Drohne und Haft­pflicht­versicherung

Für Drohnenpiloten gilt Versicherungs­pflicht. Mit der richtigen Privathaft­pflicht­versicherung erfüllen sie diese.

Ein Mann verliert die Kontrolle über seine 1,2 Kilogramm schwere Drohne. Sie fliegt außer Sicht­weite und kommt auf einer Kilo­meter entfernten Auto­bahn herunter. Das Gerät prallt mit einem Auto zusammen. Da ist kein böser Traum, sondern so im Januar 2017 passiert, auf der Auto­bahn A 99 bei München. Die Sache ging glimpf­lich aus. Nur der Pkw ist durch die Kollision mit der Drohne beschädigt, die Insassen blieben unver­letzt.

Nach einem Presseaufruf der Polizei meldete sich der Drohnenpilot. Ob er eine Versicherung hatte, die den Schaden am Auto schließ­lich über­nahm, ist nicht bekannt. Der Fall macht deutlich, wie wichtig eine Versicherung ist, die Drohnenschäden absichert. Denn laut Gesetz gilt: Der Halter einer Drohne haftet, selbst wenn er die Kontrolle über die Drohne ohne Schuld verloren hat.

Brauche ich wirk­lich für jede Drohne Haft­pflicht­schutz?

Ja. Das ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. Eine privat genutzte Drohne gilt als Flugmodell und gehört recht­lich zur Gattung der Luft­fahrt­zeuge. Nach Paragraf 43 des Luftverkehrsgesetzes müssen Halter von Luft­fahr­zeugen eine Haft­pflicht­versicherung abschließen. Halter der Drohne ist in der Regel der Eigentümer des Geräts. Die Versicherungs­pflicht ist nicht neu, sie gilt bereits seit 2005. Angesichts gestiegener Verkaufs­zahlen gewinnt sie aber zunehmend an Bedeutung. Die Versicherungs­pflicht gilt unabhängig vom Gewicht der Drohne, also auch für eine 100-Gramm-Drohne. Nur wenn Sie Ihre Drohne ausschließ­lich in geschlossenen Räumen benutzen, brauchen Sie keine Versicherung.

Muss ich eine spezielle Drohnen­versicherung abschließen?

Nein, nicht unbe­dingt. Sie haben grund­sätzlich zwei Möglich­keiten: Sie können eine Privathaft­pflicht­versicherung abschließen, die auch Drohnen­schutz beinhaltet. Oder aber Sie schließen eine spezielle Drohnenhaft­pflicht­versicherung ab. Mit beiden Versicherungs­arten erfüllen Sie ihre gesetzliche Versicherungs­pflicht. Wer seine Drohne ausschließ­lich privat nutzt und sie vielleicht allenfalls mal seinen Kindern über­lässt, dem wird in der Regel eine Privathaft­pflicht­versicherung reichen. Diese sind oftmals auch güns­tiger als spezielle Drohnenhaft­pflicht­versicherungen. Wer aber seine Drohne auch gewerb­lich nutzt, weil er die mit der Drohne geschossenen Fotos verkauft, braucht die spezielle Drohnenhaft­pflicht.

Bietet meine alte Privathaft­pflicht­versicherung Sicherheit?

Viele alte Verträge enthalten diesen Schutz nicht, neuere zum Teil schon. Ob eine alte Police Drohnenschäden versichert, ist für Laien nicht immer ganz einfach zu erkennen. Die Drohne ist recht­lich ein „Flugmodell“. Viele alte Verträge versichern aber zum Beispiel nur „Flugmodelle ohne Motoren“. Da Drohnen einen Motor besitzen, haben Kunden mit einer solchen Police keinen Schutz. Wer einen alten Privathaft­plicht­vertrag besitzt, fragt daher besser bei seinem Anbieter nach, ob die Drohne versichert ist. Lassen Sie sich den Schutz schriftlich bestätigen.

Versichert eine Privathaft­pflicht­versicherung auch die Gefähr­dungs­haftung?

Einige Drohnen­besitzer haben Zweifel, ob eine Privathaft­pflicht­versicherung Schutz für die strenge Haftung des Drohnenhalters bieten kann (Gefährdungshaftung nach Paragraf 33 Luftverkehrsgesetz). Das Ergebnis unserer jüngsten Unter­suchung zur Privathaft­pflicht­versicherung sagt etwas anderes (zum Vergleich der Privathaftpflichtversicherungen). Eine Privathaft­pflicht­versicherung über­nimmt grund­sätzlich all diejenigen Schäden, die der Versicherte bei seinen privaten Tätig­keiten ange­richtet und für die er nach einem gesetzlichen Haftungs­tatbestandes einzustehen hat. Die strenge Gefähr­dungs­haftung nach Paragraf 33 Luft­verkehrs­gesetz kann deshalb über die Privathaft­pflicht­versicherung abge­deckt sein, wenn der Versicherer im Klein­gedruckten keine Einschränkungen macht.

