Doppelte Haus­halts­führung Meldung

Eine Stunde Arbeitsweg ist zumut­bar.

Wer eine Zweit­wohnung angemietet hat, um nicht pendeln zu müssen, kann die Wohnung nur unter bestimmten Voraus­setzungen von der Steuer absetzen. Das hat das Finanzge­richt Baden-Württem­berg kürzlich beschlossen. test.de erklärt die Hintergründe des konkreten Falls und sagt, welche Rege­lungen für doppelte Haus­halts­führung gelten.

Wann erkennt das Finanz­amt Haus­halts­kosten an?

Eine Sache ist klar: Wer einen doppelten Haushalt führen muss, kann seine doppelten Ausgaben auch bei der Steuer geltend machen – darunter Kosten für den Umzug und die Fahrt­kosten. Für die Miete lassen sich bis zu 12 000 Euro im Jahr angeben. Was aber nicht ganz so klar ist: Wann erkennt das Finanz­amt einen doppelten Haushalt an?

Faust­regel für Berufs­pendler

Im klassischen Fall nimmt ein Berufs­tätiger einen Job in einer anderen Stadt an, aber die Familie will oder muss in der gewohnten Umge­bung bleiben. Unter Umständen kann das bedeuten, dass er täglich mehrere Stunden im Zug verbringen müsste. Die Alternative kann sein, sich in der Nähe der Arbeits­stelle eine kleine Wohnung zu suchen und dort unter der Woche zu über­nachten. Ab wann das Finanz­amt so einen berufs­bedingten Wohn­sitz anerkennt, kann sich im Einzel­fall unterscheiden. Als Faust­regel gilt: Die Entfernung zwischen Arbeits­platz und Zweit­wohnung sollte wenigs­tens halb so groß sein, wie zwischen Haupt­wohn­sitz und Büro.

Was zählt: Zeit­ersparnis oder Entfernung?

Doch meint Entfernung eigentlich die Strecke in Kilo­metern oder die Zeit­ersparnis? Das Finanzge­richt Baden-Württem­berg hat sich mit dieser Frage beschäftigt (Az. 1 K 3229/14). Im verhandelten Fall ging es um einen Angestellten aus Süddeutsch­land, der mit seiner Ehefrau 37 Kilo­meter von seinem Arbeits­platz entfernt lebt. Er empfand seinen Arbeitsweg als zu lang und mietete sich eine Zweit­wohnung – nur sechs Kilo­meter von seiner Arbeits­stelle entfernt – gemessen an den Kilo­metern also eine deutliche Verminderung.

Eine Stunde reicht nicht

Das Finanz­amt wollte die Kosten aber nicht anerkennen und das Gericht bestätigte das. Begründung: Egal ob Wohn­sitz und Arbeits­stelle in verschiedenen Städten, Gemeinden oder Bundes­ländern liegen, entscheidend sei, ob der Arbeitsweg eine zumut­bare Dauer habe. In diesem Fall brauchte der Angestellte von seinem 37 Kilo­meter entfernten Wohn­sitz aus etwa eine Stunde zum Arbeits­platz, das recht­fertige keinen Zweit­wohn­sitz. Aus Sicht der Richter müsse Hin- und Rückweg dafür jeweils mehr als eine Stunde betragen. Der Fall ist noch nicht abge­schlossen und wird als nächstes vor dem Bundes­finanzhof verhandelt (Az. VI R 31/16).

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