Kochdunst. Bleibt er in der Küche, hinterlässt er Spuren.

Die Modelle im Test kosten zwischen 100 und 2 000 Euro. Hauben, die Fett, Dampf, Gerüche beseitigen, gibt es in allen Preisklassen – schlappe Deko-Hauben ebenso.

Die Duftwolke wabert im Labor: Ein Gemisch aus Methyle­thylketon und Wasser verdampft aus einem Topf. Es riecht intensiv nach Löse­mittel. Die Dunstab­zugs­haube läuft auf höchster Stufe, um den Geruch zu beseitigen. Doch die Ikea Klar­luft richtet wenig aus: Sie entfernt in 30 Minuten Umluft­betrieb gerade einmal ein Prozent des Miefs. Der Geruchs­filter wirkt fast über­haupt nicht. Geruchs­moleküle lagern sich kaum an. Der Motor bläst die ungefilterte Luft zurück in den Raum. Ganz anders arbeitet dieselbe Haube im Abluft­betrieb. Durch ein Rohr pustet sie Gerüche nach draußen. Damit beseitigt sie nahezu 100 Prozent der Duftwolke.

Übel. Ohne effektive Dunstab­zugs­haube wabert der Geruch von gegartem Kohl tage­lang durchs Haus.

Nicht alle Hauben unterscheiden sich so gravierend im Abluft- und Umluft­betrieb, aber alle arbeiten besser, wenn sie die Luft aus dem Raum heraus­befördern können. Neben Gerüchen beseitigen sie dann in der Regel auch Fett effektiver. Wer Dunst­schwaden problemlos ins Freie leiten kann, sollte daher seine Dunstab­zugs­haube mit Abluft betreiben. Alle untersuchten Modelle funk­tionieren sowohl als Abluft- als auch als Umluft­gerät. In der Laborküche prüften und bewerteten wir beide Betriebs­arten. Deshalb gibt es für jede Haube zwei test-Qualitäts­urteile.

Im Test hingen 21 Wandhauben aus drei Produkt­gruppen: zehn mit horizontalem Schirm und 90 Zenti­meter Breite, acht sogenannte Kopf­freihauben mit einem schrägen Schirm und ebenfalls 90 Zenti­meter Breite sowie drei Einbauhauben mit 60 Zenti­meter breitem Flach­schirm. Die Preise reichen von 100 bis rund 2 000 Euro. Kraft­volle Luft­verbesserer fanden wir in allen Preisklassen – schlappe Deko-Hauben ebenso.

Schräg. Große Personen können sich über das Koch­feld beugen. Dampf zieht aber an mancher Kopf­freihaube vorbei. Horizontal. Hängt die Haube direkt über dem Koch­feld, fängt sie oft viel Dampf – steht großen Köchen aber im Weg.

Miele sammelt das meiste Fett

Fettig. Die Prüfer tropfen Öl und Wasser in einen heißen Topf und messen, wie viel Fett der Filter auffängt.

Fettig. Die Prüfer tropfen Öl und Wasser in einen heißen Topf und messen, wie viel Fett der Filter auffängt.

Egal ob in der Pfanne Fisch brutzelt oder im Topf Zwiebeln anbraten – beim Erhitzen von Öl entsteht Fett­dunst. Dieser schlägt sich auf Möbeln und Wänden nieder, verharzt und bildet einen Nähr­boden für Bakterien. Einmal angetrocknet lässt er sich nur schwer entfernen. Dunstab­zugs­hauben sollen möglichst viel des verdampfenden Fettes auffangen.

Im Labor tropften wir Öl und Wasser in einen heißen Topf und maßen anschließend, wie viel davon im Fett­filter landete. In allen drei Produkt­gruppen sammelten die Miele-Hauben das meiste Fett. Ihre zehnlagigen Edelstahl-Fett­filter fingen zwischen 80 und 90 Prozent des Öls ein. Zum Vergleich: Der wesentlich dünnere und kleinere Fett­filter der Amica-Schräghaube nahm nur zwischen 27 und 38 Prozent des Öls auf. Ein Teil lief aus dem schräg hängenden Filter wieder heraus, am Gehäuse herunter und tropfte zurück auf die Koch­fläche. Das test-Qualitäts­urteil der Amica lautet daher mangelhaft – sowohl für den Abluft- als auch den Umluft­betrieb.

