Drohnen Special

Drohnen lassen sich einfach navigieren und sind günstig zu haben. Kein Wunder, dass die kleinen, unbe­mannten Flugkörper bei Privatleuten immer beliebter werden. Es gibt aber auch einige Regeln zu beachten. So brauchen Eigentümer einer Drohne mit mehr als zwei Kilogramm Gewicht seit Oktober einen „Drohnen-Führer­schein“. Ebenfalls wichtig: Für Drohnenpiloten besteht Versicherungs­pflicht! Unser Special erklärt, welche Rechte und Pflichten Hobby­piloten haben.

Boom beim Drohnen­verkauf

Der Verkauf von kleinen, fern­gesteuerten Fluggeräten für den Privatgebrauch boomt in Deutsch­land. Sie machen Spaß – und Fotofreunde können mit den kleinen Drohnen attraktive Fotos und Videos aus der Vogel­perspektive machen. Zu haben sind die unbe­mannten Luft­fahr­zeuge schon ab 20 Euro. Was mit den kleinen Fliegern alles möglich ist, zeigt der Schnelltest der Parrot AR Drone. Beim Herum­fliegen gibt es allerdings auch einiges zu beachten.

Tipp: Unsere italienischen Kollegen von der Zeit­schrift HiTest haben Drohnen getestet. Die Ergeb­nisse finden Sie in unserem Special Drohnen: Was können die fliegenden Kameras?

Welche Varianten gibt es?

Quadrocopter: Flugspaß mit der Drohne

Eine Drohne im Schnell­test.

Fern­gesteuerte Multicopter, umgangs­sprach­lich oft als zivile Drohnen bezeichnet, erfreuen sich einer rasch wachsenden Fangemeinde. Einigermaßen brauch­bare Modelle sind bereits für weniger als 100 Euro zu haben. War das Navigieren von fern­gesteuerten Modell­hubschraubern bis vor einigen Jahren nur erfahrenen Spezialisten vorbehalten, kann die aktuelle Generation von Multicoptern bereits nach einer vergleichs­weise kurzen Übungs­phase auch von Flug­anfängern relativ problemlos gesteuert werden. Am verbreitetsten sind Quadrocopter: Dabei handelt es sich um Modelle mit vier Rotoren, von denen jeder aus zwei oder drei Blättern besteht. Es gibt auch Modelle mit noch mehr Rotoren.

Das Drohnen-Einmal­eins

Haft­pflicht­versicherung. Wenn Sie eine Drohne benutzen möchten, schließen Sie vor dem ersten Start unbe­dingt eine entsprechende Haft­pflicht­versicherung ab. Das ist Pflicht.

Erlaubnis. Nur Drohnen, die bis fünf Kilogramm wiegen, dürfen ohne behördliche Erlaubnis geflogen werden.

Nach­bargrund­stück. Wenn Sie Ihre Drohne außer­halb Ihres eigenen Grund­stücks fliegen lassen, informieren Sie sich vorher darüber, ob das erlaubt ist.

Flug­verbots­zonen. Fliegen Sie nie in Flug­verbots­zonen. Vor allem im Umfeld eines Flughafens oder Hubschrauber­lande­platzes ist das Steuern einer Drohne oft verboten.

Fotos mit Drohnen. Respektieren Sie die Privatsphäre Ihrer Mitmenschen und fotografieren Sie diese nur mit deren Einverständnis. Fotos von Menschen dürfen in der Regel nur dann veröffent­licht werden, wenn diese zustimmen.

Polizei. Wenn Sie sich von einer Drohne in Ihrer Privatsphäre belästigt oder bedroht fühlen, handeln Sie nicht in Selbst­justiz, sondern rufen Sie die Polizei.

Drohne kaufen und los gehts oder was?

Einfach in den Elektronik-Markt gehen, ein Modell aussuchen, bezahlen, das Gerät im nächsten Park auspacken, losfliegen und dann aus der Luft die Nach­barschaft abfotografieren – das sollten sich Drohnen-Frei­zeitpiloten verkneifen. Die Nutzung von Drohnen unterliegt zahlreichen Auflagen und Beschränkungen, die Nutzer unbe­dingt kennen und beachten sollten. Sonst fliegen sie schnell in recht­liche Grau- und Verbots­zonen.

Was müssen Drohnenpiloten beachten?

Im April 2017 ist die Drohnen­ver­ordnung des Bundes­verkehrs­ministeriums in Kraft getreten („Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“). Sie gibt Regeln für Drohnenpiloten vor. Drohnen mit Kamera dürfen nicht über Wohn­gebieten fliegen. Es sei denn, die Eigentümer der über­flogenen Grund­stücke haben ausdrück­lich zuge­stimmt. Über dem eigenen Grund­stück sind solche Drohnen erlaubt. Über Menschen­ansamm­lungen und Einsatz­orten von Polizei und Rettungs­kräften sind Drohnen verboten. Das gilt auch im seitlichen Abstand von 100 Metern. Ab wann von einer Menschen­ansamm­lung gesprochen werden kann, sagt die neue Verordnung nicht.

