Drucker­patronen Test

Ausgesperrt. Auch Brother nutzt mitt­lerweile Patronen mit Chip. Im Test erkennt das Gerät viele KMP- und Peach-Patronen nicht.

Vier Fremdtinten im Test funk­tionieren nicht zuver­lässig. Andere drucken gut und sparen viel Geld.

Der Brother-Drucker verweigert die Zusammen­arbeit mit der Tinten­patrone. „Erkennen unmögl.“ meldet er lapidar abge­kürzt auf dem Display. Immer und immer wieder. Das macht er bei zwei verschiedenen Fremdtinten, die wir mit diesem Modell geprüft haben: bei Produkten der Firmen KMP und Peach. Der Brother erkennt so viele ihrer Patronen nicht, dass sie im Test mangelhaft abschneiden. Und auch die Drucker von Canon und HP akzeptieren nicht alle Tinten im Test. Seit 13 Jahren prüfen wir regel­mäßig Drucker­patronen – so massive Kompatibilitäts­probleme wie im aktuellen Test gab es noch nie.

Vier der fünf­zehn Tinten fallen durch

Insgesamt haben wir 15 Fremdtinten für Drucker von Brother, Canon, Epson und HP geprüft und mit den jeweiligen Original­patronen verglichen. Vier Produkte fallen mit der Note mangelhaft durch, weil zu viele Exemplare nicht funk­tionierten.

Immerhin: Die meisten Fremd­patronen drucken auch im aktuellen Test zuver­lässig, liefern eine ordentliche Qualität, einige bringen auch eine enorme Ersparnis. Besonders attraktiv ist das Tinten­angebot für den Epson-Drucker. Doch die massiven Probleme einiger Patronen für die drei übrigen Geräte deuten an: Das Wett­rüsten zwischen Drucker- und Tinten­anbietern scheint härter zu werden.

Kehrt­wende bei Brother

Bemerkens­wert sind die Abstimmungs­probleme zwischen Patronen und Brother-Drucker. Noch im vergangenen Test Druckertinten, test 3/2014, war Brother der einzige Hersteller, der seine Tinten­tanks nicht mit einem elektronischen Chip gegen Nach­bau oder Wiederbefüllung sicherte. Entsprechend viele gute und preis­werte Fremdtinten gab es damals. Inzwischen hat auch Brother seine Politik geändert. Eine neue Generation seiner Drucker verlangt nun ebenfalls Patronen mit einem Chip – wie Canon, Epson und HP sie schon länger nutzen.

Brother: KMP und Peach fallen durch

Die neue Abschottungs­politik ist offen­bar erfolg­reich. Die Patronen von KMP und Peach für den Brother fallen im Test wegen Kompatibilitäts­problemen durch. So erkannte der Drucker bei beiden im ersten Test­durch­gang nicht einmal jede zweite Patrone. Wir kauf­ten weitere nach, erneut funk­tionierten etliche nicht. Das können wir nur „mangelhaft“ nennen. Wenn nur mal eine einzelne Patrone ausfiele, könnte der Nutzer sie ja einfach beim Händler austauschen. Doch tritt das Problem so gehäuft auf wie in unserem Test, muss der Kunde damit rechnen, auch als Ersatz wieder eine inkompatible Patrone zu erhalten.

Nur Ink Swiss druckt zuver­lässig

Dass der neue Kopier­schutz von Brother zu bezwingen ist, beweist Ink Swiss: Die Patronen dieses Anbieters für das Brother-Gerät arbeiten im Test zuver­lässig. Zudem drucken sie in guter Qualität und mit ordentlicher Ersparnis. Die Tinte pro Text­seite kostet mit ihnen nur einen Cent statt vier­einhalb mit dem Original, die für ein A4-Foto 40 Cent statt 1,70 Euro.

Zwei für Canon und HP mangelhaft

Drucker­patronen Test

Abge­brochen. Bei etlichen KMP-Patronen für Canon lag der Hebel zum Einrasten lose in der Verpackung.

