Düngen im Garten Meldung

Gartenbodenanalysen zeigen: Die meisten Haus- und Kleingärten sind überdüngt. Das schadet nicht nur Geldbeutel und Umwelt, sondern auch den Pflanzen.

Sobald das erste Grün im Garten sprießt, erwacht der Tatendrang der Hobbygärtner und treibt sie hinaus in die warme Frühlingssonne. Jetzt wird die Grundlage gelegt für alles, was in den nächsten Monaten wachsen und reifen soll. Wer leckere Erdbeeren ernten oder prächtige Blumen pflücken möchte, der muss dafür einiges tun.

Entscheidend fürs Pflanzenwachstum sind Licht, Wasser und vor allem die Nährstoffe. Doch viele Hobbygärtner übertreiben in diesem Punkt und fügen ihrem Boden, frei nach dem Motto "Viel hilft viel", ein Übermaß an Chemie zu. Darunter leiden nicht nur Mensch und Umwelt, sondern auch die Pflanzen. Sie werden durch Überdüngung anfälliger für Krankheiten. Doch woher soll ein Gartenbesitzer wissen, wie viel Dünger sein Boden braucht?

Wer nur nach Gefühl düngt, liegt meist verkehrt, sagen Experten und empfehlen stattdessen, den Boden untersuchen zu lassen ­ mindestens alle drei bis vier Jahre. Unter der Überschrift "Falsch gedüngt mit grünem Daumen" startete die Stiftung Warentest Mitte letzten Jahres mit der Analyse von Gartenböden. Die Messergebnisse verraten, wie hoch der Nährstoffvorrat im Boden ist und wie eine für Pflanzen und Umwelt optimale Düngung aussehen sollte. Viele Leser schickten uns Bodenproben aus ihrem Garten. Die Auswertung der ersten 100 Ergebnisse zeigt: Nutz- und Ziergärten sind meist überdüngt, während es Rasenflächen häufig an Nährstoffen mangelt. Gelbe Rasengräser und ein spärlicher bis lückenhafter Wuchs können die Folge sein.

Bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer unserer Aktion "Gartenbodenanalyse" war besonders der Phosphorgehalt der Böden in Nutz- und Ziergärten viel zu hoch. Vereinzelt maßen wir Spitzenwerte, die mehr als vierfach über dem eigentlichen Bedarf lagen. Phosphor fördert zwar den Blütenreichtum der Pflan- zen und ist für die Frucht- und Wurzelbildung verantwortlich, doch ein minimaler Gehalt reicht vollkommen aus.

Eine Überdüngung mit diesem Nährstoff belastet nicht nur viele Gewässer, sondern hemmt auch den Stoffwechsel der Pflanzen. Sie können bestimmte Spurenelemente nicht mehr aufnehmen, Wachstumsstörungen sind die Folge.

Auch mit den anderen beiden Hauptnährstoffen Kalium und Magnesium meinten es viele Freizeitgärtner zu gut: Nur etwa ein Drittel der Böden war optimal mit diesen beiden Nähstoffen versorgt, während ein Großteil der eingesandten Proben zu hohe Kalium- und Magnesiumgehalte aufwies.

Der Rasen hungert

Düngen im Garten Meldung

Im Unterschied dazu waren rund 70 Prozent der eingesandten Bodenproben von Rasenflächen mit Kalium unterversorgt. Dieser Nährstoff ist aber für das gute Gedeihen der Rasengräser wichtig, denn er sorgt für die Festigkeit des Pflanzengewebes, schützt vor Dürreschäden und spielt eine wichtige Rolle bei der Photosynthese.

