Duftöle, Duftkerzen Meldung

Für viele gehören wohlriechende Düfte einfach dazu, wenn sie es sich gemütlich machen und entspannen. Doch die Essenzen in Aromalämpchen, Duftkerzen oder Raumparfums enthalten mitunter viele Allergie auslösende und hautreizende Stoffe.

Nasskaltes Nieselwetter, grau in grau getauchte Stimmung. Wenn Herbst und Winter ihre üble Seite zeigen, sehnt sich der Mensch nach einem warmen Plätzchen. Auch die Seele braucht jetzt Balsam. Wohl dem, der ein behagliches Zuhause hat. Vom Sofa aus betrachtet, bei Kerzenschein, Musik und einer Tasse Tee hat auch ein Nieselregen seinen Reiz. Um so mehr, wenn noch dazu ein angenehmer Duft der Nase schmeichelt.

Schon die Ägypter der Antike wussten um die Macht der Düfte und gewannen ätherische Öle aus Blüten, Früchten und Wurzeln, um die Sinne zu betören. Heute steht eine ganze Industrie bereit, dem Menschen Duft zu spenden. Besonders beliebt: ein Quell des Wohlgeruchs im Wohnzimmer, meist in Form einer Aromakerze oder Duftöllampe.

Düfte sollen uns aufheitern, entspannen oder beleben, so das Versprechen der Werbung: Lavendel beruhigt die Nerven, Orangenduft vertreibt die Sorgen. Wissenschaftlich untermauert sind nur wenige dieser Behauptungen. Fakt ist jedoch, dass Gerüche unmittelbar Gefühle wecken können. Denn der Geruchssinn ist eng ans limbische System gekoppelt, jenem Hirnareal, in dem Gedächtnis und Emotionen sitzen. Manchem ruft bereits ein Hauch von Fliederduft die erste Liebe in Erinnerung – und macht glücklich.

Allergien, Kopfschmerzen, Ekzeme

Duftöle, Duftkerzen Meldung

Doch der Zauber hat auch seine Schattenseiten. Etliche Duftstoffe gelten als starke Allergene. Wir haben etwa drei Dutzend der wohlriechenden Öle und Kerzen untersucht: Vor allem ätherische Öle bestehen teilweise zu 90 Prozent aus Allergie auslösenden Stoffen wie zum Beispiel Citral, dem Hauptbestandteil von natürlichem Lemongrasöl. Ein paar Tropfen davon in der Aromalampe und für mehrere Stunden ist die Luft im Wohnzimmer derart stark belastet, dass Experten von einem längeren Aufenthalt in diesem Zimmer abraten. Ganz zu schweigen von den Folgen, die der Hautkontakt mit solchen Ölen haben kann.

Duftstoffe, sowohl natürliche als auch künstliche, sind mittlerweile nach Nickel die zweithäufigste Ursache für Kontaktallergien. Studien zeigen, dass bis zu drei Millionen Menschen in Deutschland davon betroffen sind. Bei Kontakt mit den duftenden Substanzen fängt ihre Haut an zu jucken, es bilden sich Ekzeme oder gar Ausschläge am ganzen Körper. Dieser Überreaktion des Immunsystems geht eine Sensibilisierung voraus, hervorgerufen in der Regel durch häufigen Hautkontakt, zum Beispiel durch Kosmetika oder Reinigungsmittel. Ob der Körper auch allein durch das Einatmen der Riechstoffe sensibilisiert werden kann, ist noch unklar. Vorsicht scheint aber geboten. Bei Asthmatikern zum Beispiel können Duftstoffe Bronchialkrämpfe auslösen. Und wer allgemein empfindlich auf Chemikalien reagiert, leidet schon bei geringen Duftstoffmengen in der Luft an Kopfschmerzen, tränenden Augen oder Übelkeit.

Gefahrenhinweise fehlen oft

Eine Kontaktallergie bleibt lebenslänglich. Betroffene haben nur die Möglichkeit, dem Allergen aus dem Weg zu gehen. Doch in der Regel weiß der Käufer gar nicht, was er sich ins Aromalämpchen träufelt – die Inhaltstoffe sind in der Regel nicht deklariert. Oft fehlen auch die vorgeschriebenen Gefahrenhinweise. So fand die hessische Arbeitsschutzbehörde „praktisch keines der analysierten ätherischen Öle und Duftöle nach der geltenden Rechtslage vollständig und korrekt gekennzeichnet“. Sie überprüfte Zitrusöle aus Kaufhäusern, von Einzelhändlern und Weihnachtsmärkten. Fast allen fehlte der ab einem Limonengehalt von 20 Prozent vorgeschriebene Hinweis auf die sensibilisierende und hautreizende Wirkung. Auch wir suchten bei unserer Stichprobe meist vergeblich danach. Andere Öle ließen die Warnung vor Lungenschäden beim Verschlucken vermissen, mitunter fehlte der kindergesicherte Verschluss. Und auf fast keinem Fläschchen fanden wir Dosierhinweise. Ärgerlich, denn schon ein paar Tropfen mehr oder weniger bedeuten hier den Unterschied zwischen Wohlgeruch und Gesundheitsrisiko.

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