Von Berufs wegen im zweiten Haushalt? Bei den entstehenden Kosten unterstützt das Finanz­amt.

Beruflich mobil zu sein, ist heute ein Muss, kostet aber auch Zeit und Nerven. Entscheiden sich Pendler für einen Zweit­haushalt, bekommen sie Unterstüt­zung vom Finanz­amt.

Doppelter Haushalt – die wichtigsten Infos

Das sollten Sie beachten

Details zur Steuererklärung. Ein beruflicher Zweit­haushalt ist ein ordentlicher Kosten­faktor, den Sie auf der zweiten Seite der Anlage N abrechnen. Richtiges Spar­potenzial entfaltet er aber nur gemein­sam mit anderen Jobkosten. Im Ratgeber Steuern von Finanztest finden Sie alles, was Sie wissen müssen.

Erstes Jahr. Die Abrechnung des beruflichen Zweit­wohn­sitzes ist zwar umfang­reich, lohnt sich aber! Durch Verpflegungs­pauschalen, Umzugs- und Einrichtungs­kosten sparen Sie meist besonders im ersten Jahr Ihrer doppelten Haus­halts­führung.

1 000-Euro-Grenze. Ausgaben für Ihre Unterkunft – Miete und Betriebs­kosten bei einer Miet­wohnung oder Kreditzinsen und Abschreibungs­raten bei Eigentum – erkennt das Finanz­amt bis zu 1 000 Euro im Monats­durch­schnitt an, also 12 000 Euro im Jahr. Zusätzlich rechnen Sie Hausrat und Kosten der Einrichtung ab.

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Diese Kosten des doppelten Haus­halts zählen

Viele Chefs erwarten von ihren Angestellten, mobil und flexibel einsetz­bar zu sein. Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer arbeiten daher immer wieder weit entfernt von ihrem Lebens­mittel­punkt – manchmal zu weit für tägliches Pendeln. Wer deshalb an seinem Beschäftigungs­ort, der ersten ersten Tätig­keits­stätte anmietet, führt zwei Haushalte. Immerhin lässt sich das beruflich bedingte Doppelleben absetzen.

Die 1 000-Euro-Grenze

Für einen berufs­bedingten Zweit­wohn­sitz erkennt das Finanz­amt nachgewiesene Kosten bis maximal 1 000 Euro im Monats­durch­schnitt an, maximal 12 000 Euro pro Jahr. Die Größe der Wohnung spielt keine Rolle. Es zählen Miete inklusive Betriebs- und Reinigungs­kosten und PKW-Stell­platz. Bei einer Eigentumsimmobilie senken statt der Miete die Kreditzinsen und die Abschreibungen das zu versteuernde Einkommen.

Auch Zweit­wohn­sitz­steuer und Rund­funk­beitrag können geltend gemacht werden. Güns­tiger ist es aber, sich vom Rund­funk­beitrag für den doppelten Haushalt befreien zu lassen, wenn schon für den Haupt­wohn­sitz gezahlt wird (Bundes­verfassungs­gericht, Az. 1 BvR 1675/16; Az. 1 BvR 745/17; Az. 1 BvR 836/17 und Az. 1 BvR 981/17).

Einrichtung und Hausrat absetzen

Ausgaben für Einrichtung und Hausrat gehören nicht zu den Unter­kunfts­kosten. Sie können sie daher unabhängig von der 1 000-Euro-Grenze zusätzlich abrechnen (BFH, Az. VI R 18/17). Mieter und Miete­rinnen einer möblierten oder teil­möblierten Wohnung dürfen die Miete im Schät­zungs­wege aufteilen, wenn im Miet­vertrag eine Aufteilung fehlt.

Diese Verpflegungs­pauschalen gelten

Für die Verpflegung in den ersten drei Monate am Beschäftigungs­ort gelten Pauschalen. Für An- und Abreis­etage rechnen Angestellte 14 Euro in ihrer Erklärung ab. Für Tage, an denen sie 24 Stunden vom Haupt­wohn­sitz abwesend waren, stehen ihnen 28 Euro zu. Bietet der Chef kostenlos Mahl­zeiten an, müssen sie die Pauschalen kürzen. Das gilt sogar, wenn sie sich trotz des Angebots selbst versorgen (BFH, Az. VI R 16/18).

Unter­brechen Beschäftigte mit doppeltem Haushalt ihre berufliche Tätig­keit für mindestens vier Wochen, etwa wegen Urlaub oder Krankheit, bekommen sie die Verpflegungs­pauschalen erneut für darauf­folgende drei Monate.

Die Kosten für Heim­fahrten absetzen

Das Finanz­amt fördert pro Woche eine Heim­fahrt. Dafür zählen die Ticket­kosten oder 30 Cent je Entfernungs­kilometer. Auch die erste Fahrt zum Arbeits­ort zu Beginn der Tätig­keit machen Steuerzahlende geltend. Ebenso können sie die letzte Fahrt, nach Abschluss der Tätig­keit, zurück zum Haupt­wohn­sitz geltend machen.

Wer häufiger heimfährt, kann alternativ alle Heim­fahrten abrechnen statt nur eine pro Woche. Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung entfallen dann aber. Womit man mehr spart, sollte man vorher durch­rechnen.

Die Umzugs­kosten absetzen

Nachgewiesene Ausgaben für den Umzug an den Arbeits­ort wie Trans­port­kosten, Mietwagen, Kartons sowie Reise­kosten am Umzugs­tag sind abzieh­bar. Die Umzugs­kostenpauschalen gibt es auch beim Umzug wegen doppelter Haus­halts­führung. Mehr dazu in unserem Special Umzugskosten.