Berbel fordert viel Liebe

Anders als die übrigen Hauben im Test arbeitet die Berbel ohne Fett­filter. Der Anbieter verspricht: „Mehr als 90 Prozent der Fette werden in der Haube im ersten Schritt aufgefangen.“ Statt des Filters nutzt die Haube Zentrifugal­kraft. Sie saugt Dunstwrasen durch einen schmalen Spalt an. Laut Berbel wird die Luft „dann stark beschleunigt und 2-fach bogenförmig umge­lenkt. Die dabei entstehende Zentrifugal­kraft schleudert die Fett­teilchen aus der Luft heraus.“ In unserem Test sammelte die Berbel mit Abluft an den leicht zugäng­lichen Teilen nur durch­schnitt­liche 65, mit Umluft 59 Prozent des Öls. Es landete in zwei Auffang­schalen sowie einem Sieb. Laut Berbel sind das die relevanten Bauteile für die Fett­abscheidung. Berbel empfiehlt Nutzern, nach jedem Einsatz die Schalen der Haube auszuwischen – für den alltäglichen Einsatz ziemlich aufwendig.

Umluft kostet extra

Durch­lässig. Der Geruchs­filter der Kopf­freihaube von Falmec enthält im äußeren Ring nahezu keine Aktivkohle.

Durch­lässig. Der Geruchs­filter der Kopf­freihaube von Falmec enthält im äußeren Ring nahezu keine Aktivkohle.

In einem Punkt über­trifft die Berbel jedoch ihre Konkurrenz: Als einzige Haube beseitigt sie im Umluft­betrieb Gerüche zu 96 Prozent. Das ist fast so gut wie Abluft­hauben, die die Kochdüfte nach draußen leiten. Berbel schafft das mit ihrem großen Geruchs­filter. Dieser enthält vier Kilogramm Aktivkohle – genug Oberfläche, damit sich Geruchs­moleküle dort anlagern.

Allerdings ist irgend­wann auch der größte Aktivkohle­vorrat gesättigt und nimmt keinen Mief mehr auf. Betreiber einer Umluft­haube müssen daher in regel­mäßigen Abständen Geruchs­filter erneuern oder regenerieren. Berbel verkauft Aktivkohle im Nach­füll­pack für 65 Euro. Je nach Benut­zung hält der Filter ein bis zwei Jahre.

Die horizontalen Wandhauben von AEG, Ikea und Silverline sowie die Einbauhaube von AEG enthalten mit Aktivkohle beschichtete Vliese. Diese lassen sich im warmen Wasser oder im Geschirr­spüler reinigen und im Back­ofen trocknen. Je nach Benut­zung ist diese Prozedur alle ein bis drei Monate fällig. Spätestens nach drei Jahren muss für Ikea ein neues Vlies für 39 Euro her. Für AEG kostet es 69 Euro. Das Ersatzv­lies von Silverline hält nur ein Jahr und kostet 75 Euro.

Viele Umluft­hauben brauchen früher einen Filter­wechsel. Miele empfiehlt nach sechs Monaten einen neuen Filter für 79 Euro, Franke sogar nach vier Monaten einen für 99 Euro. Das ergibt knapp 300 Euro im Jahr. Ziemlich viel Geld für einen Filter, der nur 67 Prozent des Geruchs entfernt.

Noch schlechter als Geruch entfernen Umluft­hauben Feuchtig­keit: nämlich gar nicht. Sie wälzen die feuchte Luft nur um und blasen sie zurück in den Raum. Köche müssen regel­mäßig lüften, damit kein Schimmel entsteht.

Flüsterhauben und dröhnende Essen

Dunstab­zugs­hauben sollen zwar kräftig saugen, um möglichst viel Fett, Dampf und Geruch zu beseitigen. Sie sollen aber möglichst flüstern, um nicht die Gespräche in der Wohn­küche zu stören. Diesen Spagat schaffen nur die zwei Wandhauben von Miele und die horizontale Siemens LC97BC532 – jeweils im Abluft­betrieb. Auf höchster Stufe – aber nicht der Intensiv­stufe – beseitigen sie effektiv den Kochwrasen und rauschen trotzdem nur mit 52 bis 53 Dezibel. Das ist etwa so laut wie eine gute Wasch­maschine im Wasch­gang.

Mit Umluft tönen alle Hauben lauter. Zum Motor kommt das Geräusch beim Ausblasen der Luft hinzu. Am lautesten dröhnen die horizontalen Wandhauben von AEG und Ikea mit 75 Dezibel im Umluft­betrieb – lauter als eine Wasch­maschine im Schleudergang. PKM vibriert stark.

Wer kann, sollte seine Dunstab­zugs­haube mit Abluft betreiben. Umluft ist nicht nur lauter, es bleiben auch mehr Fett, Gerüche und Feuchtig­keit in der Küche.

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