Nicht reinfallen mit angeblichen Top-Angeboten. Manche Zins­angebote sind zu schön um wahr zu sein.

Im Internet gibt es viele Angebote, die sichere Topzinsen versprechen. Doch Vorsicht: Einige sind riskant, andere sogar Betrug. Die Experten von Finanztest zeigen, wo bei angeblich sicheren Zins­angeboten Fallen lauern und wie Sparer vorgehen, um auf der sicheren Seite zu bleiben. Sichere Zins­abgebote finden Sie in den laufend aktualisierten Zinsvergleichen der Stiftung Warentest.

Zins­angebote – zu schön um wahr zu sein

Wer das Internet durch­stöbert, stößt auf scheinbar unschlagbar gute Fest­zins­angebote: „5,75 % Fest­geldzinsen“, „Öko Fest­zins ab 3,5 %“„Grüner Fest­zins 3,5 % bis 7,5 %“, heißt es dort. Doch sicher sind die Angebote nicht. Im besten Fall sind sie riskant, im schlechtesten Fall Betrug.

Reinfall beim Betrug­sportal Sparpiloten

Herms Dembeck aus Stralsund ist vom Portal Sparpiloten der Schweizer Elektronik Service AG übers Ohr gehauen worden.

Finanztest-Leser Herms Dembeck fiel auf das Betrug­sportal Sparpiloten herein, das seit April 2020 auf der Finanztest-Warnliste steht. Es bot lukrative Zinsen von 2,68 Prozent für ein einjähriges Fest­geld bei der Svenska Handels­bank in Schweden – plus Willkommens­bonus von 150 Euro. Alles zu „100 Prozent abge­sichert durch EU-Einlagensicherung“. Zweifel, dass 2,68 Prozent Zins in der aktuellen Nied­rigzins­phase nicht erziel­bar sind, zerstreute das Portal, indem es im Vertrag fett gedruckt die Svenska Bank nannte und daneben hervorgehoben auf „die EU-Einlagensicherung“ verwies. Danach werden Sparer im Pleitefall ihrer Bank mit bis zu 100 000 Euro entschädigt. Die entsprechende EU-Richt­linie lag dem Vertrag bei.

Screenshot als Beweis hilft nicht

So über­sah Dembeck wie viele weitere Geschädigte, dass nicht die Bank Absender des Vertrags war, sondern die im Klein­gedruckten genannten Sparpiloten und deren Schweizer Betreiberfirma, die Elektronik Service AG.

Als ihm der Vermittler von den Sparpiloten kurz darauf eine schwe­dische Konto­nummer nennt, über­weist Dembeck die im Vertrag vereinbarte Summe. Als Empfänger trägt er seinen Namen ein. „Als Beweis habe ich mir extra von meiner Haus­bank einen Screenshot geben lassen, dass das auch so erfolgt ist“, erklärt Dembeck. Genützt hat ihm das nichts. Denn anders als er annahm, prüft die Bank nicht, ob Konto­nummer und Empfänger zusammenpassen. Und so landete Dembecks Geld auf einem Konto der schwe­dischen Bank, dessen Inhaber er nicht kennt.

Darauf sollten Sie bei Zins­angeboten achten

Zinsen. Prüfen Sie anhand unserer Bestenlisten im Vergleich Festgeld der Stiftung Warentest, ob der angegebene Zins für ein Fest­geld­anlage bei einer Bank realistisch ist. Fragen Sie bei der im Vertrag genannten Bank nach, ob diese das Angebot kennt. Nutzen Sie die Check­liste Unseriöse Festgeldangebote erkennen, bevor Sie unter­schreiben.

Identifikation. Über­weisen Sie erst Geld, wenn Sie bei der Bank per Post- oder Video-Ident­verfahren oder etwa per Probeüber­weisung ein Konto auf Ihren Namen eröffnet haben und es von der Bank bestätigt worden ist. Eine Ausweiskopie zu schi­cken, reicht nicht.

