Billiger Drucker, teure Patronen – das muss nicht sein: Für Canon und Epson gibt es Druckerpatronen, die weniger kosten als die Originale und nicht schlechter sind.

Nur aufs Original ist Verlass. Und: Qualität hat ihren Preis. Das bekommen Kunden schon mal zu hören, wenn sie im Elektronikmarkt vor dem Regal mit Druckertinten ernüchtert die Preise registrieren: 45 Euro für Tinte, wo der Drucker doch nur gut 50 Euro gekostet hat? Da kommen Zweifel auf, ob die Originalpatronen so viel wert sind.

Nur HP liegt vor der Konkurrenz

Druckerpatronen Test

Satte Farben (oben): Die Tinten von Data Becker sorgen für überzeugende selbst ausgedruckte Farbfotos mit Tiefe.
Blasse Farben (unten): Mit den Viking-Patronen dagegen wirkt das Obst eher kraftlos und die Trompete hat kaum Glanz.

Die Zweifel sind berechtigt. „Originale“ bieten nicht automatisch die beste Qualität, wie unser Test zeigt. Wir haben Originaltinten der Druckerhersteller Epson, Canon und HP mit Konkurrenzangeboten aus der „Tintenbranche“ wie Pelikan und Co. verglichen – und zwar die Qualität der Ausdrucke, die Handhabung und die Umwelteigenschaften: Während das Canon-Set insgesamt nur „befriedigend“ abschneidet, hat es gleich vier „gute“ Konkurrenten. Auch das Epson-Originalset ist „befriedigend“ und muss sich drei „guten“ Fremdanbieter-Tinten geschlagen ge­ben. Insgesamt liegen 11 von 16 geprüften Sets im test-Qualitätsurteil vor der Originalpatrone oder gleichauf. Nur die HP-Druckerpatronen deklassieren ihre „befriedigenden“ Mitbewerber klar mit ihrem „Gut“.

Originaltinten zu aufwendig verpackt

Druckerpatronen Test

Haltbar (oben): Mit Canon-Tinte gedrucktes Herbstlaub zeigt auch nach intensiver UV-Bestrahlung noch ansehnliche Farben.
Lichtscheu (unten): Mit der Viking-Tinte bleibt bei starkem Sonnenlicht nur Rot übrig. Die anderen Farben „verschwinden“.

Das gilt auch für die Qualität der Ausdrucke. Allein HP kann sich da von der Konkurrenz absetzen. Die anderen Originalpatronen dagegen liefern nicht die besten Ausdrucke, etliche Tintensets von Zweitanbietern sind mit ihnen vergleichbar. Dazu kommt: Auch bei den Umwelteigenschaften und der Handhabung überzeugen die Originale nicht. Denn die drei Druckerhersteller Canon, Epson und HP liefern ihre Patronen in unnötig großen Verpackungen. So ist beispielsweise die Packung der Buntpatrone von HP 8,5-mal größer als die Patrone selbst. Viele Fremdpatronen sind da besser.

Zusätzlich steckt die teure Ware in aufwendigen Folien, teils ohne Aufreißer – entsprechend umständlich ist das Auspacken. Deshalb haben Canon, Epson und HP für „Auspacken und Einsetzen der Patrone“ ein „Mangelhaft“ kassiert und schneiden somit in der Handhabung nur „ausreichend“ ab.

Bis zu 70 Prozent sparen

Das Beste an den Prüfergebnissen: Wenn die Qualität stimmt, zählt nur noch der Preis. Und da punkten die qualitativ gleichwertigen Fremdanbieter-Patronen einfach mit den niedrigeren Kosten: Sie bieten nämlich deutliche Ersparnisse von bis zu 70 Prozent. Das zeigt sich nicht nur am billigen Kaufpreis. Aussagekräftiger ist, wie viele Seiten sich mit der Patrone ausdrucken lassen.

Um die wirkliche Ersparnis herauszubekommen, haben wir die Druckkosten pro Seite auf Basis des mittleren Kaufpreises und der gedruckten Seitenzahl berechnet. Während eine Textseite auf dem Canon-Drucker im Test zum Beispiel mit der Canon-Patrone rund 5 Cent kostet, sind es mit KMP nur 2 Cent. Ein Farbfoto verursacht mit Canon-Tinte Kosten von etwa 69 Cent, bei KMP sind es nur 30 Cent.

