Dreiländerfonds Meldung

Die Anwalts­kanzlei Müller, Boon, Dersch aus Jena beschreitet einen ungewöhn­lichen Weg, um Anlegern zu helfen, die Geld in schlecht laufende Dreiländer­fonds investiert haben: Die Anwälte wollen die Treu­händerin der maroden geschlos­senen Immobilien­fonds absetzen. Das geht auf einer außer­ordent­lichen Gesell­schafter­versamm­lung, wenn genügend Anleger die Aktion unterstützen.

Treuhänderin für mangelhafte Aufklärung mitver­antwort­lich

Die Anwälte werfen der Treu­hand­gesell­schaft ATC des Stutt­garter Anbieters ­Kapital Consult vor, für die mangelhafte Aufklärung zu den Dreiländerfonds (DLF) mitver­antwort­lich zu sein. Zudem kassiere sie Millionen­beträge pro Jahr. Deshalb wolle die Kanzlei Gesell­schafter­versamm­lungen für alle Dreiländerfonds einberufen, um den Austausch der Treuhänderin und die Neubeset­zung der Beiräte zu beschließen. Hierfür seien je nach Fonds 10 bis 30 Prozent der Anleger­stimmen notwendig.

Kosten sollen gesenkt werden

Sobald die Treuhänderin abge­löst ist, wollen die Anwälte die verbliebenen Immobilien­werte sichern und die hohen Treuhänder­kosten reduzieren. Außerdem wollen sie Schaden­ersatz­ansprüche von Anlegern sichern. Zur Begründung des Vorgehens gegen die Treuhänderin, heißt es in dem Schreiben der Kanzlei, dass ein Groß­teil der von Anlegern in den Fonds einge­zahlten 1,3 Milliarden Mark vernichtet worden sei. So sei einem Anleger der Kanzlei 2005 mitgeteilt worden, dass der Abfindungs­wert für seine Einlage nur noch 32 Prozent betrage.

Verluste durch hohe Kosten

Die hohen Verluste der verschiedenen DLFs wurden nach Ansicht von Anwalt Müller vor allem durch die hohen Kosten verursacht. Mehr als 25 Prozent des Anlegergeldes sei für Kosten der Fonds ausgegeben und nicht investiert worden. Treuhänderin, Vertrieb und der Initiator, Walter Fink, hätten den Groß­teil dieser Kosten vereinnahmt. Über die Auswirkungen der hohen Kosten für den Erfolg der Investition seien Anleger falsch informiert worden.

Was die Fonds heute noch wert sind

Finanztest hat beim Stutt­garter Anbieter der Fonds nachgefragt, was Anleger für ihre Fonds Auseinander­setzungs­guthaben erhalten würden. Die Tabelle Abfindungswerte Laut Anbieter zeigt, welche Werte die einzelnen Fonds aus Sicht der KC Verwaltungs GmbH haben. Welche Kauf­preise die einzelnen Fonds am Zweitmarkt erzielen, zeigt die Tabelle Kursangebote an der Börse. Für die teil­weise gravierenden Abweichungen der Abfindungs­werte zu den Kursen an der Zweitmarkt­börse macht die KC die sehr geringe Anzahl an tatsäch­lich durch­geführten Trans­aktionen verantwort­lich. Zudem gebe es nur einen sehr geringen Handel. Auch würden sich die Kauf­gebote stark an laufenden Ausschüttungen der jeweiligen Fonds orientieren, weniger an der tatsäch­lichen Substanz der Vermögens­werte. Wie mehr­fach berichtet, wurden die Ausschüttungen der Fonds seit dem Jahr 2000 deutlich gegen­über der ursprüng­lichen Prognose reduziert.

Verjährung Ende 2011

Die Kanzlei Müller, Boon, Dersch kritisiert auch, dass mit Zustimmung der Treuhänderin, der ATC, der frühest­mögliche Kündigungs­zeit­punkts für alle DLFs, die bereits laut Vertrag künd­bar waren, auf den 31. Dezember 2013 verschoben wurde. Für diesen Beschluss habe es offen­bar nur deshalb eine Mehr­heit gegeben, weil die Treuhänderin für alle Anleger, die sich nicht an der Abstimmung beteiligten, das Stimm­recht ausgeübt habe. Die Verschiebung des Kündigungs­zeit­punkt, der mit Liquiditäts­engpässen und der Wirt­schafts­krise begründet wurde, ist nach Ansicht von Müller ein strategischer Schach­zug der KC Holding. Anleger würden so erst nach Ablauf der Verjährung das wahre Ausmaß ihrer Verluste erkennen. Für einen Schaden­ersatz­prozess sei es dann zu spät, weil die Ansprüche der Anleger Ende 1011 verjährten.

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