Damit die Pflanzen optimal versorgt sind, muss aber nicht nur der Nährstoffgehalt, sondern auch der Säuregrad des Bodens, das heißt sein pH-Wert, stimmen. Er beeinflusst die Verfügbarkeit von Nährstoffen. Der optimale pH-Wert eines Bodens hängt von der Bodenart ab. Sowohl zu niedrige ("sauer") als auch zu hohe ("alkalisch") pH-Werte wirken sich negativ auf das Pflanzenwachstum aus. Bei rund 20 Prozent der eingesandten Bodenproben war der pH-Wert zu niedrig. In diesen Fällen ist es erforderlich, gezielt zu kalken. Liegt der pH-Wert dagegen zu hoch, sollte der Hobbygärtner auf Kalk verzichten. In den meisten Gärten war nur eine Erhaltungskalkung ratsam ­ beispielsweise mit 50 Milligramm Algenkalk pro Quadratmeter.

Mit Kompost düngen

Wer die Fruchtbarkeit seines Gartens langfristig verbessern möchte, muss auch den Humusgehalt des Bodens im Auge behalten. Humus entsteht aus abgestorbenen pflanzlichen und tierischen Resten, die von Bodenlebewesen zersetzt werden. Humus verbessert Wasserspeicherung, Aktivität des Bodenlebens und Nährstoffhaushalt. Die Hälfte der Proben von Rasenflächen, die wir analysierten, enthielt zu wenig Humus. Auch die Böden von rund 20 Prozent der Nutz- und Ziergärten waren zu humusarm.

Hobbygärtner können die Humusbildung in ihrem Garten vor allem fördern, indem sie dem Boden Kompost zuführen. Am besten verteilen sie den Kompost im Frühjahr und Sommer in ihrem Garten.

Regelmäßige Kompostgaben erhöhen außerdem langfristig den Stickstoffgehalt im Gartenboden ­ vorausgesetzt, der Kompost wird mit viel Rasenschnitt und Grünabfällen produziert.

Tipp:

Mit Kompost und Gründüngung können Sie auf eine ergänzende mineralische Stickstoffdüngung verzichten. So sparen Sie Geld, schonen die Umwelt und sich selbst. Denn mineralische Stickstoffdünger bergen die Gefahr, dass sich überschüssiges Nitrat entweder im Gemüse anreichert oder aus dem Boden ausgewaschen wird. Über das Grundwasser kann dann schädliches Nitrat in das Trinkwasser gelangen.

Der Beweis für eine "natürliche" Versorgung der Pflanzen mit Stickstoff ist ein optimales Verhältnis von Kohlenstoff und Stickstoff im Boden. In einigen der eingesandten Bodenproben lag ein krasses Missverhältnis vor. Zum Teil war wesentlich mehr Kohlenstoff als Stickstoff vorhanden, so dass Stoffwechselprozesse gehemmt und zu wenig Nährstoffe freigesetzt werden. Bei anderen Proben stießen wir auf zu viel Stickstoff. Hier wird die Mineralisierung zu stark angekurbelt und wertvolle Nährstoffe können durch Niederschläge ins Grundwasser gespült werden.

Mit Grünzeug düngen

Eine Gründünung der Beete hilft dem Boden, ein optimales Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältniss zu erreichen. Schnell wachsende Pflanzen können kahle Flächen innerhalb von ein bis zwei Wochen begrünen. Im Laufe der Zeit lockern die Wurzeln die Erde und reichern sie mit organischer Masse an. Besonders gut geeignet sind Wicken, Klee und Lupinen. Diese Pflanzen zählen zu den Leguminosen und können Stickstoff aus der Luft binden. Die oberirdischen Pflanzenteile werden kurz nach der Blüte flach in den Boden eingearbeitet oder einfach abgeräumt und kompostiert. Zusätzlicher Vorteil: Die rasch keimenden Pflanzen verdrängen unerwünschte Wildkräuter ­ Unkrauthacken kann weitgehend entfallen. Ökologisches Gärtnern bietet also viele Vorzüge: Schutz der Umwelt, etwas fürs Auge, ein Plus im Geldbeutel, mehr Zeit fürs Faulenzen.

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