Dreiländerfonds-Beteiligungen Meldung

Das Landgericht Hannover hat den Finanzdienstleister AWD in zwei Fällen zur Entschädigung von Kunden verurteilt. Beide Kunden hatten auf Anraten von Vermittlern des AWD zwischen 1995 und 1996 einen Vertrag über einen geschlossenen Immobilienfonds, den so genannten Dreiländerfonds 94/17 (DLF), abgeschlossen. Dabei seien sie von den Beratern vor Vertragsabschluss nicht über bereits vorhandene negative Presseberichte zu dem Fonds informiert worden, argumentierten die Anleger und erhielten Recht (Az. 13 O 3037/01 und Az. 13 O 2250/01) Nach Bekanntwerden der Urteile gab der Kurs der AWD-Aktie zunächst nach.

Der AWD muss den Anlegern nun die eingesetzten Anlagesummen in Höhe von 65.000 beziehungsweise 50.000 Mark ersetzen. Sollte die Berufung des AWD gegen die Urteile erfolglos bleiben, könnten sie Signalwirkung haben und zum echten Problem für den AWD werden: Denn der Finanzdienstleister vermittelte rund 14.000 Beteiligungen im Wert von 700 Millionen Mark am DLF 94/17 der Stuttgarter Fondsgesellschaft Kapital Consult. Wie berichtet, werfen viele Anleger dem AWD und der Kapital Consult vor, sie vor Abschluss der Fondsverträge falsch beraten zu haben.

Der Fonds investiert in Immobilien in Deutschland, den USA sowie in ein Schweizer Wertpapierdepot. Derzeit klagen sieben weitere Anleger auf Schadenersatz gegen den AWD.

Der DLF 94/17 und zwei weitere Dreiländerfonds waren vor allem durch die Pleite des Musical-Veranstalters Stella bei einem großen Stuttgarter Immobilienprojekt in Schwierigkeiten geraten. Anleger des DLF 94/17 erhielten daraufhin 1999 reduzierte, im Jahr 2000 gar keine Ausschüttungen. Für 2001 sollen sie 2,5 Prozent statt der im Prospekt in Aussicht gestellten 7 Prozent Ausschüttung erhalten.

Die Probleme der DLFs verzögerten auch den Börsengang des AWD im Herbst 2000, weil mögliche Haftungsrisiken aus der Fondsvermittlung nicht im Verkaufsprospekt standen und nachgetragen werden mussten. Schließlich wurde das Risiko mit nur vier Millionen Mark im Börsenprospekt veranschlagt.

Nach Ansicht des AWD werden die Urteile keinen Bestand haben, da sie sich auf einen vom Bundesgerichtshof 1993 entschiedenen Fall stützten, der mit den vorliegenden Fällen nicht vergleichbar sei.

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