Doppelter Haushalt So setzen Sie ein berufliches Doppelleben ab

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Doppelter Haushalt - So setzen Sie ein berufliches Doppelleben ab
Von Berufs wegen im zweiten Haushalt? Bei den entstehenden Kosten unterstützt das Finanz­amt. © Westend61 / gpointstudio

Beruflich mobil zu sein, ist heute ein Muss, kostet aber auch Zeit und Nerven. Entscheiden sich Pendler für einen Zweit­haushalt, bekommen sie Unterstüt­zung vom Finanz­amt.

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Doppelter Haushalt – die wichtigsten Infos

Das sollten Sie beachten

Details zur Steuererklärung.
Ein beruflicher Zweit­haushalt ist ein ordentlicher Kosten­faktor, den Sie auf der zweiten Seite der Anlage N abrechnen. Richtiges Spar­potenzial entfaltet er aber nur gemein­sam mit anderen Jobkosten. Im Ratgeber Steuern von Finanztest finden Sie alles, was Sie wissen müssen.
Erstes Jahr.
Die Abrechnung des beruflichen Zweit­wohn­sitzes ist zwar umfang­reich, lohnt sich aber! Durch Verpflegungs­pauschalen, Umzugs- und Einrichtungs­kosten sparen Sie meist besonders im ersten Jahr Ihrer doppelten Haus­halts­führung.
1 000-Euro-Grenze.
Ausgaben für Ihre Unterkunft – Miete und Betriebs­kosten bei einer Miet­wohnung oder Kreditzinsen und Abschreibungs­raten bei Eigentum – erkennt das Finanz­amt bis zu 1 000 Euro im Monats­durch­schnitt an, also 12 000 Euro im Jahr. Zusätzlich rechnen Sie Hausrat und Kosten der Einrichtung ab.

Diese Kosten des doppelten Haus­halts zählen

Viele Chefs erwarten von ihren Angestellten, mobil und flexibel einsetz­bar zu sein. Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmer arbeiten daher immer wieder weit entfernt von ihrem Lebens­mittel­punkt – manchmal zu weit für tägliches Pendeln. Wer deshalb an seinem Beschäftigungs­ort, der ersten ersten Tätig­keits­stätte anmietet, führt zwei Haushalte. Immerhin lässt sich das beruflich bedingte Doppelleben absetzen.

Die 1 000-Euro-Grenze

Für einen berufs­bedingten Zweit­wohn­sitz erkennt das Finanz­amt nachgewiesene Kosten bis maximal 1 000 Euro im Monats­durch­schnitt an, maximal 12 000 Euro pro Jahr. Die Größe der Wohnung spielt keine Rolle. Es zählen Miete inklusive Betriebs- und Reinigungs­kosten und PKW-Stell­platz. Bei einer Eigentumsimmobilie senken statt der Miete die Kreditzinsen und die Abschreibungen das zu versteuernde Einkommen.

Auch der Rund­funk­beitrag kann geltend gemacht werden. Güns­tiger ist es aber, sich vom Rund­funk­beitrag für den doppelten Haushalt befreien zu lassen, wenn schon für den Haupt­wohn­sitz gezahlt wird (Bundes­verfassungs­gericht, Az. 1 BvR 1675/16; Az. 1 BvR 745/17; Az. 1 BvR 836/17 und Az. 1 BvR 981/17).

Extra Abzug für Zweit­wohnung­steuer?

