Selbst wenn Heim­fahrten wenig oder nichts kosten, zählen 30 Cent je Entfernungs­kilometer. Das entschied der Bundes­finanzhof.

Doppelter Haushalt Special

Berufs­soldat Mike Flehmer ist froh, dass er jetzt in Berlin arbeitet und abends bei seiner Frau und den Kindern Thea (4) und Luise (12) in Potsdam sein kann. Vorher war er mehr als 500 Kilo­meter entfernt im Einsatz und sah seine Familie höchs­tens am Wochen­ende.

Mike Flehmer muss noch auf seinen Steuer­bescheid für 2012 warten. Das Finanz­amt wollte seine Heim­fahrten nur anerkennen, wenn er zusätzlich die Fahrt­kosten belegt. Der Berufs­soldat arbeitete und wohnte bis Herbst 2012 in Trois­dorf in Nord­rhein-West­falen. Der Familien­vater fuhr so oft er konnte mal mit der Bahn und mal dem Auto mehr als 550 Kilo­meter nach Potsdam nach­hause.

Gerade zur rechten Zeit bekommt Flehmer Beistand von den Richtern des Bundes­finanzhofs. „Pendler können Heim­fahrten mit der Entfernungs­pauschale abrechnen, selbst wenn sie dafür weniger oder nichts ausgegeben haben – zum Beispiel als Mitfahrer“, erläutert Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohn­steuer­hilfe­ver­eine das Urteil vom 18. April 2013.

Flehmer muss also seine Fahrt­kosten nicht nach­weisen. Verlangen darf das Finanz­amt nur Belege, dass er über­haupt gefahren ist und wie oft. Wie alle Berufs­tätigen mit doppelter Haus­halts­führung kann Flehmer für maximal eine Heim­fahrt pro Woche pauschal 30 Cent für jeden Kilo­meter der einfachen Wegstrecke als Werbungs­kosten in seiner Steuererklärung ansetzen.

Die Miete hat Flehmers Arbeit­geber voll über­nommen, sodass der Soldat dafür keine Werbungs­kosten geltend machen kann. Er darf aber zum Beispiel die Kosten für den Umzug am Ende seines doppelten Haus­halts im September 2012 angeben.

Bei 4 500 Euro ist noch nicht Schluss

Pendler wie Flehmer erhalten oft Steuern zurück, weil sie durch die Entfernungs­pauschale für ihre Heim­fahrten auf sehr hohe Werbungs­kosten kommen. Das Gute ist, dass das Finanz­amt anders als bei den Fahrten zur Arbeit die Summe nicht bei 4 500 Euro im Jahr kappen darf.

Doppelter Haushalt Special

Beispiel: Ein Berufs­tätiger fährt 42 Mal im Jahr mit der Bahn von Stutt­gart zu seiner Familie in Berlin. Er hat die Bahncard 100 für 4 090 Euro und kann damit beliebig oft fahren. Absetzen darf er mit der Entfernungs­pauschale fast das Doppelte des Preises:

Nach dem Urteil des Bundes­finanzhofs muss das Finanz­amt die 7 938 Euro sogar dann abhaken, wenn Arbeitnehmer mit doppeltem Haushalt nur wenig oder keine Fahrt­kosten haben. Ob Selbst­zahler oder Mitfahrer, jeder kann den vollen Betrag als Werbungs­kosten absetzen (Az. VI R 29/12).

Abziehen darf das Finanz­amt von der Entfernungs­pauschale Beträge, die der Chef über­nimmt oder erstattet, zum Beispiel wenn er Fahr­karten zur Verfügung stellt. Flehmers Arbeit­geber hat sich an den Fahrt­kosten beteiligt. Dieser Betrag geht von der Entfernungs­pauschale ab.

Ganz leer gehen Pendler aus, die auf Kosten des Chefs mit dem Dienst­wagen fahren. Sie können keine Fahrt­kosten abrechnen.

Alternativ zur Entfernungs­pauschale können Pendler Ticket­kosten absetzen. Es lohnt sich, übers Jahr die Tickets zu sammeln, um am Ende zu vergleichen, was mehr bringt: die Tickets oder die Pauschale.

Machen Arbeitnehmer zum ersten Mal in ihrer Steuererklärung Werbungs­kosten für ihren doppelten Haushalt geltend, müssen sie sich auf Rück­fragen vom Finanz­amt einstellen. Flehmer sollte zum Beispiel noch die Anzahl seiner Heim­fahrten nach­weisen.

Dass er so oft von Trois­dorf nach Berlin gefahren ist, dafür spricht schon seine familiäre Situation: Der Berufs­soldat hat zwei Kinder. Thea ist vier und Luise zwölf.

„Pendler sollten sich für solche Nach­fragen vom Amt wappnen“, rät Steuer­experte Rauhöft. „Am besten sammeln sie alles, was die Heim­fahrt belegen kann.“ Das können Tank­quittungen genauso sein wie Rechnungen von der Auto­bahnrast­stätte.

Achtung! Probleme können Pendler ohne Trau­schein bekommen, die zu selten nach­hause fahren. Sind es im Schnitt weniger als zwei Heim­fahrten pro Monat, geht das Finanz­amt oft davon aus, dass ihr Lebens­mittel­punkt bei der neuen Wohnung am Arbeits­ort liegt, und erkennt keine doppelte Haus­halts­führung an.

Doppelter Haushalt Special

Noch mehr bei befristetem Einsatz

Seit Ende 2012 arbeitet Flehmer in Berlin. „Weil er dort nur befristet einge­setzt ist, sind seine Fahrt­kosten Reise­kosten“, sagt Rauhöft. Statt nur der einfachen Strecke bringt jetzt jeder Fahr­kilometer mit dem Auto pauschal 30 Cent. Alternativ kann Flehmer auch den Kilo­meter­satz ansetzen, der sich aus den Kosten für sein Auto ergibt.

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