Über­weisung. Glauben Sie nicht, dass Ihre Bank prüft, ob eine Iban zum Empfänger­namen passt. Dazu ist sie nicht verpflichtet. Über­weisen Sie auf ein falsches Konto, müssen Sie sich selbst darum kümmern, das Geld zurück­zubekommen. Ist der Empfänger ein Betrüger, ist das Geld weg.

Unternehmen. Miss­trauen Sie Angeboten im Internet, die Ihnen Top-Fest­geldzinsen mit 100-prozentiger Sicherheit versprechen. Meist handelt es sich um Anleihen, Nach­rangdarlehen oder Direkt­investments, bei denen Sie Geld verlieren können, wenn das Unternehmen in Schieflage gerät.

Vermittler. HörenSie nicht auf Vermittler, die Sie per Telefon oder E-Mail zu einer schnellen Vertrags­unter­schrift auffordern. Seriöse Angebote sind in der Regel länger erhältlich.

Warn­liste. Neu auf die Finanztest-Warnliste kommen die von der Schweizer SAS Steucap Acquisition & Sales AG betriebenen dubiosen Internetportale SG Sichere Geld­anlagen, Deutsche Geld­anlage und Zins24. Das Portal „Ich investiere grün“ setzen wir auf die Warn­liste, weil es riskante Unter­nehmens­beteiligungen als Fest­zins-Geld­anlagen bewirbt.

Aufsicht. Fragen Sie bei der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) nach, wenn ein Anbieter Ihnen die Rück­zahlung Ihrer Einlage plus Zinsen garan­tiert. Solche Anlagen dürfen nur mit Erlaubnis der Bafin (bafin.de) angeboten werden.

Konto­eröff­nung nur mit Identifikation

Wie Dembeck ist vielen Anlegern nicht klar, dass eine Konto­eröff­nung einen direkten Kontakt mit der Bank voraus­setzt. Meist müssen sich Kunden per Post- oder Video-Ident­verfahren unter Vorlage ihres Ausweises legitimieren. Andere Verfahren funk­tionieren mit Probeüber­weisungen von wenigen Cent. Eröffnet ist das Konto erst, wenn die Bank dies bestätigt hat.

Dembeck hatte lediglich eine Ausweiskopie an die Schweizer Firma geschickt. Stutzig wurde er erst, als er im April die Finanztest-Warnung vor den Sparpiloten las. Kurz darauf wurde das Portal abge­schaltet und war telefo­nisch nicht mehr erreich­bar. Dembeck hat Anzeige erstattet.

Fiese Maschen dubioser Anbieter

Die fiesen Methoden, die Portale wie Sparpiloten anwenden, sind typisch für dubiose Fest­zins-Werbungen im Internet. Aktuell betreibt die Schweizer SAS Steucap Acquisition & Sales AG (SAS) in Alten­dorf Portale wie „SG Sichere Geld­anlagen“, „Deutsche Geld­anlage“ oder „Zins24“. Alle drei versuchen Sparer übers Ohr zu hauen.

Das Portal „SG Sichere Geld­anlagen“ gibt an, Sparer vor Negativzinsen retten zu wollen. Es bietet „Top-Zins­anlagen“ von 3,45 bis 4,65 Prozent für ein ein- bis dreijäh­riges Fest­geld bei einer Anlagesumme von 50 000 Euro an. Wer 100 000 Euro hat, soll sogar einen Zins von 4,25 bis 5,75 Prozent bekommen. Unter jedem Angebot wird auf die EU- Einlagensicherung hingewiesen. Abge­bildete Logos bekannter Banken wie der ING oder der Credit Suisse sollen Sparern wohl suggerieren, dass die „Top-Fest­zins­anlagen“ von dort kommen.

Stiftung Warentest: Vergleiche von Zins­angeboten

Die Experten von Finanztest vergleichen laufend Tages- und Fest­geld­angebote. Die besten Zins­angebote, die auch sicher sind sowie aktuelle Warnungen finden Sie in den Zinsvergleichen der Stiftung Warentest.

