Durchlauf­er­hitzer im Test Test

Warm­wasser aus Strom ist mitunter sinn­voll, aber immer teuer. Moderne Durchlauf­er­hitzer arbeiten spar­samer als ältere Generationen – und komfort­abler.

Der Familien- oder Beziehungs­frieden wird in so manchem deutschen Haushalt durch einen empörten Schrei am Morgen gestört: „Ahhhh – ist das kalt! Mach sofort das Wasser aus! Ich dusche!“ Der Übel­täter in der Küche will gerade den Abwasch vom Vorabend erledigen. Es folgt eine kleinlaute Entschuldigung in Richtung Bad – oder feixendes Lachen, verbunden mit dem Spruch: „Das härtet ab!“

Derart kalt erwischt zu werden, kommt in den besten Familien vor. Wird durch Öffnen eines zweiten Hahnes Warm­wasser gezapft, sinkt oft die Wasser­temperatur unter der Dusche – ein Manko vor allem hydrau­lischer Durchlauf­er­hitzer. Ein weiterer Nachteil strom­betriebener Geräte, wie sie jeder dritte Haushalt nutzt: Sie verursachen sehr hohe Kosten.

Dennoch: So viel güns­tiger andere Geräte, etwa Gast­hermen, auch arbeiten mögen – in Häusern ohne Gasanschluss oder Solar­anlage auf dem Dach können Durchlauf­er­hitzer sinn­voll sein. Weil sie meist nahe an der Zapf­stelle hängen, kommt nach dem Aufdrehen schnell warmes Wasser aus dem Hahn – das bedeutet mehr Komfort. Wegen nied­riger Anschaffungs­kosten können sie sich sogar rechnen. Das gilt aber nur, wenn der Wasser­verbrauch sehr nied­rig ist – etwa in Ferien­wohnungen oder Garten­häuschen, die nicht jeden Tag genutzt werden.

Elf Durchlauf­er­hitzer haben unsere Prüfer getestet: acht elektronische, zwei voll­elektronische und, zum Vergleich ein typisches Modell mit herkömm­licher hydrau­lischer Technik. Dieses Gerät landet erwartungs­gemäß am Ende des Feldes. Es verbraucht am meisten Strom und reagiert am schlechtesten auf Druck- oder Durch­fluss­schwankungen. Über­rascht hat die Tester, dass sich die teuren voll­elektronischen Geräte beim Warm­wasser­komfort nicht vom Rest des Feldes absetzen konnten. Schon die preis­werten elektronischen Stan­dard­modelle schneiden gut ab.

Durchlauf­er­hitzer im Test Test

Drei Arten der Steuerung

Durchlauf­er­hitzer im Test Test

Fernbedienung. Voll­elektronische Geräte erlauben persönliche Programmierung.

Durchlauf­er­hitzer im Test Test

Temperaturregler. Elektronische Durchlauf­er­hitzer erledigen das Wesentliche.

Die schwierigste Aufgabe eines Durchlauf­er­hitzers ist es, Warmduscher so gut wie möglich vor einem Wechselbad der Temperaturen zu bewahren. Das Problem sind Druck­schwankungen in der Leitung. Sie treten vor allem auf, wenn jemand einen zweiten Hahn aufdreht und der Durchlauf­er­hitzer dadurch größere Wasser­mengen auf dieselbe Temperatur bringen muss.

Je nach Technik nutzen Durchlauf­er­hitzer unterschiedliche Methoden, um gleich­bleibend warmes Wasser zu erzeugen. Einfache hydrau­lisch gesteuerte Geräte erkennen mithilfe eines Druck­ventils, wenn mehr Wasser durch sie hindurch­fließt, und stellen auto­matisch eine höhere Heiz­stufe ein. Die Sensoren elektronischer Durchlauf­er­hitzer registrieren nicht nur, wie viel Wasser gerade fließt, sondern auch, mit welcher Temperatur es ins Gerät hinein­strömt. Voll­elektronisch geregelte Durchlauf­er­hitzer regulieren oben­drein, wie viel Wasser wieder heraus­fließt: Zapfen Nutzer im Haushalt mehr Warm­wasser ab, als das Gerät erhitzen kann, drosselt es den Durch­fluss. Diese Modelle kommen auch mit vorgewärmtem Wasser zurecht, zum Beispiel aus einer Solar­anlage.

