Dunstabzugshauben Test

Rein technisch ist der Dunstabzug ein ziemlich simples Gerät. Verkleidet mit Edelstahl und Glas wird er zum ästhetischen Designobjekt, das locker mehr als 1 000 Euro kosten kann. Doch nicht alles, was schön aussieht, funktioniert auch gut.

Dicke Luft muss nicht sein – jedenfalls nicht in der Küche. Kommt der Herd unter die Haube, haben lästige Gerüche und hartnäckige Schmierfilme aus Feuchtigkeit, Fett und Staub wenig Chance, sich breit zu machen. Der Mief von längst verdauten Mahlzeiten kann natürlich auch durchs geöffnete Fenster abziehen. Doch damit verpufft zumindest im Winter viel teuer aufgeheizte Luft nach draußen.

Besser ist es, die Fett- und Geruchsschwaden gleich beim Kochen zu killen – mit einer Dunstabzugshaube. Welche dabei infrage kommt, hängt in erster Linie von den Montagemöglichkeiten in der Küche ab und natürlich vom Geldbeutel. Am einfachsten lassen sich Unterbaugeräte installieren. Die hängen entweder „nackt“ an der Wand oder unter einem Oberschrank. Das ist eine vergleichsweise billige Variante. Die acht Unterbauhauben dieses Tests, alle 60 Zentimeter breit, sind zwischen 90 und 260 Euro zu haben. Doch von prima Klima kann bei ihnen keine Rede sein. Für dieses Geld und diese Geräte gibt es bestenfalls mittelmäßige Qualität. Fünfmal „befriedigend“ und dreimal „ausreichend“ hieß es für die Unterbauhauben am Schluss.

Edel kommt teurer

Dunstabzugshauben Test

Verfettet: Wasser und Maiskeimöl tropfen in einen heißen Topf und verdampfen. Derweil läuft die Haube bei maximaler Einstellung. So wird geprüft, wie viel Fett im Filter hängen bleibt.

Viel ansehnlicher sind frei hängende Kaminhauben aus Edelstahl, Glas oder Materialkombinationen. Sie heißen so, weil sie die Form eines Kamins haben. Das Abzugsrohr bis zur Wand wird mit einer zum Gerät passenden Verblendung verkleidet. Das bietet den Designern viele Gestaltungsmöglichkeiten und freut das Auge des Benutzers, aber nicht sein Portmonee. Die meisten der getesteten Kaminhauben kosten ab 350 Euro aufwärts, die teuersten sogar mehr als 1 000 Euro. Nur die schlichteren Modelle von Neckermann/Lloyds und Respekta liegen mit 255 beziehungsweise 185 Euro deutlich darunter. Alle Kaminhauben sind übrigens 90 Zentimeter breit.

Wer nun meint, die teure Eleganz über den Kochstellen gehe auch mit überragender Qualität einher, der irrt. Nur 5 der 18 Kaminhauben erhielten abschließend das test-Qualitätsurteil „gut“. Das Gros war „befriedigend“, sieben schnitten sogar nur „ausreichend“ ab, darunter auch Zanussi ZHC 917 X3. Dieses italienische Modell mit flachem Glasschirm und rundem Abzug ist mit 1 330 Euro die teuerste Haube im Test, aber bei der Fett- und Geruchsbeseitigung nicht besser als etliche deutlich billigere Geräte.

Umluft einfacher

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Verduftet: Ein Gemisch aus Wasser und Aromastoffen verdampft 30 Minuten lang aus einem auf 170 Grad aufgeheizten Topf. Dann wird festgestellt, wie viel Geruch die Ablufthaube beseitigt hat.

Alle geprüften Hauben lassen sich wahlweise als Umluft- oder Abluftgerät anschließen. Umluft ist immer dann angezeigt, wenn die Kochschwaden nicht ins Freie abziehen können. Die Luft wird lediglich umgewälzt und dabei erst über einen Fett- und danach über einen Geruchsfilter aus Aktivkohle geführt. Der dann von Fett- und Aromastoffen befreite Dunst kommt durch die Ausblasöffnung zurück in die Küche. Die Fettfilter sind heutzutage üb­licherweise aus Metall und wiederverwendbar. Nur das Unterbaugerät Zanussi ZHT 610 W, mit knapp 90 Euro die billigste Haube im Test, ist von Hause aus noch mit einem Vliesfilter versehen, der in regelmäßigen Abständen durch einen neuen ersetzt werden muss. Wer sich das ersparen will, kann für etwa 56 Euro einen Metalldauerfilter nachkaufen.

Damit dieses System möglichst effektiv arbeitet, muss der Benutzer die Dauerfilter aus Metall regelmäßig vom Fett befreien, am besten im Geschirrspüler. Und er muss die Kohlekassette komplett erneuern, je nach Kochgewohnheit alle sechs bis zwölf Monate. Das geht ganz schön ins Geld, denn die Geruchsfilter schlagen mit bis zu 60 Euro zu Buche. Billiger wird es bei AEG 8390 und Whirlpool AKR 928. Deren Geruchsfilter lassen sich in der Spülmaschine auswaschen und anschließend im Herd trocknen und somit wieder aktivieren. Nur alle drei Jahre ist für sie eine neue Aktivkohle fällig.

Abluft besser

Dunstabzugshauben Test

Nur wenn die Luft gleich ins Freie oder in einen Luftschacht strömen kann, ist Abluftbetrieb möglich.

