Zahl­saison für Aktionäre: Allein die Dax-Konzerne schütten rund 30 Milliarden Euro aus. Das tröstet über den schlechten Börsen­jahres­start hinweg.

Da kommt die Dividenden­saison gerade recht: Wenige Tage nach Jahres­beginn hatte der Dax sein Plus von 2015 wieder abge­geben. Die Gewinne der Unternehmen, die vergangenes Jahr gut verdient haben, haben jedoch Bestand. Die Ausschüttungen fließen auch dieses Jahr üppig und gleichen Kurs­verluste zumindest teil­weise aus.

Wer Aktien länger hält, kann zwischen­zeitliche Rück­schläge aussitzen und sich mit Dividenden­werten eine sprudelnde Einnahme­quelle erschließen. Doch Vorsicht: Ein gleich­wertiger Ersatz für sichere Zins­anlagen sind Aktien nicht – selbst wenn die Unternehmen regel­mäßig und viel Geld ausschütten. Doch welches sind nun die zuver­lässigsten Dividendenzahler?

Die Finanztest-Lang­zeit­unter­suchung

Finanztest hat alle Werte untersucht, die in den wichtigsten deutschen Aktienindizes Dax, MDax, SDax und TecDax gelistet sind. Außerdem im Test sind ausgewählte ausländische Dividenden­titel.

Das Fazit: Verläss­lich sind vor allem Titel der zweiten Reihe wie Optiker Fielmann und Schmier­stoff­hersteller Fuchs Petrolub aus dem MDax etwa, dem Index für mittel­große Werte. Beide Firmen haben im zehnjäh­rigen Unter­suchungs­zeitraum nicht nur jedes Jahr eine Dividende gezahlt, sie haben sie auch jedes Jahr erhöht (Tabelle Ausgesuchte Dividendenwerte). Ebenso der Agrar­konzern Baywa und die Verkehrs­technikfirma Schalt­bau aus dem SDax, dem Index für kleine Werte. Zum Kreis der zuver­lässigsten Dividendenzahler zählt zudem Stratec Biomedical, Medizin­technikspezialist aus dem TecDax.

Sechs Neue im Test

Stratec Biomedical ist eins von sechs Unternehmen, die im Vergleich zu unserem Test aus dem Vorjahr neu hinzugekommen sind (Test Aktien und Fonds: Nachhaltige Dividenden-Rendite statt Minizinsen, Finanztest 4/2015). Aus dem MDax haben es Ticket­dienst­leister CTS Eventim und Maschinenbauer MTU Aero Engines geschafft. Ebenfalls neu sind die Software AG und die Firma Schalt­bau aus dem SDax sowie der US-Tele­komkonzern Verizon.

Zwei Jahr­zehnte Zuver­lässig­keit

5 von 19 der von uns als zuver­lässig einge­stuften Dividenden­aktien sind im Blue-Chip-Index-Dax gelistet, dem Index für Werte aus der ersten Reihe: Bayer, Henkel, Linde, SAP und die Münchener Rück. Sie alle mussten nach der Finanz­krise jedoch eine kurze Dividenden-Erhöhungs­pause einlegen und zählen daher nicht zu den beständigsten Zahlern.

Ganz weit vorn sind hier die Schweizer: Nahrungs­mittel­multi Nestlé kommt auf 19 Erhöhungen hinter­einander, der Pharma­konzern Novartis auf 20. Roche, ebenfalls Pharma, liegt mit 27 Dividenden­erhöhungen in Folge an der Spitze.

Verläss­lich­keit wiegt in unserem Test schwerer als die Höhe der Dividendenrendite. Doch auch darauf haben wir Wert gelegt. Wer weniger als 1 Prozent erreicht, ist nicht dabei.

Dividendenrendite über 4 Prozent

Auf die höchste Dividendenrendite kommen Verizon mit 4,5 Prozent und die Münchener Rück mit 4,4 Prozent. Die Dividendenrendite ergibt sich aus der Dividende, geteilt durch aktuellen Aktienkurs.

Weil sie vom aktuellen Kurs abhängt, wird die Dividendenrendite umso höher, je tiefer eine Aktie fällt. Per Ende Dezember, als der Dax noch höher stand, kam die Münchener Rück nur auf 4,2 Prozent Rendite – obwohl die Dividende dieselbe war wie heute.

Problematisch wird der Effekt, wenn ein Unternehmen sich dauer­haft schlecht entwickelt – wie zuletzt zum Beispiel der Energieversorger RWE. Dessen Dividendenrendite beträgt per Ende Januar 7,8 Prozent und ist die höchste im Dax – trotz seit Jahren rück­läufiger Ausschüttungen.

Die Dividendenrendite gibt an, wie das einge­setzte Kapital verzinst wird. Wir zeigen in der Tabelle die jeweils zuletzt gezahlte Dividende. Häufig wird zur Berechnung jedoch die prognostizierte Dividende heran­gezogen. Ein Anleger, der zum heutigen Kurs kauft, weiß damit, wie sein angelegtes Geld verzinst werden wird – sofern die Prognose Bestand hat.

