Die „Dr. Görlich Grund­besitzbe­teiligungs GmbH“ und ihr Geschäfts­führer Wolfgang Görlich aus Berlin müssen dem Görlich-Fonds „Am Amts­graben“ rund 200 000 Euro Schaden­ersatz zahlen. Das hat das Land­gericht Berlin entschieden. Der Grund: Dr. Görlich habe Geld veruntreut (Az. 20 O 724/04).

Als Geschäfts­führer der mitt­lerweile insolventen Dr. Görlich GmbH und zugleich als Geschäfts­besorger zahlreicher Immobilienfonds hatte Görlich ab 1998 Rück­lagen einzelner Fonds als Kredit an andere, von ihm verwaltete Fonds vergeben. Auch Geld des Fonds „Am Amts­graben“ war dabei. Das forderte dieser Fonds – nun unter Verwaltung der Aracon AG – erfolg­reich zurück.

Dr. Görlich hat Berufung einge­legt. Er hält das Urteil für falsch. Anhalts­punkte dafür gibt es: Staats­anwalt­schaft und ­General­staats­anwalt­schaft Berlin haben bereits fest­gestellt, dass die Darlehens­vergabe aus dem Pool­konto keine Untreue sei. So räumt Dr. Görlich gegen­über Finanztest nur ein, dass Anleger über die Darlehen­spraxis nicht zeit­nah und präzise genug informiert wurden. Zudem sei das Geld nie in Gefahr gewesen, eine Insolvenz der Nehmerfonds wegen der persönlichen Haftung der Anleger war nicht zu befürchten.

Diese Aussage aber ist sonderbar. Einem Fonds­anleger hat die Dr. Görlich Grund­besitzbe­teiligungs­gesell­schaft im Sommer 2005 mitgeteilt, dass die Kredite durch­aus der „Vermeidung einer möglichen Insolvenz von wirt­schaftlich notleidenden Fonds­gesell­schaften“ dienten.

[Update 28.12.2017]: Am 6. Dezember 2011 haben sich die streitenden Parteien vor dem Kammerge­richt Berlin auf einen Vergleich geeinigt (Az. 4 U 154/05). Danach verpflichtete sich der Insolvenz­verwalter der „Dr. Görlich Grund­besitzbe­teiligungs GmbH“, der Immobilienfonds­gesell­schaft „Am Amts­graben GbR“ 30 000 Euro zu zahlen. Dr. Wolfgang Görlich verpflichtete sich, 8 000 Euro zu zahlen. Zum Vorwurf der Untreue gegen Dr. Wolfgang Görlich äußerte sich das Kammerge­richt Berlin im Rahmen eines Hinweises. Es hielt eine Haftung aus Untreue für fraglich. In Betracht kommen könne wohl nur eine Haftung wegen Verstoßes gegen das Kreditwesenge­setzes.

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