Wenig Auswahl bei HP

Ein fast ebenso großes Sparpotenzial können auch Besitzer von Epson-Druckern nutzen. Diese frohe Botschaft gilt aber nicht für HP-Drucker. Hier sind die Ersatzpatronen nicht nur schlechter als das Original, sondern bieten auch nur eine geringe Ersparnis. Das liegt wohl vor allem an der begrenzten Auswahl von Fremdpatronen für HP-Drucker. Denn anders als bei Canon und Epson dürfen die Tintentanks nicht einfach dem Original nachgebaut werden. Stattdessen befüllen die Zweitanbieter leere Originale mit ihrer Tinte. Somit sind sie auf die Originale angewiesen. Wer mitwirken will, dass die Auswahl an (billigeren) Zweitanbietertinten für HP größer wird, sollte seine leeren Originaltanks nicht an HP zurückschicken, sondern sie direkt an die Zweitanbieter senden oder in deren spezielle Sammelboxen im Handel werfen.

Übrigens: Um die Garantie für den Drucker müssen sich Nutzer von Fremdanbieterpatronen keine Sorgen machen, die Garantie verfällt deswegen nicht. Es kann nur Probleme geben, wenn ein Schaden nachweislich durch die Fremdpatrone verursacht wurde. Aber selbst dann hat der Nutzer immer noch die Möglichkeit, sich an den Hersteller der Zweitpatrone zu wenden.

Tintennachfüll-Shop als Alternative?

Sparmöglichkeit Nummer eins bei den Tintenkosten ist das Selbstnachfüllen. Da Ungeübte hier aber nicht nur an Tintenspritzern verzweifeln, geht der kostenbewusste Druckerbesitzer in einen Nachfüllladen. Solche Shops mit echten „Tintenprofis“ sind vielerorts zu finden. Aber für Tanks von Epson- und Canon-Druckern lohnt sich der Besuch im Nachfüllgeschäft meist nicht. Zwar ist es günstiger, nachfüllen zu lassen, als die Originalpatronen von Epson oder Canon zu kaufen. Doch für den Preis, den die Profis verlangen, gibts schon vorkonfektionierte Patronen von Zweitanbietern wie Geha.

Anders sieht es bei HP-Druckern aus: Hier senkt der Besuch bei der Nachfüll-station die Kosten gegenüber Patronen von Zweitanbietern noch mal um rund 40 Prozent. Dann gilt: Wählen Sie einen Laden, der einen Probedruck macht.

So drucken Sie garantiert sparsam

  • Druckerkauf. Denken Sie schon beim Druckerkauf an die Tintenkosten.
  • Schreibwarenabteilung. Patronen von Zweitanbietern gibts oft auch in Schreibwarenabteilungen und -läden zu kaufen.
  • Internethandel. Bei Druckertinte lohnt sich die Internetrecherche. Vor allem für ganz neue Drucker gibt es im Handel anfangs oft noch keine Fremdpatronen.
  • Einsetzen. Packen Sie die Patrone erst kurz vor dem Einsetzen aus. Liegt sie länger ungeschützt herum, trocknet sie aus.
  • Tintenmangel. Viele Drucker warnen zu früh vor Tintenmangel. Beobachten Sie aufmerksam, ob sich die Druckqualität wirklich verändert. Erst wenn sie sichtbar nachlässt, sollten Sie eine neue Patrone einsetzen – dann allerdings umgehend.
  • Druckerwarnung. Die Druckeranbieter empfehlen eigene Patronen. Viele Epson Drucker weisen beim ersten Druckvorgang auf die „Fremdpatrone“ hin, die sie dank des eingebauten Chips erkennen. Ignorieren Sie die Meldung.
  • Reinigung. Nur falls der Drucker länger nicht genutzt wurde, ist ein Reinigungslauf sinnvoll. Ansonsten sollten Sie ihn nicht starten, er verbraucht unnötig Tinte.
  • Leere Patronen. Sie gehören nicht in den Hausmüll. Wer leere Originale an Zweitanbieter schickt, bekommt dafür oft sogar Prämienpunkte.

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