Dubiose Fest­zins­angebote Die dreiste Masche der Sweuk Consulting

Dubiose Fest­zins­angebote - Die dreiste Masche der Sweuk Consulting
Anders als bei Pinocchio, dessen Nase mit jeder Schwindelei länger wurde, haben es Anleger der Sweuk Consulting schwer, die Lügen von Telefon­verkäufern zu erkennen. © Getty Images / Mary Ann Shmueli

Mehr als 2 Prozent Zinsen für ein einjähriges Fest­geld bei einer europäischen Bank sind aktuell nicht drin. Trotzdem versuchen zahllose Firmen und Internetplatt­formen – meist mit Sitz im Ausland – deutschen Sparern dubiose Festgeldanlagen mit angeblichen Topzinsen anzu­drehen. Meist handelt es sich um Betrug, auch wenn die Verträge täuschend echt aussehen. So versucht die Sweuk Consulting derzeit, Sparer mit Topzinsen für Fest­geld-Angebote der HSBC zu ködern. Doch die weiß gar nichts davon.

Anbieter locken mit hohen Zinsen

Im Dezember fiel der Finanztest-Redak­tion ein Werbung der Sweuk Consulting mit Sitz in London und Büro in Dublin auf. Via Internet wurden dort Topzinsen von bis zu 6 Prozent für Fest­geld­anlagen bei der HSBC in London versprochen, eine der größten Banken der Welt. Weil die Anla­geexperten der Stiftung Warentest wissen möchten, wie das gehen soll, fragt eine Finanztest-Redak­teurin unter Angabe ihrer Privat­adresse bei der Firma nach. Sie gibt vor, 70 000 Euro anlegen zu wollen.

Freche Lügen am Telefon

Die hohen Zinsen seien möglich, weil man mit einer der größten Banken der Welt, der HSBC in London koope­riere, erklärt ein Mitarbeiter am Telefon, der sich aus Dublin meldet. Das Geld werde mit Inter­banken­geschäften verdient, bei denen sich die Banken gegen­seitig Millionensummen leihen würden. „Da gibt es dann bis zu 100 Prozent Rendite in der Woche“, schwärmt der Mitarbeiter. Deshalb könne die HSBC Privat­anlegern schon mal einen kleinen Aufschlag beim Zins gönnen. Unserer Redak­teurin bietet er 2,3 Prozent Zins für ein einjähriges Fest­geld an. Legt sie sich auf zwei Jahre fest, soll der Zins­satz auf 2,75 Prozent steigen.

Täuschend echter Vertrag

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Der Vertrag, den die Sweuk Consulting der Redak­teurin über­mittelte, war der HSBC unbe­kannt. Unser Foto zeigt ein Muster. © Stiftung Warentest

Der angebotene Vertrag sieht auf den ersten Blick echt aus. Er enthält Logo und Adress­daten der HSBC in London. In einer Klausel zur „Einlagensicherung“ heißt es, dass die Anlage des Kunden laut EU-Richt­linie bis zu einer Höhe von 100 000 Euro geschützt ist. Eine weitere Klausel belehrt den Kunden über sein 14-tägiges Widerrufs­recht.

HSBC erwägt recht­liche Schritte

Robert Heusinger, Sprecher der HSBC in Deutsch­land, ist über so viel Dreistig­keit über­rascht. „Sweuk Consulting handelt nicht in unserem Auftrag. Wir prüfen derzeit die Einleitung recht­licher Schritte, was auch die Erhebung einer Straf­anzeige umfasst“.

Sweuk lobt gute Koope­ration mit der HSBC

Die Redak­teurin konfrontiert die Sweuk Consulting mit der Aussage, dass die HSBC nichts von dem Angebot wisse. „Das ist doch klar. Banken dürfen keine Auskünfte über Geschäfts­beziehungen geben. Das fällt doch unter den Daten­schutz“, antwortet der Mitarbeiter schlag­fertig. Tatsäch­lich habe die Firma eine „sehr gute Koope­ration mit der HSBC “.

Auf jeden Einwand eine Antwort

Der Sweuk-Mitarbeiter hat auf jeden Einwand eine Antwort. Auch als die Redak­teurin erklärt, ihr Geld lieber bei der an die Pegasus Development AG in der Schweiz anlegen zu wollen, weil es dort noch bessere Zinsen gebe, bleibt er cool. Natürlich stehe es ihr frei, ihr Geld woanders anzu­legen, erklärt der Anrufer. Er habe aber allerdings ein wenig für sie recherchiert und heraus­gefunden, dass sowohl die deutsche Finanz­aufsicht Bafin als auch die Stiftung Warentest vor Pegasus Development warnen. Solche Informationen – die Stiftung Warentest warnt tatsächlich vor der Pegasus Development – schaffen bei Anlegern Vertrauen. Offen­bar sind die Mitarbeiter der Sweuk Consulting mit allen Wassern gewaschen. Wir warnen vor den Fest­zins­angeboten der Firma.

Unser Rat

Angebot.
Anbieter, die Ihnen aktuell mehr als 2 Prozent Zins im Jahr für eine Fest­zins­anlage bei einer Bank anbieten, sind meist Betrüger. Oft sitzen sie im Ausland.
Verträge.
Prüfen Sie bei jedem Fest­geld­vertrag, der über eine Vermitt­lerfirma kommt, ob er echt ist. Schi­cken Sie den Vertrag vor der Unter­schrift an die Bank und fragen Sie, ob die Bank ihn kennt.
Sicherheit.
Hat die Sicherheit Ihrer Anlage für Sie höchste Priorität? Dann sollten Sie nur Fest­zins­verträge bei Banken abschließen, die in den Bestenlisten von Finanztest stehen (Festgeldvergleich: Die besten Zinsen). Dort ist Ihr Geld im Pleitefall der Bank mindestens bis zu einer Höhe von 100 000 Euro geschützt.
Warn­liste.
Auf unserer kostenlosen Warnliste Geldanlage stehen bereits mehrere dubiose Fest­geld­anbieter – mit der nächsten Aktualisierung finden Sie darauf auch die Sweuk Consulting.

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