Wer die Möglichkeit hat, die Küchenluft problemlos nach draußen zu befördern, sollte die Dunstabzugshaube als Abluftgerät installieren. Dabei saugt der Ventilator die Kochschwaden an und führt sie über den Metallfilter, an dem die Fettpartikel kleben bleiben können. Die Geruchsstoffe entweichen mitsamt der nun hoffentlich fettfreien Luft über eine Abluftleitung durch die Außenwand direkt ins Freie oder über einen Luftschacht nach draußen. Der teure Aktivkohlefilter ist bei dieser Konstruktion überflüssig.

Allerdings ist Abluftbetrieb nicht überall gefahrlos zu verwirklichen. Sollen die Kochschwaden durch einen stillgelegten Kamin abziehen, muss der Schornsteinfeger prüfen, ob das ohne Risiken möglich ist. Probleme gibt es auch dann, wenn sich in der Wohnung eine Gasetagenheizung, ein Gasdurchlauferhitzer, Öl- oder Kohleofen oder ein Kamin (so genannte offene, raumluftabhängige Feuerstellen) befinden. Die in Deutschland geltende Feuerstättenverordnung erlaubt Abluftbetrieb nur dann, wenn genügend Frischluft zugeführt wird.

Die Dunstabzugshaube hat nämlich einen derart starken Sog, dass ein gefährlicher Unterdruck entstehen kann, der der anderen Feuerstelle den nötigen Sauerstoff entzieht. Giftige Abgase könnten dann in die Küche gelangen.

Zwar ist es möglich, für ausreichend Frischluftzufuhr zu sorgen. Das kann aber nur ein Fachmann vor Ort beurteilen und berechnen. Meist müssen dann allerdings sehr aufwendige Lüftungskonzepte herhalten, was letztendlich teurer ist als der Umluftbetrieb.

Der Abzug nach draußen hat neben der Ersparnis des Geruchsfilters einen weiteren großen Vorteil: Im Abluftbetrieb arbeiten die Hauben meist effektiver. Alle Geräte erzielten bei der Geruchsbeseitigung mit Abluft „gute“ Resultate. Im Umluftbetrieb gelang das nur der Bosch-Unterbauhaube DHU 632 U und dem baugleichen Siemens-Modell. Ihr Aktivkohlefilter schluckte 86 Prozent der im Prüfraum verdampften „Stinkbomben“, einem Gemisch aus Wasser und Aromastoffen (Methyl-Ethylketon). Kolbe Duplo, Quelle/Privileg 1 69 49 80 und Zanussi ZHT 610 schafften davon gerade mal die Hälfte, was ihnen in diesem Punkt ein „Mangelhaft“ bescherte. Schade, besonders für die Quelle-Unterbauhaube. Denn ihr Metallfilter kann Fett „gut“ binden, sowohl bei Abluft als auch bei Umluft. Das gelingt außer ihr nur noch Otto/hanseatic (Bestellnummer 2635453, leider im neuen Katalog nicht mehr im Angebot) und Whirlpool AKR 928 IX. Diese drei Geräte eignen sich gut als Ablufthauben. Im Umluftbetrieb sind sie ein bis zwei Noten schlechter.

Wir haben übrigens für die Berechnung der Funktion und auch des test-Qualitätsurteils nur die Noten für den ungünstigeren Umluftbetrieb herangezogen, weil die Geräte im Abluftbetrieb sowieso besser funktionieren.

Krachmacher

Im täglichen Umgang sind die Hauben problemlos. Einmal installiert – was nur bei dem Kolbe-Modell kompliziert ist und die helfende Hand einer zweiten Person erfordert – , heißt es nur noch einschalten und eine geeignete Lüfterstufe wählen. Und das Geräusch ertragen. Denn leise saugt nur die AEG-Haube 8390. Sechs Geräte machen in der höchsten Gebläseeinstellung so viel Krach, dass ein munterer Plausch während des Kochens wenig Freude bringt. Abhilfe schafft da nur eine niedrigere und somit leisere Einstellung.

Die meisten Hauben haben zwei oder drei unterschiedlich starke Gebläsestufen. Das ist sozusagen „Hausmannskost“. Mehr Abwechslung bieten das Ikea-Gerät und Siemens LC 75952 mit den Baugleichheiten von Bosch und Neff (vier Stufen) sowie die Kolbe-Haube (mit sechs Stufen). Günstig ist auch eine Intensivstufe. Die saugt nämlich besonders stark, wenn viel Fett spritzt, beispielsweise beim Rouladenanbraten oder Kartoffelpufferbacken.

Ausgesprochen komfortabel haben es Koch und Köchin mit den Kaminhauben von AEG, den drei teuren Modellen von Bosch, Neff, Siemens und Quelle/Privileg. Hier springt die Booster-Funktion nach einigen Minuten automatisch in einen niedrigeren Gang oder das Gerät schaltet gleich ganz aus. Letzteres passiert auch, wenn man bei Miele DA 249 und Kolbe Duplo die Nachlauffunktion aktiviert. Das ist dann praktisch, wenn die Mahlzeit im Esszimmer verspeist wird und währenddessen in der Küche der restliche Mief abziehen soll.

Nach dem Bruzzeln kommt das Saubermachen. Mit mildem Reinigungsmittel lassen sich Fettspritzer und Fingerabdrücke meist gut entfernen, auch von den eleganten Schirmen aus Edelstahl und Glas. Ist das Putzen noch recht einfach, kann das Polieren doch lästig werden. Denn richtig schick sehen die Hauben erst aus, wenn sie schön glänzen.

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