Dispozinsen Test

Im November hatte Finanztest die Banken wegen viel zu hoher Dispozinsen getadelt Dispozinsen: Banken verweigern Auskunft. Ein Nachtest bei rund 350 Banken mit hohem Dispozinsen lässt Verbraucher hoffen. Der Zins, den sie für die Über­ziehung des Giro­kontos verlangen, ist bei rund 150 Banken gesunken – meist um 1 Prozent­punkt. Sogar die Commerz­bank bewegt sich.

Jetzt bereit zur Auskunft

Die Antwort kam prompt. Als wir die Raiff­eisen­bank Fischenich-Kendenich in der Nähe von Köln dieses Mal nach der Höhe ihrer Dispozinsen fragen, gab sie uns bereitwil­lig Auskunft: Für die Über­ziehung des Giro­kontos verlangt die Bank von ihren Kunden 12,65 Prozent. Vor zwei Monaten waren es noch 14,25 Prozent und damit so viel, wie bei keiner anderen deutschen Bank. Das erfuhren wir aber nur mithilfe einer Test­person, die in der Filiale nach­schaute. Die Bank selbst hatte auf unsere Anfrage nicht reagiert. Wir hatten damals knapp 1 600 Banken ange­schrieben und sie nach der Höhe ihrer Dispozinsen gefragt. Dabei mussten wir fest­stellen, dass die Banken ihre Kunden mit hohen Dispozinsen schröpfen und den Zins gern verschweigen. Sie selbst können sich zu historisch nied­rigen Zinsen Geld leihen.

150 Banken haben den Zins gesenkt

Unmittel­bar nach der Veröffent­lichung der Testergebnisse Dispozinsen im Finanztest-Heft 11/2012 und auf test.de haben einige Banken den Dispozins gesenkt. Das hat uns neugierig gemacht. Wir wollten wissen, ob unser Test auch bei anderen Banken etwas bewirkt hat. Wir haben die teuersten Kredit­institute erneut geprüft, rund 350 Banken. Das sind alle, die zum 1. September 2012 einen Dispozins von 12,5 Prozent und mehr hatten. Das Ergebnis lässt hoffen, auch wenn knapp 200 Banken den Zins­satz nicht verändert haben. Doch immerhin lag bei rund 150 Banken der Dispozins nied­riger als zwei Monate zuvor.

Positive Beispiele für Zins­senkungen

Zum Beispiel diese Banken senkten den Dispozins:

  • Die Sparkasse Nieder­lausitz machte einen besonders großen Schritt auf die Kunden zu. Sie senkte den Dispozins von 13,5 Prozent auf 9,5 Prozent. Damit ist er dem derzeitigen Zins­niveau angemessen.
  • Sehr stark gesenkt haben auch die Nord­thüringer Volks­bank und die VR-Bank Schwerin: jeweils um 3,55 Prozent­punkte auf 9,95 Prozent. So große Zins­senkungen sind aber die Ausnahme, meist liegt die Ermäßigung bei unter einem Prozent­punkt.
  • Bewegt hat sich nun auch die Commerz­bank. Ihr Dispozins lag zwei Jahre unver­ändert bei 13,24 Prozent. Der Abstand zum Markt­zins wurde immer größer – die Bank verdiente am Dispo mehr als zuvor. Nun verlangt die Bank noch 11,9 Prozent.

Zins muss noch güns­tiger werden

Trotz vereinzelter Zins­senkungen verlangen viele Banken immer noch zu viel. Die Targo­bank (Extra- und Classic-Konto) und die Sparkasse Göttingen haben zwar gesenkt, kassieren aber immer noch 14,06 Prozent und 13,50 Prozent. Akzeptable Dispozinsen liegen derzeit bei unter 10 Prozent. Das schafften in der Unter­suchung im November-Heft mehr als 60 Banken. Sehr güns­tige Banken verlangten sogar weniger als 6 Prozent, allen voran die Volks­bank Uckermark-Randow mit 4,5 Prozent (Konto Giro Komfort Plus) und die Deutsche Skat­bank mit 5,25 Prozent.

Dispozinsen müssen trans­parent sein

Wie hoch der Dispozins einer Bank ist, erfahren oft nur Kunden, die bereits ein Giro­konto bei dieser Bank haben. Andere, die erst einmal vergleichen wollen, haben es schwer. Nur knapp die Hälfte der Banken veröffent­licht ihren Preis­aushang im Internet. Das ist unver­ständlich, da alle Banken einen Internet­auftritt haben. Den Verbrauchern und auch uns ist es nahezu unmöglich, mit wenig Aufwand regel­mäßig die Dispozinsen der Banken zu vergleichen. Wir bleiben hartnä­ckig. Wenn nötig, schi­cken wir auch wieder Test­kunden in einzelne Banken.

Dieser Artikel ist hilfreich. 12 Nutzer finden das hilfreich.