Teuer heißt nicht besser

Durchlauf­er­hitzer im Test Test

Gegen Druck­abfall. Wasser­sparende Brauseköpfe schützen vor kalten Über­raschungen.

Die beiden voll­elektronischen Durchlauf­er­hitzer im Test sind zudem programmier­bar. Das bedeutet: Verschiedene Nutzer können über das Display oder die Fernbedienung ihre Wunsch­temperatur speichern und abrufen. Sogar Verläufe sind möglich, also Temperaturwechsel auf Bestellung. Diese Technik hat ihren Preis: Die Modelle von Stiebel Eltron und Vaillant kosten um die 900 Euro, mehr als das Dreifache der güns­tigen elektronischen.

Beim Warm­wasser­komfort schlägt sich der satte Aufpreis jedoch nicht nieder. Die voll­elektronischen Modelle schneiden nur in etwa so gut ab wie die drei besten elektronischen. Von diesen kostet der Clage nur rund 280 Euro; für diesen Preis bietet er guten Wasser­komfort. Das elektronische Stan­dard-Gerät von Vaillant für 450 Euro hält sogar dem Vergleich mit dem besten voll­elektronischen Gerät stand.

Den schlechtesten Schutz vor Temperatur­schocks bietet der billige Thermo­flow mit Schwankungen von mehr als sechs Grad. Das elektronische Modell ist in dieser Disziplin sogar schlechter als der mituntersuchte hydrau­lisch geregelte Wasser­erwärmer. Der Thermo­flow lässt Verbraucher zudem 20 Sekunden warten, bis die gewünschte Wasser­temperatur erreicht ist – die anderen Geräte brauchen meist zwischen 7 und 9 Sekunden. Problematisch ist beim Thermo­flow auch sein fehlender Verbrüh­schutz. Er erhitzt das Wasser auf bis zu 70 Grad. Nicht nur empfindliche Kinder­haut wäre damit gefährdet.

Strom treibt den Preis

Dass kein Durchlauf­er­hitzer ein gutes oder sehr gutes Qualitäts­urteil erhält, liegt vor allem an bescheidenen Umwelt­werten. Zwar haben alle einen hohen elektrischen Wirkungs­grad, da sie nur sehr wenig Wärme über Gerät und Leitung verlieren. Ihr Energieverbrauch ist jedoch enorm.

Die Strom­kosten zur Warm­wasser­bereitung für unseren Vier-Personen-Modell­haushalt liegen durchweg bei über 800 Euro im Jahr. Beim Thermo­flow kostet das Erwärmen sogar 900 Euro. Die 70 Euro Ersparnis beim Kauf gegen­über dem zweitgüns­tigsten Gerät zahlt man in etwas mehr als einem Jahr beim Strom wieder drauf.

Noch teurer im Unterhalt ist das hydrau­lische Modell: 955 Euro im Jahr kostet der Strom für das warme Wasser unseres Vier-Personen-Haus­halts. Wo noch ein solches Gerät hängt, kann sich der Austausch gegen einen elektronischen Durchlauf­er­hitzer nach knapp drei Jahren rechnen.

Schlechte Umwelt­bilanz

Besser für Konto­stand und Umwelt ist es meist, Durchlauf­er­hitzer durch gasbefeuerte Geräte zu ersetzen oder Solar­wärme zu nutzen, Systemvergleich. Wir haben Kosten und Kohlen­dioxid­emission für verschiedene Wege der Warm­wasser­bereitung verglichen und den geplanten Zuwachs erneuer­barer Energien im Strommix bereits berück­sichtigt.

Die Bilanz der Durchlauf­er­hitzer ist im Vergleich zu Gas und Solar­energie miserabel. Immerhin punkten die voll­elektronischen Geräte, weil sie ihre Heiz­leistung bei vorgewärmtem Wasser senken können. So kann etwa ein Solarspeicher gut genutzt werden: Er liefert Wasser so warm es die Sonne erlaubt. Der Durchlauf­er­hitzer heizt nur bei Bedarf noch zu.

Dieser Artikel ist hilfreich. 75 Nutzer finden das hilfreich.