Dispozinsen Test

Bank­kunden ahnen oft nicht, wie viel Banken für die Über­ziehung des Giro­kontos kassieren. Finanz­test hat eine Über­sicht mit Dispo­zins­sätzen von fast 1 000 Banken erstellt. Ergebnis: Die aller­meisten Banken verlangen trotz historisch nied­rigem Zins­niveau 11 Prozent und mehr. Ein neues Gesetz könnte die Dispo­zinsen weiter steigen lassen.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Dispozinsen

Saftige Zinsen üblich

Dispozinsen: Viele Banken kassieren kräftig ab

Finanztest hat 992 Banken nach der Höhe ihrer Dispozinsen befragt, mehr als jemals zuvor. Dazu zählen die über­regionalen Groß- und Direkt­banken ebenso die regionalen Sparda- und PSD-Banken, die 431 Sparkassen und die jeweils 250 größten und 250 kleinsten der 1 154 Volks- und Raiff­eisen­banken. Ergebnis: Zins­sätze von 11 Prozent und mehr sind in der Branche nach wie vor üblich. Die Spitzenreiter der Unter­suchung des vergangenen Jahres sind wieder vorne: Die Targo­bank, ehemals Citi­bank, verlangt bei einem ihrer fünf Konto­modelle 16,99 Prozent Dispozinsen. Die Sant­ander Consumer Bank nimmt 16,98 Prozent, wenn der Kunde mit mehr als 1 000 Euro verschuldet ist.

Sparkassen, Volks- und Raiff­eisen­banken besonders dreist

Dispozinsen Test

Dispozinsen von 14 Prozent und mehr verlangten 21 Banken im Test (Stichtag 1. August 2010). Die Stadt­sparkasse Hameln macht ihren Zins von der Kreditwürdig­keit des Kunden abhängig. Hoch ist er immer.

Anders als Targo­bank und Sant­ander Consumer Bank verlangen die meisten Institute einen einheitlichen Zins­satz – und langen so bei allen Kunden zu. Teuer sind vor allem ländliche Institute. Im Test verlangen 21 Spar­kassen, Volks- und Raiff­eisen­banken einen Dispo­zins von 14 Prozent und mehr (s. Karte). Doch das ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs: 153 Spar­kassen und 286 Volks- und Raiff­eisen­banken verweigerten die Auskunft. Jetzt sind Sie gefragt. Helfen Sie den, verschwiegenen Instituten auf die Schliche zu kommen. Finanztest hat dazu einen Leseraufruf geschaltet.

Banken kommen günstig an Geld

Vieles spricht dafür, dass die Banken die Dispozinsen deutlich senken könnten. Die Europäische Zentral­bank (EZB) hat den Leitzins im Zuge der Finanzmarkt­krise von 4,25 Prozent im Oktober 2008 auf ein historisches Tief von 1 Prozent im Mai 2009 gesenkt. Dort steht er bis heute. Der Leitzins gibt an, zu welchem Mindest­zins­satz sich die privaten Geldhäuser bei der Europäischen Zentral­bank Geld leihen können. Die Zins­sätze für Kredite, die Banken sich unter­einander geben, sind ebenfalls rapide gefallen. Beim Dispo rührt sich derweil wenig, die Banken geben die Leitzins­senkung nicht voll­ständig weiter.

Millionenschaden für Kunden

In Deutsch­land steht etwa jeder sechste Bank­kunde mit seinem Konto im Minus, wie die Gesell­schaft für Konsumforschung berichtet. Das läppert sich: Die Bundes­bank gibt das Volumen der Über­ziehungs­kredite für Mai dieses Jahres mit 41,6 Milliarden Euro an – davon machen die Dispokredite den Löwen­anteil aus. Gemessen an dieser Summe kostet jeder Prozent­punkt an Zinsen, den die Banken kassieren, die Bank­kunden 416 Millionen Euro im Jahr – ein gutes Geschäft für die Banken.

Gesetz könnte Situation verschärfen

Im Juli hat der Bundes­tag die Ver­brau­cher­kredit­richt­linie der Europäischen Union in deutsches Recht gegossen. Die Banken müssen nun für ihre Dispozinsen einen Referenzzins nennen – etwa den Leitzins der EZB. Die Idee: Nur wenn der Referenzzins steigt, darf auch der Dispozins nach oben klettern. Die Banken können also nicht mehr will­kürlich an der Zins­schraube drehen. Doch wie der Leitzins sind auch viele andere der gängigen Referenzzinsen derzeit im Keller. Ausgerechnet jetzt bestimmen die Banken den Abstand zwischen Dispozins­satz und Referenz­wert. Bank­kunden drohen so noch höhere Zinsen. Denn steigen die Referenz­werte aus ihren Tief, dürfen auch die Dispozins­sätze steigen.

Es geht güns­tiger

Doch der Test zeigt auch: Nied­rigere Zinsen sind möglich. Direkt­banken sind oft güns­tiger, vorneweg die Deutsche Skat­bank mit einem Zins­satz von 6 und die DAB Bank mit 6,95 Prozent. Die regionalen PSD-Banken sind mit Dispozins­sätzen ab 7,92 Prozent bei der PSD-Bank in Braun­schweig ebenfalls günstig. Die PSD-Banken verlagern in Geschäft zunehmend ins Internet und ähneln so den Direkt­banken. Das spart Kosten. Ein Filialnetz ist aber keine Ausrede für hohe Zinsen. So verlangt die Stadt­sparkasse Schwedt einen Dispozins von 9 Prozent für alle Konten. Bei der Volks­bank Euskirchen zahlen die Kunden 9,34 Prozent. Die Institute gehören zu den wenigen Filial­banken im Test, die einen Zins­satz von weniger als 10 Prozent verlangen. Sie zeigen den Preistreibern: Es geht auch güns­tiger.

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