Dubiose Gewinnspiele Meldung

Friedrich Müller hat Geld zu verschenken. Bundesweit verschickt seine Firma EVD "notarielle Gewinnbestätigungen" aus Wien, mit denen er Verbraucher abzockt: 200.000 Mark oder ein "funkelnagelneues Auto", eine Einbauküche oder eine Traumreise. Wer seinen Gewinn haben möchte, soll 50 Mark einschicken, als "Organisationskosten". Eine andere Variante: Man gewinnt "mindestens 1.000 Mark", soll dann aber einen Monat lang täglich eine teure 0190-Nummer wählen, um zu erfahren, ob es durch täglich neue Auslosungen noch mehr wird. Jeder Anruf kostet gut zehn Mark.

Der Abzocker ist beim Verbraucherschutzverein (VSV) bestens bekannt, ebenso die Namen zahlreicher geprellter "Gewinner" ­ hingegen nicht ein Verbraucher, der tatsächlich Geld bekommen hätte. Nach Ansicht der VSV-Juristen ist die Verbindung von Warenabsatz, 0190-Nummern oder Geldanforderung vor Gewinnauszahlung nicht erlaubt. Besonders perfide: Müller verschickt auch Mahnungen. Bei Lieferung des Gewinns sei die Annahme verweigert worden, heißt es: Das macht 100 Mark plus 14,90 Mark Nachnahmespesen.Klar, dass solche Forderungen gegenstandslos sind.

Der VSV geht juristisch gegen die Firma EVD vor. Doch die ist nur die Spitze eines Eisbergs: "Wir verzeichnen einen starken Anstieg illegaler Gewinnspielwerbung, vor allem aus dem Ausland", berichtet VSV-Jurist Egbert Groote. Auffallend sei der oft hohe Aufwand für Muster-Sparbücher, Schecks, "amtliche" Zertifikate. Viele Abzocker sind seit Jahren bekannt, tauchen aber immer wieder unter anderen Firmennamen auf. Oft unterhalten sie nur ein Postfach im Ausland, wo sie gewerberechtlich nicht gemeldet sind. Dann scheitert die Rechtsverfolgung daran, dass die Klage nicht zugestellt werden kann.

Dieser Artikel ist hilfreich. 27 Nutzer finden das hilfreich.