Dispozinsen Meldung

Verbraucher­schutz­ministerin Ilse Aigner hat Banken und Sparkassen aufgefordert, die hohen Dispo­zinsen endlich zu senken. Unser Dauer­test von 68 Banken und Sparkassen zeigt: 11,44 Prozent Zinsen pro Jahr werden im Schnitt für die Über­ziehung des Kontos fällig – dabei können sich die Institute selbst günstig Geld leihen.

Günstig leihen, teuer verleihen

Dispozinsen Meldung

Die Dispozinsen bleiben unver­ändert hoch – durch­schnitt­lich 11,44 Prozent Zinsen sind für die Über­ziehung des Kontos fällig. Das hat Finanztest wir zuletzt am 1. Dezember 2011 für 68 Banken und Sparkassen ermittelt. Dabei spricht vieles dafür, dass die Banken und Sparkassen die Dispozinsen kräftig senken könnten – denn sie können sich anderswo günstig Geld leihen. Ihre Kredit­konditionen orientieren sich am Leitzins. Und den hat die Europäische Zentral­bank hat im Zuge der damaligen Finanz­krise von 4,25 Prozent Oktober 2008 auf 1 Prozent im Mai 2009 gesenkt. Dort steht der Wert auch heute. Der Leitzins gibt an, zu welchem Mindest­zins­satz sich die privaten Geldhäuser bei der Europäischen Zentral­bank Geld leihen können. Die Zins­sätze für Kredite, die Banken sich unter­einander geben, sind ebenfalls gefallen. Doch von den Bank­kunden, die mit ihrem Konto im Minus stehen, verlangen die Geldhäuser nahezu unver­ändert hohe Zinsen (siehe Grafik).

Ministerin Aigner will beob­achten

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Verbraucher­ministerin Aigner nimmt Banken ins Visier

Die Bundes­verbraucher­schutz­ministerin Ilse Aigner hat die deutschen Kredit­institute jetzt aufgefordert, ihre Zins­vorteile an die Kunden weiterzugeben. Die CSU-Politikerin erklärte, sie habe „kein Verständnis dafür, wenn Banken sich einer­seits bei der Zentral­bank billiges Geld beschaffen, anderer­seits aber ausgerechnet jene Kunden mit hohen Zinsen abkassieren, die am wenigsten haben“. Die hohen Dispozins­sätze von Banken und Sparkassen wolle sie in diesem Jahr beob­achten lassen. Die Stiftung Warentest tut dies bereits seit Jahren.

Banken müssen Zins an Referenz­wert koppeln

Damit sie nicht mehr nach Belieben die Zinsen erhöhen können, müssen die Banken bereits seit Juni 2010 für die Dispozinsen einen Referenz­wert benennen. Die Idee: Nur wenn sich der Referenz­wert ändert, darf auch der Dispozins­satz steigen. Neben dem Leitzins der Europäischen Zentral­bank ist auch der 3-Monats-Euribor ein verbreiteter Referenz­wert. Er gibt an, welchen Zins­satz eine Bank ungefähr zahlen muss, wenn sie bei einer anderen Bank im Euro-Raum eine Anleihe für drei Monate aufnimmt.

Banken mit schlechten Klauseln

Ärgerlich: Nicht alle Institute verpflichten sich, die Höhe ihrer Dispozinsen fest an einen Referenz­wert anpassen. Und manche Kredit­institute verwenden im Klein­gedruckten Zins­anpassungs­klauseln, die viel zu schwammig sind. So sieht es beispiels­weise das Land­gericht Göttingen, das die Anpassungs­klausel der Volks­bank Oberharz für unzu­lässig hält (Az. 9 O 294/11, nicht rechts­kräftig) oder auch das Land­gericht Berlin, das das Klein­gedruckte der Berliner Volks­bank bean­standet hat (Az. 15 O 188/11, nicht rechts­kräftig). Die Urteile erstritten hat der Verbraucherzentrale Bundesverband in Zusammen­arbeit mit der Stiftung Warentest.

Tipp: Welches die teuersten Bank in Deutsch­land sind – und welche in Sachen Dispozins günstig sind, zeigt Ihnen die Unter­suchung Dispozinsen –1 600 Banken im Test. Welche Kredit­institute kostenlose Giro­konten ohne Wenn und Aber anbieten, zeigt die Unter­suchung Girokonto – Deutschlands Konten im Test.

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