Wie Aktionäre und Fonds­gesell­schaften mitbestimmen

Haupt­versamm­lungen: Die jähr­lichen Aktionärs­treffen sind oft Groß­ereig­nisse. Siemens hat am 26. Januar in die Olympia­halle in München geladen. Knapp 7 500 Aktionäre sind gekommen. Drei Tage später bei ThyssenKrupp im Ruhr­Congress in Bochum waren es rund 2 000 Besucher.

Aktionäre bestimmen mit

Aktionäre sind Miteigentümer und dürfen mitbestimmen. Jede Aktie verbrieft eine Stimme. Ausnahme: Wer Vorzugs­aktien besitzt, verzichtet auf das Stimm­recht, erhält meist aber eine höhere Dividende. Mehr­stimm­rechte sind unzu­lässig, zumindest in Deutsch­land. In den USA ist das anders: Die B-Aktie der Google-Holding Alphabet etwa hat zehnfaches Stimm­recht, die A-Aktie einfaches und die C-Aktie keins.

Ausgeübt wird das Stimm­recht auf der Haupt­versamm­lung. Wer keine Zeit hat dort hinzufahren, kann sein Stimm­recht über­tragen.

Stimm­rechts­vertretung

Stimm­rechts­vertretung bieten zum Beispiel die Deutsche Schutz­gemeinschaft für Wert­papier­besitz (DSW) und die Schutz­gemeinschaft der Kapital­anleger (SdK) an. Anleger können sich bei der DSW im Internet unter der Adresse Hauptversammlung.de und bei der SdK unter Sdk.org über das geplante Abstimmungs­verhalten informieren.

Auch der Aktionärs­ver­einigung Kritische Aktionäre können Anleger ihr Stimm­recht über­tragen. Informationen gibt es unter Kritischeaktionaere.de. „Wir fordern von den Unternehmen mehr Umwelt­schutz, die Einhaltung von Arbeits- und Menschen­rechten, mehr Trans­parenz und einen Stopp der Rüstungs­produktion“, heißt es dort.

Eigen­initiative

Jeder Aktionär kann auch selber auf der Haupt­versamm­lung das Wort ergreifen, Kritik üben oder Fragen stellen. Für manche ist genau das ein Grund, einzelne Aktien zu kaufen und nicht in Fonds zu investieren. Für das Rederecht genügt eine einzige Aktie. Übrigens: Anleger können auch online an Haupt­versamm­lungen teilnehmen und abstimmen. Allerdings bietet nicht jedes Unternehmen das an. Brief­wahl ist ebenfalls möglich.

Anleger, die in Fonds investieren, können nicht selbst an den Haupt­versamm­lungen teilnehmen. Verloren geht ihre Stimme dennoch nicht, sie werden durch die Fonds­gesell­schaften vertreten. Wie stark diese dort in Erscheinung treten, ist unterschiedlich.

Wie Fonds abstimmen

Union Investment zum Beispiel ist auf Haupt­versamm­lungen sehr aktiv und ergreift öfter das Wort, um Miss­stände offen anzu­prangern. Bei Siemens und ThyssenKrupp ergriff zum Beispiel Fonds­manager Ingo Speich das Wort. Auch die DWS, Fonds­gesell­schaft der Deutschen Bank, tritt auf vielen Aktionärs­treffen auf – und bezieht dort häufig Stellung.

Auch andere Fonds­gesell­schaften sind bei den Haupt­versamm­lungen präsent, aber nicht immer melden sie sich zu Wort. „Wir neigen nicht dazu, unsere Kritik nach außen zu tragen“, sagt Klaus Papenbrock, Sprecher von Allianz Global Investors, „sondern wir ziehen direkte Gespräche mit der Unter­nehmens­führung vor. Das halten wir für erfolg­versprechender.“

Deka, Fonds­gesell­schaft der Sparkassen, zieht meist ebenfalls Einzel­gespräche vor. Aufgetreten ist Deka vergangenes Jahr zum Beispiel bei Adidas, RWE und Eon. Nach den Worten von Deka­bank-Chef Michael Rüdiger soll die öffent­liche Präsenz der Deka auf Haupt­versamm­lungen zunehmen.

Auch das US-Fonds­haus Black­rock, das sowohl ETF (iShares) als auch gemanagte Fonds anbietet, nimmt seine Stimm­rechte wahr und steht im Dialog mit den Unternehmen. „Das öffent­liche Forum von Haupt­versamm­lungen nutzen wir hierzu nicht“, sagt Marc Bubeck von Black­rock. An Siemens etwa halten die Amerikaner rund 5 Prozent der Anteile.

Professionelle Dienst­leister

Die Fonds­gesell­schaften fahren nicht zu jeder Haupt­versamm­lung. Die Stimm­rechte über­tragen sie in diesem Fall an Dienst­leister wie zum Beispiel ISS, Institu­tional Shareholder Services aus den USA, oder die schwe­dische GES, Global Engagement Services. Diese geben Empfehlungen ab, wie die Fonds­gesell­schaften abstimmen sollen oder gehen selbst vor Ort.

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