Ob auch die Zweit­wohnung­steuer in die 1 000-Euro-Grenze einbezogen werden darf und nicht extra zählen muss, ist noch offen. Eine Beamtin will vor dem Bundes­finanzhof (BFH) gegen das Finanz­amt durch­setzen, dass sie die Zweit­wohnung­steuer für ihren beruflich bedingten Zweit­haushalt als Werbungs­kosten ­absetzen kann – und zwar zusätzlich zu den begrenzten Unter­kunfts­kosten (Az. VI R 30/21). Sonst würden ihre 1 157 Euro Zweit­wohnung­steuer (jähr­lich) unter den Tisch fallen. Die Behörde ­erkennt pro Monat maximal 1 000 Euro Unter­kunfts­kosten für den Zweit­haushalt an. Mit 1 300 Euro Monats­miete hat die Frau den Betrag bereits aus­geschöpft. Immerhin hat die Vorinstanz, das Finanzge­richt München, der Klägerin schon recht gegeben: Zu den bloß gedeckelt anrechen­baren Unter­kunfts­kosten würden nur die Bruttokaltmiete plus Betriebs­kosten gehören, nicht aber Ausgaben, die mittel­bar oder gelegentlich im Zusammen­hang mit der Anmietung der Wohnung entstehen. Das betreffe auch die Anmeldung des Neben­wohn­sitzes und eine damit verbundene Zweit­wohnung­steuer (Az. 8 K 2143/21).

Einrichtung und Hausrat absetzen

Ausgaben für Einrichtung und Hausrat gehören nicht zu den Unter­kunfts­kosten. Sie können sie daher unabhängig von der 1 000-Euro-Grenze zusätzlich abrechnen (BFH, Az. VI R 18/17). Mieter und Miete­rinnen einer möblierten oder teil­möblierten Wohnung dürfen die Miete im Schät­zungs­wege aufteilen, wenn im Miet­vertrag eine Aufteilung fehlt.

Diese Verpflegungs­pauschalen gelten

Für die Verpflegung in den ersten drei Monate am Beschäftigungs­ort gelten Pauschalen. Für An- und Abreis­etage rechnen Angestellte 14 Euro in ihrer Erklärung ab. Für Tage, an denen sie 24 Stunden vom Haupt­wohn­sitz abwesend waren, stehen ihnen 28 Euro zu. Bietet der Chef kostenlos Mahl­zeiten an, müssen sie die Pauschalen kürzen. Das gilt sogar, wenn sie sich trotz des Angebots selbst versorgen (BFH, Az. VI R 16/18).

Unter­brechen Beschäftigte mit doppeltem Haushalt ihre berufliche Tätig­keit für mindestens vier Wochen, etwa wegen Urlaub oder Krankheit, bekommen sie die Verpflegungs­pauschalen erneut für darauf­folgende drei Monate.

Die Kosten für Heim­fahrten absetzen

Das Finanz­amt fördert pro Woche eine Heim­fahrt. Dafür zählen die Ticket­kosten oder 30 Cent je Entfernungs­kilometer. Auch die erste Fahrt zum Arbeits­ort zu Beginn der Tätig­keit machen Steuerzahlende geltend. Ebenso können sie die letzte Fahrt, nach Abschluss der Tätig­keit, zurück zum Haupt­wohn­sitz geltend machen.

Wer häufiger heimfährt, kann alternativ alle Heim­fahrten abrechnen statt nur eine pro Woche. Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung entfallen dann aber. Womit man mehr spart, sollte man vorher durch­rechnen.

Die Umzugs­kosten absetzen

Nachgewiesene Ausgaben für den Umzug an den Arbeits­ort wie Trans­port­kosten, Mietwagen, Kartons sowie Reise­kosten am Umzugs­tag sind abzieh­bar. Die Umzugs­kostenpauschalen gibt es auch beim Umzug wegen doppelter Haus­halts­führung. Mehr dazu in unserem Special Umzugskosten.

Posten absetzen – die Voraus­setzungen

Damit das Finanz­amt eine Zweit­wohnung akzeptiert, muss diese am Dienst­ort oder im Einzugs­gebiet liegen (BFH, Az. VI R 59/11 und Az. VI R 59/13) und darf nicht ihren Lebens­mittel­punkt darstellen.