Wie unser Test gezeigt hat, über­nehmen einige Privathaft­pflicht­tarife ausdrück­lich auch Drohnenschäden. Sie machen zwar Einschränkungen, indem sie zum Beispiel nur Drohnen bis zu 2 Kilogramm versichern. Aber sie schließen den Schutz für die Gefähr­dungs­haftung gerade nicht aus. Vielleicht wird das in Zukunft einmal so sein, wenn die Unfälle mit Drohnen Millionenschäden anrichten. Noch jedenfalls können sich Privatnutzer über eine Privathaft­pflicht­versicherung schützen.

Wichtig: Damit Sie auch stets über die Privathaft­pflicht­versicherung geschützt sind, ist es wichtig, dass Sie die Drohne tatsäch­lich nur privat benutzen. Sobald Sie mit den Drohnen­aufnahmen Geld verdienen, könnte das eine gewerb­liche Tätig­keit sein. Kommt es bei solchen Drohnen­aufnahmen zu einem Schaden, wären Sie über die Privathaft­pflicht­versicherung nicht geschützt. Außerdem müssen Sie die strengen Regel beim Fliegen beachten, etwa das Flug­verbot in der Nähe von Flughäfen und Hubschrauber­landeplätzen.

Benötige ich eine neue Privathaft­pflicht­versicherung?

Nur wenn Ihre alte Versicherung diesen Schutz noch nicht bietet. Privathaft­pflicht-Angebote inklusive Drohnen­schutz finden Sie im Test Private Haftpflichtversicherung, Finanztest 10/2017. Die Angebote sind in der Tabelle (Einzel­produkt­ansicht, Spalte „Drohnen“) mit ja markiert. Beachten Sie: Die Verträge geben oft unterschiedliche Gewichts­grenzen vor. In der Tabelle sind alle Tarife markiert, die wenigs­tens Drohnen bis zum Gewicht von 250 Gramm versichern. Die besten Privathaft­pflicht­tarife mit Drohnen­schutz kommen von der Basler Versicherung (Ambiente Top, 82 Euro Jahres­beitrag) und der VHV (Klassik-Garant Exklusiv, 92 Euro). Beide versichern Drohnen bis zum Gewicht von 5 Kilogramm.

Ist ein Freund versichert, wenn ich ihm meine Drohne leihe?

Nein, über eine Familien-Privathaft­pflicht­versicherung sind nur Sie, Ihr Partner und Ihre Kinder versichert. Ihr Freund benötigt eine eigene Versicherung, es sei denn Sie haben eine Drohnen-Haft­pflicht­versicherung abge­schlossen. Solche Spezial­policen zahlen meist auch, wenn Sie das Gerät einem Freund leihen und dieser einen Schaden verursacht.

Was bieten Drohnen-Haft­pflicht­versicherungen sonst noch?

Auch mit diesen Spezial­policen können Sie Ihre Versicherungs­pflicht erfüllen. Sie sind zum Teil teurer als allgemeine Privathaft­pflicht­versicherungen, bieten aber auch mehr. Während eine Privathaft­pflicht­versicherung die gewerb­liche Nutzung einer Drohne nicht abdeckt, ist das bei Spezial­angeboten möglich. Ein Privathaft­pflicht­vertrag versichert Drohnen bis maximal 5 Kilogramm, einige Tarife sogar nur bis 100 oder 250 Gramm. Eine Spezial­police versichert auch schwerere Geräte. Drohnenschäden sollten mit einer Versicherungs­summe von mindestens 10 Millionen Euro abge­sichert sein. Spezial­policen mit Schutz für die private und die gewerb­liche Nutzung sind recht teuer. Sie kosten schnell mehrere Hundert Euro pro Jahr.

Sichern spezielle Drohnen-Haft­pflicht­versicherungen auch Schäden an der Drohne selbst ab?

Nein. Wenn Sie das Gerät selbst versichern wollen, benötigen Sie wie beim Auto eine Kasko­versicherung. Solche Luft­fahrt-Kasko­versicherungen ersetzen dem Drohnen­besitzer in der Regel den Neuwert des Geräts, wenn es kurz nach dem Kauf zu einem Totalschaden kommt. Später – zum Beispiel ein Jahr nach Kauf – ersetzen sie nur noch den Zeit­wert des Geräts.

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