Auch die Kurs­entwick­lung zählt

Die Dividendenzahlung ist nur ein Teil der tatsäch­lichen Rendite. Ob sich eine Aktien­anlage lohnt, hängt darüber hinaus von der Entwick­lung des Aktien­kurses ab.

In der Regel ist die Kurs­entwick­lung sogar der entscheidende Faktor, wie die Analyse von Dax und amerikanischem Dow Jones zeigt. In den vergangenen 20 Jahren entfiel beim Dax rund ein Drittel der Erträge auf Dividenden, beim Dow Jones lag der Anteil etwas geringer. Die restlichen Erträge waren Kurs­zuwächse. Übrigens: Im Punkte­stand des Dax, den Anleger aus der Tages­schau kennen, sind die Dividenden enthalten, im Punkte­stand des Dow Jones nicht.

Für die Aktien in unserem Test haben wir sowohl die Wert­entwick­lung für ein Jahr als auch für fünf Jahre ausgerechnet – Dividende inklusive (Tabelle: Ausgesuchte Dividendenwerte). Über fünf Jahre hat der Ticket­dienst­leister CTS Eventim am besten abge­schnitten: 25,7 Prozent Plus pro Jahr. Minus gabs auch: Baywa, die Software AG und Biotest haben jeweils mehr als 2 Prozent pro Jahr verloren.

Hohe Verluste bei Biotest

Ins Auge fällt die Aktie von Biotest, die zuletzt regelrecht abge­stürzt ist: minus 65,9 Prozent auf ein Jahr (Stichtag 31. Januar 2016). Grund für den Kurs­einbruch im vergangenen Jahr waren außerplan­mäßige Abschreibungen in den USA. Der Rück­gang markiert den größten Verlust der Aktie im abge­laufenen Fünf­jahres­zeitraum.

Die Mehr­zahl der anderen Werte hatte die größten Verluste infolge der Finanz­krise in den Jahren 2007, 2008 oder 2009 erlitten. Das zeigt in unserer Über­sicht der Vergleich der maximalen Verluste über fünf und über zehn Jahre (Tabelle: Ausgesuchte Dividendenwerte).

Fielmann und Nestlé sehr stabil

Auffallend stabil sind die Aktien der Optikerkette Fielmann sowie die des Lebens­mittel­riesen Nestlé. Fielmann hat in den vergangenen fünf Jahren als schlimmsten Rück­gang lediglich 12 Prozent zu verbuchen. Nestlés maximaler Verlust liegt im selben Zeitraum bei 10 Prozent. Inklusive der Verlust­jahre während der Finanz­krise ist es jeweils das Doppelte – aber dennoch vergleichs­weise wenig.

Für Anleger ist die Angabe ein Hinweis darauf, mit welchen zwischen­zeitlichen Einbrüchen sie klar­kommen sollten, wenn sie über den Kauf einzelner Aktien nach­denken.

Auch das Finanz­amt will kassieren

Dividenden unterliegen der Abgeltung­steuer. 25 Prozent plus eventuell Kirchen­steuer zieht die Bank von der Ausschüttung ab. Anleger mit geringerem Steu­ersatz können sich einen Teil davon wieder­holen.

Bei ausländischen Aktien wird meistens noch eine Quellen­steuer abge­zogen. Die können Anleger sich in der Regel zwar zurück­holen, doch das ist oft mühsam.

Prognosen über­wiegend positiv

Noch eine gute Nach­richt zum Schluss: Weil das Jahr 2015 für viele Unternehmen sehr gut lief, haben sie höhere Ausschüttungen in Aussicht gestellt. Die Münchener Rück zum Beispiel will nach 7,75 Euro im Jahr 2015 in diesem Jahr 8,25 Euro je Aktie ausschütten – wenn die Aktionäre auf der Haupt­versamm­lung zustimmen.

Luft­hansa wird nach der Null­runde 2014 vermutlich wieder eine Dividende zahlen. Die Aktionäre der Commerz­bank sollen erst­mals seit der Finanz­krise wieder eine Ausschüttung bekommen. Eine Ausnahme ist die Deutsche Bank, die nach hohen Verlusten 2015 dieses Jahr keine Dividende zahlen will.

VW hat die Vorlage des Jahres­abschlusses und die Haupt­versamm­lung verschoben.

Haupt­versamm­lungs­saison gestartet

Siemens und ThyssenKrupp haben das jähr­liche Aktionärs­treffen schon hinter sich, die Dividende ist beschlossen und bereits ausgeschüttet: Siemens hat 3,50 Euro je Aktie gezahlt, bei ThyssenKrupp waren es 0,15 Euro. Die Anteils­eigner der anderen Dax-Konzerne versammeln sich in den kommenden Monaten (Termine siehe Tabelle: Die Dividenden der DAX-Konzerne).

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