Wie hoch darf meine Drohne fliegen?

Eine Drohne höher als 100 Meter zu fliegen, ist in der Regel verboten. Eine Ausnahme gilt zum Beispiel auf Modell­flugplätzen. Drohnen bis fünf Kilogramm dürfen nur auf Sicht­weite gesteuert werden. Das ist zum Beispiel erfüllt, wenn jemand eine Drohne bis 250 Gramm mit Video­brille steuert und unter 30 Metern Entfernung bleibt.

Wo darf ich fliegen?

Neben den allgemeinen Regeln (Drohne mit Kamera nicht über Wohn­gebiet, etc., siehe oben), müssen Sie auch örtliche Flug­verbots­zonen beachten. Oft ist das Steuern einer Drohne in Städten etwa in der Nähe von Hubschrauber­landeplätzen, Flughäfen und besonderen Orten nur einge­schränkt erlaubt. So gilt zum Beispiel in Berlin beim Reichs­tags­gebäude im Radius von etwa 5,6 Kilo­metern eine solche Verbotszone. Privat genutzte Drohnen dürfen dort nicht fliegen. Die Deutsche Flugsicherung DFS hat eine Handy-App entwickelt, die Drohnenpiloten auf solche Flug­verbots­zonen hinweist.

Benötige ich für eine rein privat genutzt Drohne eine Erlaubnis?

Grund­sätzlich nicht, aber es gibt Ausnahmen:

  • Behördliche Erlaubnis erforderlich: Sie benötigen etwa dann eine behördliche Erlaubnis, wenn Ihre Drohne schwerer als 5 Kilogramm ist oder Sie gern nachts fliegen möchten. Wenn Sie eine Erlaubnis benötigen, dann wenden Sie sich an die Landesluftfahrtbehörde Ihres Bundeslandes.
  • Kennt­nisnach­weis für Privatnutzer erforderlich: Seit dem 1. Oktober müssen alle Drohnenpiloten mit Geräten ab zwei Kilogramm Kennt­nisse in der Navigation der Drohne, sowie in Fragen des Luft­rechts und der örtlichen Luft­raum­ordnung nach­weisen. Das gilt nur dann nicht, wenn sie die Drohne ausschließ­lich auf Modell­flugplätzen mit Aufsichts­personal fliegen.

Wie erlange ich diese Kennt­nisse („Drohnen-Führer­schein“)?

Die Kennt­nisse können durch eines der drei folgenden Dokumente nachgewiesen werden:

  • Gültige Pilotenlizenz
  • Bescheinigung über eine bestandene Prüfung bei einer vom Luft­fahrt-Bundes­amt (LBA) anerkannten Stelle, etwa Airclip, Luftprofile oder Kopter-Profi (eine komplette Über­sicht findet sich auf der Website des LBA). Die Vorbereitungs­seminare und die Prüfung selbst können mehrere hundert Euro kosten.
  • Bescheinigung nach Einweisung vom Luft­sport­ver­ein: Die Vereine Deutscher Modellflieger Verband (DMFV) und Deutscher Aero Club führen Einweisungen für Drohnenpiloten durch. Dieses Angebot richtet sich an deren Mitglieder, kann jedoch auch von Nicht­mitgliedern wahr­genommen werden. Die Bescheinigung gilt für fünf Jahre. Für die Einweisung ist nach Angaben des Luftfahrt-Bundesamtes eine Gebühr von 25 Euro fest­gelegt. Hinzu kommen 7 Prozent Mehr­wert­steuer, so dass die Bescheinigung rund 27 Euro kostet.

Müssen Drohnen künftig wirk­lich gekenn­zeichnet werden?

Ja, das gilt seit Oktober 2017. Eigentümer einer Drohne mit mehr als 250 Gramm Gewicht müssen dann ihr Gerät kenn­zeichnen. Das bedeutet: an sicht­barer Stelle müssen Name und Anschrift stehen. Schilder zur Kenn­zeichnung von Drohnen können auch im Internet, zum Beispiel beim Deutschen Modellflieger Verband online bestellt werden.

Was passiert, wenn beim Fliegen ein Schaden entsteht?

Dann haften Sie als Halter auf jeden Fall, selbst wenn sie an dem Unfall persönlich keine Schuld trägt. Beispiel: Trägt der Wind eine Drohne fort, die dann auf einer viel befahrenen Straße nieder­geht und zu einer Massenkarambolage führt, sind Sie in der Haftung, obwohl Sie für die Wind­verhält­nisses an sich ja nichts können. Für den Halter gilt eine sogenannte verschuldens­unabhängige Haftung nach Paragraf 33 des Luftverkehrsgesetzes. Mehr zum Thema Haftung und Versicherung im folgenden Unter­artikel Drohne und Haftpflichtversicherung.

* Dieser Text ist erst­mals am 5. Juli 2014 auf test.de erschienen und wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 4. Oktober 2017.

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