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Posten absetzen – die Voraus­setzungen

Damit das Finanz­amt eine Zweit­wohnung akzeptiert, muss diese am Dienst­ort oder im Einzugs­gebiet liegen (BFH, Az. VI R 59/11 und Az. VI R 59/13) und darf nicht ihren Lebens­mittel­punkt darstellen.

Arbeit muss vom Zweit­wohn­sitz besser erreich­bar sein

Die Entfernung zwischen Zweit­wohnung und Arbeits­ort sollte weniger als die Hälfte der Fahr­strecke zwischen Haupt­wohnung und Arbeits­ort betragen. Ist die Wohnung zu weit weg, zum Beispiel 170 Kilometer vom Beschäftigungs­ort entfernt, wird sie als Zweit­wohnung nicht anerkannt (FG Münster, Az. 4 K 1429/15 E).

Gleich­zeitig gibt es zwischen Haupt- und beruflicher Zweit­wohnung keine Mindest­entfernung. In Groß­städten können sie sogar in derselben Stadt liegen. Ist der Arbeits­ort jedoch auch von der Haupt­wohnung aus täglich erreich­bar, lehnt das Finanz­amt den doppelten Haushalt ab. Es mutet Arbeitnehmern etwa eine Stunde Fahrt­zeit im Auto oder in gut getakteten öffent­lichen Verkehrs­mitteln zu (BFH, Az. VI R 2/16 und Az. VI R 31/16).

Der Lebens­mittel­punkt muss anderswo liegen

Ausgaben für einen doppelten Haushalt können Angestellte nur absetzen, wenn der Neben­wohn­sitz nicht zu ihrem Lebens­mittel­punkt wird. Es muss eine Haupt­wohnung außer­halb des Arbeits­ortes existieren, die den Lebens­mittel­punkt bildet. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass man sich dort zu mindestens 10 Prozent an den laufenden Kosten wie Miete, Strom und Telefon beteiligt, regel­mäßige Heim­fahrten im Monat unternimmt und soziale Bindungen pflegt.

Bei Ehepaaren und gesetzlichen Lebenspart­nern mit den Steuerklassen III, IV oder V geht das Finanz­amt hier­von ohne besonderen Nach­weis aus (BMF-Schreiben vom 24.10.2014, Reise­kostenrecht).

Singles und Unver­heiratete haben es schwerer, ein berufliches Doppelleben zu recht­fertigen. Sie müssen erklären können, warum sie ihren Lebens­mittel­punkt nicht an ihren Arbeits­ort verlagern. Gründe könnten etwa Hobbys sein.

Ausgaben für einen doppelten Haushalt werden auch dann anerkannt, wenn Steuerzahlende am Arbeits­ort zunächst ihren Haupt­hausstand hatten, dann aber woanders mit ihrem Partner zusammenziehen und ihre bisherige Wohnung als Zweitstand­ort behalten.

So über­zeugen Angestellte das Finanz­amt

Regel­mäßige Heim­fahrten sprechen dafür, dass der Lebens­mittel­punkt vom Arbeits­ort abweicht, nach­weisbar etwa anhand von Tank­quittungen und Bahnti­ckets. Weitere Indizien sind Belege zu Haus­halts­kosten und Verbrauchs­abrechnungen.

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Doppelter Haushalt – Sonderfälle

Gesell­schaft ist schön, auch im Zwei­haushalt.Bewohnen berufs­tätige Eheleute, Partner oder WG-Mitglieder am gemein­samen Arbeits­ort zusammen eine Zweit­wohnung, handelt es sich für jeden um jeweils einen „doppelten Haushalt“. Der 1000-Euro-Höchst­betrag für Unter­kunfts­kosten gilt für jede doppelte Haus­halts­führung gesondert. In anderen Fällen mussten Gerichte klären, ob ein beruflich bedingter Zweit­haushalt vorliegt, mit dem Steuern gespart werden können:

Das gilt steuerlich beim Auslands­semester

Eine Studentin in Zweit­ausbildung wollte für ihre Zeit im Auslands­semester und während eines Auslands­praktikums Kosten für Verpflegung und ihre dortige Wohnung absetzen. Das Finanz­amt lehnte ab, wurde aber vom Gericht in die Schranken gewiesen (Bundes­finanzhof, Az. VI R 3/18).

Was im Fall des Nach­zugs gilt

Ebenso hat das Gericht Klarheit für Paare geschaffen, bei denen bislang einer einen doppelten Haushalt führt. Sucht sich der andere einen Job am Zweit­wohn­ort und zieht nach, verschiebt sich der Lebens­mittel­punkt − selbst wenn das Paar Haus oder Wohnung am früheren Wohn­ort beibehält und noch zeit­weise nutzt (Bundes­finanzhof, Az. VIII R 29/16).

Das gilt im Fall von Eltern­zeit

Auch Arbeitnehmer in Elternzeit haben das Nach­sehen: Kehrt der Eltern­teil nach der Auszeit nicht zum alten Arbeits­platz zurück, etwa weil er oder sie kündigt, darf das Amt die Kosten für die beibehaltene Zweit­wohnung streichen (Bundes­finanzhof, Az. VI R 1/18).

Wenn noch länger Miete gezahlt werden muss

Miete können Angestellte unter Umständen noch nach Ende der doppelten Haus­halts­führung absetzen. Das Finanzge­richt Münster hat dies einem Mann zugestanden, der nach seiner Kündigung bundes­weit auf Jobsuche war und seine Zweit­wohnung währenddessen behalten hat (FG Münster, Az. 7 K 57/18).

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