Drohnen Meldung

Die kleinen, unbe­mannten Flugkörper werden bei Privatleuten immer beliebter. Drohnen lassen sich einfach navigieren und sind günstig zu haben. Neben dem Spaß gibt es aber auch Regeln und Risiken, die man beachten sollte. Hier lesen Sie alles über Rechte, Pflichten und Verbote für den Hobby­piloten.*

Boom beim Drohnen­verkauf

Der Verkauf von kleinen, fern­gesteuerten Fluggeräten für den Privatgebrauch boomt in Deutsch­land. Sie machen Spaß – und Fotofreunde können mit den kleinen Drohnen attraktive Fotos und Videos aus der Vogel­perspektive machen. Zu haben sind die unbe­mannten Luft­fahr­zeuge schon ab 20 Euro. Was mit den kleinen Fliegern alles möglich ist, zeigt der Schnelltest der Parrot AR Drone. Beim Herum­fliegen gibt es allerdings auch einiges zu beachten.

Tipp: Unsere italienischen Kollegen von der Zeit­schrift HiTest haben Drohnen getestet. Die Ergeb­nisse finden Sie in unserem Special Drohnen: Was können die fliegenden Kameras?

Welche Varianten gibt es?

Quadrocopter: Flugspaß mit der Drohne

Eine Drohne im Schnell­test.

Fern­gesteuerte Multicopter, umgangs­sprach­lich oft als zivile Drohnen bezeichnet, erfreuen sich einer rasch wachsenden Fangemeinde. Einigermaßen brauch­bare Modelle sind bereits für weniger als 100 Euro zu haben. War das Navigieren von fern­gesteuerten Modell­hubschraubern bis vor einigen Jahren nur erfahrenen Spezialisten vorbehalten, kann die aktuelle Generation von Multicoptern bereits nach einer vergleichs­weise kurzen Übungs­phase auch von Flug­anfängern relativ problemlos gesteuert werden. Am verbreitetsten sind Quadrocopter: Dabei handelt es sich um Modelle mit vier Rotoren, von denen jeder aus zwei oder drei Blättern besteht. Es gibt auch Modelle mit noch mehr Rotoren.

Drohne kaufen und los gehts oder was?

Einfach in den Elektronik-Markt gehen, ein Modell aussuchen, bezahlen, das Gerät im nächsten Park auspacken, losfliegen und dann aus der Luft die Nach­barschaft abfotografieren – das sollten sich Drohnen-Frei­zeitpiloten verkneifen. Die Nutzung von Drohnen unterliegt zahlreichen Auflagen und Beschränkungen, die Nutzer unbe­dingt kennen und beachten sollten. Sonst fliegen sie schnell in recht­liche Grau- und Verbots­zonen.

[Update 17.02.17] Strengere Regeln für Drohnenpiloten

Für Drohnen- und Modell­flug­zeugpiloten gelten demnächst strengere Vorschriften als bisher. Das Bundes­kabinett hat eine entsprechende Verordnung beschlossen, der Bundes­rat muss noch zustimmen. Ziel ist eine Verbesserung der Sicherheit und des Schutzes der Privatsphäre, so das Bundes­ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Um Besitzer in einem Schadens­fall einfacher ermitteln zu können, muss an Flug­objekten mit mehr als 250 Gramm Gewicht künftig eine Plakette mit Namen und Adresse angebracht werden. Wer eine mehr als 2 Kilogramm schwere Drohne steuern möchte, braucht einen Kennt­nisnach­weis durch eine Prüfung, quasi einen „Drohnen­führer­schein“. Wenn ihre Drohne mehr als 250 Gramm wiegt oder eine Kamera an Bord hat, dürfen Hobby­piloten mit ihrem Fluggerät nicht über Wohn­grund­stücke fliegen. Auf der Website des Bundesverkehrsministeriums finden Sie weitere Informationen. [Ende Update]

Wann ist die Drohne ein „unbe­manntes Luft­fahrts­ystem“?

Der Gesetz­geber unterscheidet bei fern­gesteuerten Fluggeräten wie Drohnen zwischen „Flugmodellen“ und „unbe­mannten Luft­fahrts­ystemen“. Diese Unterscheidung ist für Hobby­piloten von entscheidender Bedeutung, weil für die Nutzung dieser beiden Drohnen­arten unterschiedliche Vorschriften und Bedingungen gelten. Der Betrieb von „Flugmodellen“ unterliegt im Allgemeinen weniger Einschränkungen. Die Abgrenzung zwischen unbe­mannten Flugmodellen und unbe­mannten Luft­fahrts­ystem erfolgt laut Definition des Bundes­ministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur „ausschließ­lich über den Zweck der Nutzung: Dient die Nutzung des Geräts dem Zwecke des Sports oder der Frei­zeit­gestaltung, so gelten die Rege­lungen für Flugmodelle. Ist mit dem Einsatz hingegen ein sons­tiger, insbesondere gewerb­licher Nutzungs­zwecks verbunden (z. B. Bild­aufnahmen mit dem Ziel des Verkaufs), so handelt es sich um ein unbe­manntes Luft­fahrts­ystem.“

Wann ist meine Drohne ein Flugmodell?