Arbeit muss vom Zweit­wohn­sitz besser erreich­bar sein

Die Entfernung zwischen Zweit­wohnung und Arbeits­ort sollte weniger als die Hälfte der Fahr­strecke zwischen Haupt­wohnung und Arbeits­ort betragen. Ist die Wohnung zu weit weg, zum Beispiel 170 Kilometer vom Beschäftigungs­ort entfernt, wird sie als Zweit­wohnung nicht anerkannt (FG Münster, Az. 4 K 1429/15 E).

Gleich­zeitig gibt es zwischen Haupt- und beruflicher Zweit­wohnung keine Mindest­entfernung. In Groß­städten können sie sogar in derselben Stadt liegen. Ist der Arbeits­ort jedoch auch von der Haupt­wohnung aus täglich erreich­bar, lehnt das Finanz­amt den doppelten Haushalt ab. Es mutet Arbeitnehmern etwa eine Stunde Fahrt­zeit im Auto oder in gut getakteten öffent­lichen Verkehrs­mitteln zu (BFH, Az. VI R 2/16 und Az. VI R 31/16).

Der Lebens­mittel­punkt muss anderswo liegen

Ausgaben für einen doppelten Haushalt können Angestellte nur absetzen, wenn der Neben­wohn­sitz nicht zu ihrem Lebens­mittel­punkt wird. Es muss eine Haupt­wohnung außer­halb des Arbeits­ortes existieren, die den Lebens­mittel­punkt bildet. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass man sich dort zu mindestens 10 Prozent an den laufenden Kosten wie Miete, Strom und Telefon beteiligt, regel­mäßige Heim­fahrten im Monat unternimmt und soziale Bindungen pflegt.

Bei Ehepaaren und gesetzlichen Lebenspart­nern mit den Steuerklassen III, IV oder V geht das Finanz­amt hier­von ohne besonderen Nach­weis aus (BMF-Schreiben vom 24.10.2014, Reise­kostenrecht).

Singles und Unver­heiratete haben es schwerer, ein berufliches Doppelleben zu recht­fertigen. Sie müssen erklären können, warum sie ihren Lebens­mittel­punkt nicht an ihren Arbeits­ort verlagern. Gründe könnten etwa Hobbys sein.

Ausgaben für einen doppelten Haushalt werden auch dann anerkannt, wenn Steuerzahlende am Arbeits­ort zunächst ihren Haupt­hausstand hatten, dann aber woanders mit ihrem Partner zusammenziehen und ihre bisherige Wohnung als Zweitstand­ort behalten.

So über­zeugen Angestellte das Finanz­amt

Regel­mäßige Heim­fahrten sprechen dafür, dass der Lebens­mittel­punkt vom Arbeits­ort abweicht, nach­weisbar etwa anhand von Tank­quittungen und Bahnti­ckets. Weitere Indizien sind Belege zu Haus­halts­kosten und Verbrauchs­abrechnungen.

Doppelter Haushalt – Sonderfälle

Gesell­schaft ist schön, auch im Zwei­haushalt.Bewohnen berufs­tätige Eheleute, Partner oder WG-Mitglieder am gemein­samen Arbeits­ort zusammen eine Zweit­wohnung, handelt es sich für jeden um jeweils einen „doppelten Haushalt“. Der 1000-Euro-Höchst­betrag für Unter­kunfts­kosten gilt für jede doppelte Haus­halts­führung gesondert. In anderen Fällen mussten Gerichte klären, ob ein beruflich bedingter Zweit­haushalt vorliegt, mit dem Steuern gespart werden können:

Das gilt steuerlich beim Auslands­semester

Eine Studentin in Zweit­ausbildung wollte für ihre Zeit im Auslands­semester und während eines Auslands­praktikums Kosten für Verpflegung und ihre dortige Wohnung absetzen. Das Finanz­amt lehnte ab, wurde aber vom Gericht in die Schranken gewiesen (Bundes­finanzhof, Az. VI R 3/18).

