Dividendenfonds Test

In vielen Dividendenindizes mit von der Partie: der britische Pharma­konzern Astrazeneca, die spanische Banco Santander und der französischen Ölkonzern Total.

In vielen Dividendenindizes mit von der Partie: der britische Pharma­konzern Astrazeneca, die spanische Banco Santander und der französischen Ölkonzern Total.

Mit Start der Dividenden­saison wächst das Anleger­interesse an dividenden­starken Aktien. Passende Fonds setzen Akzente im Depot.

Manche Firmen verwöhnen ihre Aktionäre. Astrazeneca, ein britischer Pharma­konzern, hat im vergangenen Jahr­zehnt seine Dividende fast durch­gängig erhöht und bietet aktuell eine Dividendenrendite von fast 5 Prozent. Diese Rendite ergibt sich, wenn man die Dividende durch den aktuellen Aktienkurs teilt.

Anteils­eigner an der französischen Telefongesell­schaft Orange dürfen sich sogar auf eine rund 9-prozentige Dividende freuen. Da werden Zins­sparer neidisch.

Um von solchen Ausschüttungen zu profitieren, können sich Anleger direkt an den Firmen beteiligen. Oder sie tun es indirekt über einen Investmentfonds.

Astrazeneca und Orange sind Mitglieder in mehreren europäischen und globalen Dividendenindizes, die Anleger über Indexfonds kaufen können, über sogenannte ETF. Mit solchen Fonds nehmen die Käufer gleich viele dividenden­starke Werte ins Depot und verringern ihr Risiko im Vergleich zu einer Einzel­aktie.

Pünkt­lich zur Dividenden­saison haben wir untersucht, wie sich diese Fonds in den vergangenen Jahren bewährt haben. Es geht uns dabei nur um passive Fonds. Sie beziehen sich auf Indizes mit festen Regeln.

Das Ergebnis wird vor allem Zins­sparer enttäuschen, die mit einem Ausflug in den Aktienmarkt lieb­äugeln: Wer sich von Dividenden-ETF generell eine höhere Rendite oder mehr Stabilität als mit anderen Aktienfonds erwartet, wird enttäuscht. Anleger müssen sogar auf stärkere Kurs­schwankungen gefasst sein als bei breit streuenden Aktienfonds.

Dennoch können Dividendenfonds für erfahrene Anleger interes­sant sein. In manchen Börsen­phasen haben sie bessere Rendite­aussichten als die breiten Indizes.

Nicht nur auf Dividenden setzen

Dividenden tragen einen erheblichen Teil zu den Erträgen von Aktien bei. Seit Ende des Jahres 1969 stammt beim Welt­aktien­index MSCI World mehr als ein Drittel des Wert­zuwachses aus Dividenden, der Rest aus Kurs­steigerungen.

Der naheliegende Schluss, nur auf dividenden­starke Aktien zu setzen, greift dennoch zu kurz. Anleger erhalten auf diese Weise ein einseitiges Depot, in dem sich bestimmte Branchen und Länder ballen. Auch Dividendenindizes und die dazu­gehörigen Fonds haben dieses Problem. Einzelne Branchen kommen allenfalls am Rande vor.

Versorger stark überge­wichtet

Dividendenfonds Test

Internet­konzerne wie Facebook oder Google zahlen ihren Aktionären keine Dividenden. Statt­dessen fließen Konzern­gewinne eher in Firmen­über­nahmen, vielleicht auch in den Rück­kauf eigener Aktien, was die Aktien­kurse beflügeln kann. Die hohen Wert­steigerungen, die viele Internet­aktien in den vergangenen Jahren erzielten, liefen an Dividendenfonds vorbei.

Dafür sind andere Branchen in Dividendenindizes deutlich höher gewichtet als in den markt­breiten Vergleichs­indizes. So machen Aktien von Versorgern im breiten Welt­aktien­index MSCI World weniger als 4 Prozent aus, im Stoxx Global Select Dividend 100 liegen sie bei mehr als 16 Prozent.

Auch auf die Ländergewichtung sollten Anleger ein Auge haben. Australien spielt zum Beispiel im MSCI World mit gut 3 Prozent allenfalls eine Neben­rolle. Im Stoxx Global Select Dividend 100 gehört es mit über 8 Prozent zu den größeren Positionen.