Der große Vorteil von Flugmodellen: Ihr Betrieb ist im Gegen­satz zu unbe­mannten Flug­systemen nicht „erlaub­nispflichtig“. Damit eine Drohne als Flugmodell einge­stuft wird, muss sie noch zwei weitere Bedingungen erfüllen: Sie darf nicht mehr als fünf Kilogramm wiegen und muss von einem Elektromotor angetrieben sein. Ein Verbrennungs­motor ist nicht zulässig. Modelle mit diesen Eigenschaften sind bei Hobby­piloten die beliebtesten und machen den weit­aus größten Teil der verkauften Drohnen aus. Dass ihr Betrieb „nicht erlaub­nispflichtig“ ist, heißt allerdings noch lange nicht, dass damit über­all geflogen werden darf. Dazu später mehr.

Ist eine spezielle Versicherung notwendig?

In der Regel: ja. Darum ganz wichtig vor dem ersten Start: den Versicherungs­schutz prüfen! Denn verursacht ein Frei­zeit­kapitän mit seiner Drohne einen Schaden, beispiels­weise durch einen Absturz, muss er dafür einstehen. Seit 2005 ist eine Haft­pflicht­versicherung für unbe­mannte Flug­objekte Pflicht. Solange es sich dabei um reines Spielzeug handelt, kann der Schutz einer privaten Haft­pflicht­versicherung möglicher­weise ausreichen. Allerdings ist recht­lich nicht eindeutig geklärt, welche Flug­objekte als Spielzeug gelten und welche nicht. Bevor sie ihre Drohne das erste Mal in die Luft steigen lassen, sollten Nutzer mit ihrer Versicherung unbe­dingt klären, ob sie eine Zusatz­versicherung abschließen müssen oder nicht. In den meisten Fällen dürfte dies der Fall sein. Entsprechende Zusatz­versicherungen sind ab etwa 40 Euro zu haben.

Wann ist eine Aufstiegs­genehmigung erforderlich?

Generell gilt, dass bei einer Nutzung für gewerb­liche Zwecke und für Drohnen mit mehr als fünf Kilogramm Gewicht eine sogenannte Aufstiegs­genehmigung der zuständigen Landes­luft­fahrt­behörde notwendig ist. Eine Aufstiegs­genehmigung wird entweder für Einzel­flüge erteilt oder für einen befristeten Zeitraum, beispiels­weise von zwei Jahren. Solche Genehmigungen sind gebühren­pflichtig und können mehrere 100 Euro kosten. Die Höhe der Gebühren ist von Bundes­land zu Bundes­land unterschiedlich. Wer eine Aufstiegs­genehmigung beantragt, muss unter anderem seine persönliche Eignung zum Steuern der Drohne nach­weisen. Zudem muss der Pilot belegen, dass er eine passende Haft­pflicht­versicherung abge­schlossen hat. Manche Bundes­länder erkennen die Aufstiegs­genehmigungen aus anderen Bundes­ländern an, andere nicht. Weiterführende Informationen und oft auch die entsprechenden Antrags­formulare sind bei den jeweiligen Landes­luft­fahrt­behörden erhältlich. Kontakt­adressen der Landes­luft­fahrt­behörden finden Sie unter folgendem Link auf der Internetseite des Luftfahrt-Bundesamtes.

Wer darf Hobby­drohnen steuern?

„Zu Zwecken des Sports oder der Frei­zeit­gestaltung“ darf im Grunde jeder eine elektrisch angetriebene Drohne unter fünf Kilogramm Gewicht steuern, auch Kinder und Jugend­liche. Ein Führer­schein, spezielle Genehmigungen oder Schu­lungen sind dafür nicht notwendig: Wie gesagt: Immer voraus­gesetzt, die Drohne wird nicht zu kommerziellen Zwecken benutzt. Angesichts der Risiken sollten Kinder und Jugend­liche Drohnen nur unter Aufsicht Erwachsener lenken. Selbst­redend sollten Drohnen nie unter Alkohol- oder Drogen­einfluss gesteuert werden.

Wo ist Fliegen mit Drohnen problemlos möglich?