Was im Fall des Nach­zugs gilt

Ebenso hat das Gericht Klarheit für Paare geschaffen, bei denen bislang einer einen doppelten Haushalt führt. Sucht sich der andere einen Job am Zweit­wohn­ort und zieht nach, verschiebt sich der Lebens­mittel­punkt − selbst wenn das Paar Haus oder Wohnung am früheren Wohn­ort beibehält und noch zeit­weise nutzt (Bundes­finanzhof, Az. VIII R 29/16).

Das gilt im Fall von Eltern­zeit

Auch Arbeitnehmer in Elternzeit haben das Nach­sehen: Kehrt der Eltern­teil nach der Auszeit nicht zum alten Arbeits­platz zurück, etwa weil er oder sie kündigt, darf das Amt die Kosten für die beibehaltene Zweit­wohnung streichen (Bundes­finanzhof, Az. VI R 1/18).

Wenn noch länger Miete gezahlt werden muss

Miete können Angestellte unter Umständen noch nach Ende der doppelten Haus­halts­führung absetzen. Das Finanzge­richt Münster hat dies einem Mann zugestanden, der nach seiner Kündigung bundes­weit auf Jobsuche war und seine Zweit­wohnung währenddessen behalten hat (FG Münster, Az. 7 K 57/18).

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Profilbild Stiftung_Warentest am 19.04.2021 um 14:46 Uhr
Wie viel Steuern lassen sich sparen?

@LumiaNutzer: Welche Steuerersparnis mit welchen zusätzlichen Werbungskosten bei Ihrem Einkommen zu erzielen sind, können Sie überschlägig berechnen, wenn Sie unseren Grenzsteuerrechner nutzen:
www.test.de/Steuersparrechner-So-viel-Steuerersparnis-ist-durch-zusaetzliche-Ausgaben-drin-1159368-0
Wer es ganz genau wissen will, kauft sich eine Steuerprogramm. (maa)

Profilbild Stiftung_Warentest am 19.04.2021 um 14:30 Uhr
Zweitwohnung / Erstwohnung

@DirkTestTest: Laut Paragraph 21 Bundesmeldegesetz ist die Hauptwohnung die „vorwiegend benutzte Wohnung des Einwohners“. Wer einer normalen Beschäftigung mit einer Fünf-Tage-Woche nachgeht, hat dort grundsätzlich seinen Hauptwohnsitz und muss solchen gegenüber der Meldebehörde angeben.
Die steuerrechtliche Beurteilung durch das Finanzamt kann sich am Melderecht orientieren, Steuerzahlende mit doppeltem Haushalt können aber auch abweichend argumentieren. Denn im Steuerrecht ist der Hauptwohnsitz dort, wo der auf Dauer angelegte Mittelpunkt der gesamten Lebensführung liegt. (maa)

LumiaNutzer am 16.04.2021 um 06:48 Uhr
1000€ bzw. 12000€, was kommt raus?

Sie schreiben von 1000€ bzw. 12000€ werden anerkannt. Was kommt unterm Strich an? Wie wird im Detail abgerechnet und welche Faktoren spielen eine Rolle?
Beispiel für die zweite Wohnungen:
800€ warme Miete
100€ PKW Stellplatz
100€ Reinigung
In der Summe 1000€ pro Monat! Wie viel davon kommt nach der Steuererklärung raus? Ist es 1:1 oder 75% oder 10% oder nur von der Steuerklasse abhängig? Bitte hier auf ein oder zwei konkrete Beispiele eingehen und die Faktoren der Berechnung beschreiben. Danke

DirkTestTest am 13.04.2021 um 21:51 Uhr
Zweitwohnung/Erstwohnung wichtig?

Hallo,
Ist es wichtig, welche Wohnung Zweitwohnsitz bzw. Erstwohnsitz ist?
Bei einer 5 Tage-Woche ist man ja soweit ich weiß, gezwungen den Hauptwohnsitz zur Arbeitsstelle zu legen, da man sich ja dort die überwiegende Zeit aufhält.