/h mit dem Pedelec sind nicht schnell genug? Im Internet gibt es Tuninggeräte oft schon für unter 80 Euro. Sie machen das kleine E-Bike zum schnellen Flitzer. Der Motor schaltet dann nicht mehr bei 25 km/h ab, sondern powert weiter bis 50 km/h. Mit einigen Geräten sind sogar noch höhere Geschwindig­keiten drin. Doch wer diese Technik nutzt, riskiert den finanziellen Ruin.

Tuning-Technik ist schnell montiert

Ein Pedelec zu frisieren ist kinder­leicht: Eine kleine Box, etwa so groß wie eine Streich­holz­schachtel, wird einfach auf den Geschwindig­keits­sensor an der Ketten­strebe gesteckt. Alternativ gibt es so genannte Dongles. Hier wird ein winziges Kabel-Kit mit einem Klinken­anschluss an den Geschwindig­keits­sensor ange­schlossen, an den Anschluss kommt dann der Dongle. Das Ganze schafft auch ein Laie inner­halb von zehn Minuten. Anschließend verschiebt man noch ein wenig den Speichen­magneten – schon ist das Tuning komplett. Der Dongle kann jeder­zeit einfach wieder abge­zogen werden.

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Tempo auf dem Tacho wird halbiert

Angeboten werden diese Tuninggeräte in erster Linie für Elektrofahr­räder, bei denen die Motor­unterstüt­zung bis Tempo 25 reicht, so genannte Pedelecs. Danach schaltet der Motor aus. Wer schneller fahren will, kann das nur mit reiner Muskel­kraft oder bergab. Die Tuninggeräte gaukeln der Elektronik des Pedelecs dann vor, es werde nur halb so schnell bewegt. Ab etwa 16 oder 18 km/h – je nach Radumfang – zeigt der Tacho nur noch den halben Wert an. Der Motor arbeitet dann wie gewohnt weiter, bis 25 km/h auf dem Tacho stehen. Tatsäch­lich fährt das Rad dann aber schon Tempo 50. Geübte Radler können auf diese Weise eine Dauer­geschwindig­keit von 35 bis 40 Stundenkilo­metern erreichen.

Aus dem Fahr­rad wird ein Kraft­fahr­zeug

Doch wer sein Elektrorad auf dieses Weise verändert, geht volles Risiko – nicht nur, weil die Unfall­gefahr steigt. Viel schlimmer ist, das damit aus einem Pedelec, das laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung als normales Fahr­rad gilt, mit dem Tuning ein Kraft­fahr­zeug wird. Weil die Motor­unterstüt­zung über die 25 km/h-Grenze hinaus­geht, verlangt das Pflicht­versicherungs­gesetz eine spezielle Haft­pflicht­versicherung – wie das Mofa-Versicherungs­kenn­zeichen. Ein Verstoß gegen diese Vorschrift ist eine Straftat. Es drohen hohe Geld­strafen oder sechs Monate Gefäng­nis. Außerdem kann das Fahr­rad einge­zogen werden. Und: Für Kraft­räder mit diesen Geschwindig­keiten gilt die bußgeldbewehrte Helm­pflicht.

Die Haft­pflicht­versicherung zahlt nicht

Am gefähr­lichsten ist der fehlende Versicherungs­schutz. Handels­übliche Pedelecs sind in vielen Privathaft­pflicht­versicherungen auto­matisch mitversichert (zum Vergleich Haftpflichtversicherung und zum Vergleich von E-Bike-Versicherungen). Beim Tuning gilt das aber nicht, da das getunte Elektrofahr­rad ein Kraft­fahr­zeug ist. Und für Kraft­fahr­zeuge sehen Privathaft­pflicht­policen ausdrück­lich eine Ausschluss­klausel vor. Sie sind nicht vom Versicherungs­schutz umfasst. Wer tunt, riskiert deshalb finanziell Kopf und Kragen: Passiert mit dem getunten Rad ein Unfall, können die Opfer all ihre Schäden direkt beim Fahrer geltend machen. Bei Personenschäden oder schweren Sach­schäden können das Millionen sein. Schlag­artig ist dann die finanzielle Existenz für immer zerstört.

Polizei sensibilisiert fürs Tunen

Es ist auch nicht mehr so, dass Tuning die Ausnahme ist und kaum entdeckt wird. Mitt­lerweile dürfte fast jeder Privathaft­pflicht­versicherer nach einem Unfall prüfen, ob das Rad frisiert war – weil er dann nicht zahlen muss. Auch die Polizei wird zunehmend für das Thema sensibilisiert. Selbst wenn das Tuninggerät äußerlich nicht sicht­bar im Motor­gehäuse verbaut ist, gibt es Anzeichen fürs Tunen – und das betrifft nicht nur die hohe Geschwindig­keit. Sogar wenn der Fahrer es schafft, vor einer Polizei­kontrolle noch schnell den Chip abzu­ziehen, muss er sich dafür bücken. Sehen die Polizisten das, liegt der Verdacht auf Tuning nahe. Eine Unter­suchung des Rades bringt den Sach­verhalt dann schnell zutage. Denn die Elektronik des Fahr­rads speichert die Daten wie ein Fahrten­schreiber. Schon das hinterlegte Durchschnitts­tempo kann Tuner entlarven.

Rahmen, Gabel, Lenker können brechen

Gefähr­lich ist das Ganze schließ­lich auch, weil die Räder eines klassischen Pedelecs für so hohe Geschwindig­keiten nicht ausgelegt sind. Das betrifft nicht nur die Bremsen, sondern vor allem Rahmen, Gabel, Lenker. Sie halten der Dauer­belastung, die weit höher ist als bei der Konstruktion geplant, nicht immer stand und brechen. Dann sind schwere Verletzungen kaum zu vermeiden. Dass mit dem Tuning sämtliche Gewähr­leistungs- und Garan­tie­ansprüche verloren gehen, liegt auf der Hand.

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