Am unpro­blema­tischsten können Frei­zeitpiloten ihrem Hobby auf ausgewiesenen Modell­flugplätzen und auf dem eigenen Grund­stück nachgehen – voraus­gesetzt, sie wohnen nicht in einer ausgewiesenen Flug­verbots­zone wie beispiels­weise in unmittel­barer Nähe eines Flughafens (siehe nächster Absatz). Jenseits von voyeuristischen Absichten können Haus­besitzer beispiels­weise mittels ihrer Fotodrohne den Zustand des Daches ihres Eigenheims über­prüfen. Andern­orts ist das Flug­vergnügen oft nicht so einfach möglich. Von fremdem Grund darf eine Drohne grund­sätzlich nur mit Einwilligung des Eigentümers gestartet werden. Gleiches gilt für die Landung.

Wo gibt es unkontrollierten Luft­raum?

Grund­sätzlich zulässig ist Drohnen­flug nur im sogenannten unkontrollierten Luft­raum. Wo sich solche Zonen befinden, ist auf den Luft­raumkarten der Interna­tionalen Zivil­luft­fahrt-Organisation ICAO ersicht­lich. In diese Karten sollte jeder Hobby­pilot schauen, bevor er seine Drohne startet. Die Karten sind über den (Online-)Buch­handel erhältlich oder können auf dem Portal der deutschen Flugsicherung einge­sehen werden. Dazu muss man sich allerdings vorher registrieren und einloggen.

Wo darf grund­sätzlich nicht geflogen werden?

Das ist ein weites Feld, die Liste der Verbots­zonen für Drohnen ist lang. Generell gilt ein Flug­verbot im Umkreis von 1,5 Kilo­metern um die interna­tionalen deutschen Flughäfen. Auch über das Regierungs­viertel, über Atom­kraft­werke, Menschen­ansamm­lungen, Wohn­gebiete, Industrie­anlagen, Katastrophen­gebiete, Unfall­stellen und militärische Anlagen dürfen keine Privatdrohnen fliegen. Die Bestimmungen sind in den einzelnen Bundes­ländern nicht einheitlich. Hamburg gilt beispiels­weise generell als Flug­verbots­zone für Drohnen, in Berlin benötigen Hobby­piloten nahezu stadt­weit eine Aufstiegs­genehmigung. Ebenso sind beispiels­weise in Hannover, Frank­furt, Leipzig, Köln, Dresden, Düssel­dorf und Dort­mund große Teile des Stadt­gebiets generell Flug­verbots­zonen. In den Stadt­staaten Berlin, Bremen und Hamburg sowie in den Bundes­ländern Rhein­land-Pfalz und Baden-Württem­berg sind die Bestimmungen im Allgemeinen am strengsten.

Wie hoch und weit dürfen Drohnen fliegen?

Hobby­piloten in Deutsch­land dürfen ihre Drohne ausschließ­lich über Sicht­kontakt steuern. Das setzt der maximal möglichen Entfernung natürliche Grenzen: Bei 200, 300 Metern Entfernung sind die Grenzen der Sicht­reich­weite spätestens erreicht. Optische Hilfs­mittel wie Fern­gläser und Nachts­icht­geräte oder die Steuerung der Drohne über eine Bordkamera mit Live­stream-Funk­tion sind nicht zulässig. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Hobby­piloten ihre Drohnen nicht höher als 100 Meter aufsteigen lassen.

Ministerium will Miss­brauch eindämmen

Das Bundes­ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) plant neue Rege­lungen für Drohnen. In der zunehmenden Beliebtheit der Flugmodelle sieht das Ministerium neue Gefähr­dungs­potenziale, zum Beispiel durch Kollisionen oder Abstürze. Künftig sollen alle Drohnen, die mehr als ein halbes Kilogramm wiegen, kenn­zeichnungs­pflichtig sein – unabhängig davon, ob sie privat oder gewerb­lich genutzt werden. Die Registrierung soll sicher­stellen, dass sich nach einem Miss­brauch der Eigentümer identifizieren lässt. „Zu Zwecken des Sports oder der Frei­zeit­gestaltung“ dürfen bislang sogar Minderjäh­rige Drohnen bis fünf Kilogramm Gewicht steuern. Wann die neuen Rege­lungen in Kraft treten sollen, konnte das BMVI auf Nach­frage von test.de jedoch nicht beant­worten.

* Dieser Text ist erst­mals am 5. Juli 2014 auf test.de erschienen und wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 20. Januar 2016 und am 17. Februar 2017. Über die geplanten gesetzlichen Änderungen werden wir Sie hier an dieser Stelle informieren, sobald der Bundes­rat entsprechende Beschlüsse gefasst hat.

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