Aimondo-Beteiligung keine sichere Sache

Natürlich bietet keine der genannten Banken auch nur annähernd so hohe Zinsen an. Derzeit liegen die Zinsen selbst für mehr­jähriges Fest­geld unter 2 Prozent im Jahr. Kein Wunder, dass die hinter den drei Portalen steckende SAS AG der Bitte von Finanztest nicht nach­kam, Fest­zins­anlagen und Banken zu benennen.

Mehr Erfolg hatten unsere privaten Anfragen bei „SG Sichere Geld­anlagen“. In beiden Fällen meldete sich die Aimondo GmbH aus Düssel­dorf. Versprochen wurde ein „sauberes Produkt“, das keinerlei Risiken habe. Ein Blick auf die Home­page des Unter­nehmens belehrt uns eines Besseren. Dort steht, dass das Unternehmen in künst­liche Intelligenz investiert und Anlegern Beteiligungen anbietet.

Zuletzt billigte die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) eine zweijäh­rige Aimondo-Anleihe mit einem Zins von 5,75 Prozent im Jahr. Daran ist grund­sätzlich nichts auszusetzen. Wohl aber daran, dass sich der Mitarbeiter von Aimondo auf eine Kunden­anfrage beim Portal „SG Sichere Geld­anlagen“ nach einem Fest­zins­angebot meldet. Und daran, dass er Risiken verneint und am Telefon erklärt, dass es als „Kirsche auf der Torte“ 1,75 Prozent Zins „on top“ gebe.

Unerfahrene Anleger könnten denken, dass die Aimondo-Beteiligung eine sichere Sache sei. Ist sie aber nicht, wenn die Firma finanzielle Probleme bekommen sollte.

Unseriöses Portal „Deutsche Geld­anlage“

Unseriös kommt auch das Portal „Deutsche Geld­anlage“ der SAS AG unter deutschegeldanlage.de daher. Einer­seits wird dort eine Tabelle mit realen Fest­zins­konditionen von Banken mit Sitz in der EU gezeigt. Anderer­seits werden unter der Rubrik „Fest­zins­angebot“ riskante Beteiligungen an Firmen mit unrealistisch hohen Zinsen genannt. Ein Angebot, das mit „durch Welt­bank (IFC) gefördert“ und 7 bis 11 Prozent Zins pro Jahr angepriesen wird, klingt zwar gut. Vermutlich ist es aber eine reine Erfindung des Anbieters. Auch hier erhielt Finanztest kein Angebot.

Staats­anwalt­schaften ermitteln

Über­rascht hat uns das nicht. Nach unseren Recherchen ermitteln mehrere Staats­anwalt­schaften gegen dubiose Onlineportale, die Sparer mit Fest­zins­anlagen geschädigt haben.

Anwälte wie Peter Mattil aus München versuchen, Gelder betrogener Anleger zurück­zuholen. Im Fall von Sparpiloten will Mattil gegen den Verwaltungs­rat der Elektronik Service AG, Samuel Walch, vorgehen. In der Vergangenheit habe seine Kanzlei mehr­fach erfolg­reich Ansprüche gegen Verwaltungs­räte oder deren Haft­pflicht­versicherer in der Schweiz durch­gesetzt. „Kein Grund also, die Flinte ins Korn zu werfen“, meint Mattil.

Viele Anbieter werben irreführend

Nicht alle Online­angebote mit unrealistisch hohen Zinsen für Fest­geld sind betrügerisch. Viele werben lediglich irreführend. Sie täuschen vor, dass eine Anlage bei einem Unternehmen genauso sicher ist wie bei einer Bank. Doch anders als Banken unterliegen Unternehmen keiner Einlagensicherung.

Deshalb sind die „12 Prozent Zinsen pro Jahr, erst­rangig“, die Anlegern im April von der Adcada-Gruppe aus Bentwisch für eine Anleihe angeboten wurden, alles andere als sicher. Das Ziel, monatlich 12 Millionen Schutz­masken vom 1. Mai 2020 an herzu­stellen und zu verkaufen, wurde verfehlt. Bis Anfang Juli wurden nur zirka 800 000 nicht zertifizierte Masken ausgeliefert, weil ein Eilantrag auf CE-Zertifizierung noch nicht genehmigt war. Auch hat die Finanz­aufsicht Bafin der Adcada Health­care den Vertrieb einer Anleihe wegen Verstoßes gegen die Prospekt­pflicht untersagt. Adcada will sich recht­lich wehren (zu den Details Adcada Healthcare).