Dividendenfonds sind deshalb kein tauglicher Ersatz für klassische Aktienfonds Welt, sondern nur eine Ergän­zung für ein breit aufgestelltes Fonds­depot.

Was für globale Dividendenindizes gilt, trifft auf regionale noch stärker zu. Der deutsche Dividenden­index DivDax halbiert die ohnehin nur mäßige Streuung des Dax von 30 auf 15 Werte und beschert Anlegern damit ein höheres Risiko.

Von seiner Auflegung im ersten Quartal 2005 bis zur Finanz­krise 2008 lief der DivDax besser als der Dax. Die hoch gewichteten Versorger- und Finanz­aktien brachten neben Dividenden auch Kurs­gewinne. Doch dann ging es beiden Zugpferden an den Kragen. Erst stürzten nach der Pleite der US-Investment­bank Lehman Brothers Bank­aktien ins Bodenlose. Später brachen die Kurse der Versorger durch die Atom­katastrophe in Fukushima und die Energiewende ein.

Kontinuität ist wichtig

Dividenden hängen vom Geschäfts­erfolg eines Unter­nehmens ab. Wer die jüngste Ausschüttung als einzigen Maßstab heran­zieht, kann böse Über­raschungen erleben. Gerät das Unternehmen in wirt­schaftliche Schwierig­keiten, steht nicht nur die Dividende zur Disposition, sondern meist geht auch der Aktienkurs auf Talfahrt. Die Aktie wäre dann in doppelter Hinsicht ein Flop.

Beim DivDax ist dieses Risiko offensicht­lich, denn der Index trifft seine Aktien­auswahl einzig aufgrund der im Vorjahr gezahlten Dividenden. Diese Methode ist recht simpel.

Andere Indexanbieter gehen ausgefeilter vor und machen weitere Vorgaben für die Aufnahme in ihre Indizes. So legen MSCI und Stoxx gesteigerten Wert auf Kontinuität der Ausschüttung. Nur Aktiengesell­schaften, die ihre Dividende über mindestens fünf Jahre erhöhten, haben gute Aussichten, in ihre Indizes zu kommen.

Wichtig ist auch, in welchem Verhältnis die Dividendensumme zum Gewinn eines Unter­nehmens steht. Die Vorgaben für die MSCI- und Stoxx-Indizes sollen Firmen aussieben, die je nach Region mehr als 60 oder 80 Prozent der Jahres­gewinne an ihre Anleger ausschütten oder die Dividende sogar voll­ständig aus der Firmen­substanz entnehmen. Denn ein florierendes Unternehmen sollte nach der Ausschüttung an die Aktionäre immer noch eine Menge Geld für andere Zwecke übrig behalten.

Kein Risiko fürs Sonder­vermögen

Für manche Dividendenindizes gibt es zurzeit nur einen einzigen Fonds, der ihn abbildet. Bei anderen haben Anleger die Wahl zwischen verschiedenen Fonds.

Zunächst müssen sie entscheiden, ob es unbe­dingt ein Fonds mit den tatsäch­lichen Index­aktien sein muss oder ob es auch einer mit künst­licher Nach­bildung tut. Bei den letzteren sogenannten Swap-Fonds wird die Wert­entwick­lung des Indexes mithilfe von Tausch­geschäften (eng­lisch „to swap“ = tauschen) erzeugt. Beide Varianten sind für Anleger ähnlich sicher, da die Risiken aus den Finanz­geschäften begrenzt sind oder abge­sichert werden. Im Hintergrund steht in beiden Fällen das Sonder­vermögen des Fonds. Es ist vor einer Pleite der Fonds­gesell­schaft geschützt.

Anleger sollten nicht nur auf die Merkmale der Fonds, wie Kosten und Volumen, achten, sondern auch auf die Zusammenset­zung der zugrunde liegenden Indizes. Die Toppositionen in der Tabelle oben vermitteln einen ersten Eindruck von der Ausrichtung, aktuelle Detail­informationen zur Aufteilung stehen auf den Internet­seiten der Fondsanbieter.

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