Ähnliche Erkennungs­probleme wie die KMP- und Peach-Patronen für Brother zeigen auch die von Armor für HP sowie die von KMP für den Canon-Drucker. Die Canon-Patronen von KMP weisen zudem eine mecha­nische Schwäche auf. Die Patronen für diesen Drucker rasten mit einem kleinen Plastikhebel im Gerät ein. Bei etlichen KMP-Patronen war dieser Hebel schon bei Anlieferung abge­brochen, bei anderen brach er beim Einsetzen. Auch hier gilt: Wenn der Käufer viele der gekauften Patronen nicht nutzen kann, ist das mangelhaft.

Mit Pelikan warnt HP viel zu früh

Weniger drastische Probleme bereiten die Pelikan-Patronen dem HP-Drucker. Er akzeptiert sie zunächst klaglos. Doch dann funk­tioniert die Füll­stands­anzeige nicht richtig. Der Drucker warnt viel zu früh, dass die Tinte zur Neige gehe. Wer darauf herein­fällt und die Patrone gleich bei den ersten Meldungen tauscht, zahlt kräftig drauf. Ein Fotodruck mit Pelikan-Tinte ist dann sogar teurer als mit Original­patronen.

Wer die Warnungen dagegen ignoriert, kann ein Drittel der Kosten sparen. Mehr Ersparnis für Besitzer von HP-Druckern bieten allerdings Agfaphoto und die Tinte iColor von Pearl.

Nur Epson schluckt alle

Als einziger Drucker arbeitet der Epson Workforce 2540 mit allen Patronen zuver­lässig. Zwar gibt auch er Warnmeldungen aus, wenn er mit fremder Tinte gefüttert wird. Die kann der Nutzer getrost wegklicken. Im Test funk­tionierten danach alle Patronen. Erfreulich: Die meisten Fremdtinten für dieses Modell kommen den Originalen auch qualitativ recht nah.

Enorme 70 bis 80 Prozent Ersparnis

Besonders gut schneiden die iColor-Patronen des Onlinehänd­lers Pearl ab. Ihre Drucke sind von denen mit Epsons Originaltinte kaum zu unterscheiden. Bei vergleich­barer Qualität bieten sie eine enorme Ersparnis der Tinten­kosten: 70 bis 80 Prozent. Die Epson-Tinte von Ink Swiss enttäuscht dagegen. Ihr Text­druck wirkt erkenn­bar flauer als das Original, und besonders Schwarz­weiß­fotos zeigen einen deutlichen Blau­stich.

Fremdtinten für Canon bleichen aus

Drucker­patronen Test

Ausgeblichen. Nach fünf Tagen in gleißendem Xenon-Licht sind Drucke des Canon mit Fremdtinte (links) blasser als die mit Originaltinte (rechts).

Beim Canon schaffen die meisten Fremdtinten Drucke in guter bis sehr guter Qualität. Doch trocknen die Fremdtinten etwas lang­samer als das Original. Frische Ausdrucke können entsprechend länger verwischen. Und im Licht­test bleichen alle Fremdtinten deutlich stärker aus als das Original. Wer mit diesem Drucker Fotos produzieren will, um sie in einem sonnigen Zimmer an die Wand zu hängen, nimmt also besser die Originaltinte von Canon.

Ist das ein neuer Trend?

Gute Drucke, nied­rigere Kosten als das Original: Die meisten Fremdtinten lösen das Versprechen ein. Doch die unge­wohnten Kompatibilitäts­probleme lassen aufhorchen. Leser haben uns bisher nur vereinzelt von ähnlichen Erleb­nissen berichtet. Die Häufung der Probleme im aktuellen Test kommt über­raschend. Zeichnet sich hier ein neuer Trend ab? Treten solche Probleme besonders häufig mit den Druckern oder Tinten bestimmter Anbieter auf? Wir hoffen, dass eine Umfrage weitere Informationen liefern kannWir bitten Sie um Ihre Teil­nahmeund werden über die Ergeb­nisse berichten.

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