Portal „Ich investiere grün“ irreführend

Irritierend ist auch die Werbung des Portals „Ich investiere grün“. Hier wird Sparern „ein Fest­zins von 3,5 % bis 7,5 % für „Corona und nach­haltige Geld­anlagen“ angeboten.

Finanztest hat es ausprobiert und angegeben: „eher Sicherheit“, „zwei bis 3 Jahre Lauf­zeit“ und mehr als 20 000 Euro Anlagesumme. Darauf­hin wurden uns drei Angebote angekündigt. Erhalten haben wir vier. Neben der Edel­fisch DEG GmbH & Co II KG aus Düssel­dorf meldeten sich die Immoneo GmbH aus Berlin, die Schweizer Life Forestry aus Alten­dorf und das Portal Sparpiloten. Wie der Vermittler von Sparpiloten an die Telefon­nummer kam, ließ sich nicht klären. Mit den ersten drei Anbietern arbeitet der Portal­betreiber Watt­fox aus Freiburg zusammen.

Tipp: Sichere Zins­anlagen, bei denen das Geld sauber investiert wird, zeigt unser laufend aktualisierter Vergleich ethisch-ökologische Zinsangebote.

Genuss­recht statt klassischer Zins­anlage

Spätestens beim Blick in die Prospekte wird klar: Um sichere Fest­zins­anlagen handelt es sich in keinem Fall. Die Deutsche Edel­fisch bietet ein Genuss­recht an. Anleger können sich ab 100 Euro aufwärts am Aufbau einer Zander­produktions­anlage beteiligen. Lediglich im Klein­gedruckten des Vertrags wird auf Verlustrisiken hingewiesen. Diese seien im Verkaufs­prospekt beschrieben. Im mit dem Vertrag über­sandten Kurz­exposé zur Beteiligung steht davon nichts.

Angebote von Immoneo mit Risiken

Auch das Angebot der Immoneo GmbH, bei der Anleger sich an einer Immobilie in Berlin beteiligen sollen, birgt Risiken. Im Anschreiben verweist die Firma aber nur auf „mehrere sehr entscheidende Vorteile, speziell unter dem Aspekt der großen Sicherheit und der besonders lukrativen Verzinsung“.

Die Fest­zins­rendite für drei Jahre betrage 5,5 Prozent bei einer Beteiligung ab 10 000 Euro. Von Risiken für unser Geld, falls bei Entwick­lung und Bau des Gebäudes etwas schiefläuft, erfahren wir bei einem Telefonat nichts.

„Höchst­maß an Sicherheit“ – tatsäch­lich?

Das dritte Angebot ist eine Investition in Teak­bäume der Life Forestry Switzer­land AG. Mit der gewünschten Lauf­zeit von bis zu drei Jahren hat das „sensationelle Angebot“, bei dem Anleger Bäume in Costa Rica pachten sollen, nichts zu tun. Es läuft über zwölf Jahre und stellt dafür „Renditen bis 8 Prozent und mehr“ in Aussicht. Beim „Golden Teak-Land Lease 2020“ gebe es keine Risiken, betont der Verkäufer. Teak­bäume hätten keine natürlichen Feinde, nicht einmal ein Hurrikan könne denen etwas anhaben.

Doch das stimmt nicht. Schädlinge, Umwelt­einflüsse oder Fehler bei der Plan­tagenbe­wirt­schaftung können die Ernte der Bäume verhageln. Zudem können Währungs­verluste, Insolvenzrisiken, recht­liche Änderungen oder Wert­schwankungen bei den Teak­holz­preisen zu Verlusten führen. Trotzdem verspricht Life Forestry ein „Höchst­maß an Sicherheit“.

Dieser Artikel ist hilfreich. 37 Nutzer finden das hilfreich.